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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Singleton - Sinne.

Singleton (engl.), im Kartenspiel die alleinige Karte von einer Farbe, s. v. w. Trumpf.

Singrün (d. h. auf die Dauer grün, mißverständlich Sinngrün geschrieben), s. v. w. Immergrün, s. Vinca.

Sing Sing, Dorf im nordamerikan. Staat New York, links am Hudson, 45 km oberhalb New York, mit Zellengefängnis (1300 Gefangene), zahlreichen Villen und Pensionaten und (1880) 6578 Einw.

Singspiel, s. v. w. Operette und Liederspiel.

Singstimme. Die menschliche S. gehört zu den Zungenpfeifen (vgl. Blasinstrumente u. Schall, S. 396); die Stelle der Zungen (es sind deren zwei wie bei der Oboe) vertreten die Stimmbänder, welche zwischen den beweglichen zwei Schildplatten und zwei Gießbeckenknorpeln, die zusammen den Kehlkopf bilden, einander gegenüberstehend, leicht nach oben gegeneinander geneigt ausgespannt sind. Zahlreiche Muskeln bewirken sowohl eine straffere Spannung als ein Nachlassen der Spannung der Stimmbänder, sei es in der ganzen Ausdehnung oder nur teilweise; auch eine Verdickung der Stimmbänder wie anderseits eine Verdünnung besonders der Ränder ist möglich, da die Knorpelpaare sich aufeinander zu und voneinander weg bewegen können, wodurch entweder die Tiefe oder die Breite des Kehlkopfes (s. d.) verändert wird. Ein bewußtes Infunktionsetzen dieser oder jener Muskeln ist nicht möglich; die physiologischen Experimente zur Erforschung der Bedingungen, unter denen diese oder jene Modifikation des Klanges der Menschenstimme entsteht, sind daher für die Praxis des Singens unfruchtbar und nur für die Wissenschaft von Interesse. Leider sind indes auch für diese unzweifelhafte Resultate kaum zu verzeichnen (vgl. Falsett, Ansatz, Register etc.). Für diejenigen, welche in das Gebiet dieser Konjekturen eindringen wollen, sei Merkels "Anthropophonik" (Leipz. 1857) empfohlen. Vgl. Stimmbildung und Gesang.

Singular (Singularis numerus, lat.), in der Grammatik die Einzahl (s. Numerus); singulär, einzeln, sonderbar, seltsam; Singularität, Sonderbarkeit, Eigenheit.

Singularsuccession (lat.), s. Rechtsnachfolge.

Singultus (lat.), Schluchsen (s. d.).

Singvögel (Oscines), Unterordnung der Sperlingsvögel.

Singzirpen (Stridelantia), Familie aus der Ordnung der Halbflügler, s. Cikaden.

Sinigaglia (spr. -gallja, Senigallia), Stadt in der ital. Provinz Ancona, am Adriatischen Meer und an der Eisenbahn Bologna-Ancona, ist Sitz eines Bischofs, hat ein Lyceum, Gymnasium, Seminar, eine technische Schule, eine Kathedrale, eine Synagoge, ein großes Theater, einen kleinen Hafen (1886 eingelaufen: 295 Schiffe mit 6804 Ton.), ein Seebad, lebhaften Handel und (1881) 9602 Einw. - S. ward von den gallischen Senones gegründet und hieß ursprünglich Sena gallica. Nach diesem wird auch die Schlacht am Metaurus (s. Metauro) benannt, in welcher Hasdrubal 207 v. Chr. besiegt wurde. S. war früher wegen seiner Julimesse (20. Juli bis 8. Aug.) bedeutend; dieselbe wurde 1869 aufgehoben. Es ist der Geburtsort der Sängerin Catalani (1784) und des Papstes Pius IX. (1792).

Sining, Stadt an der Westgrenze der chines. Provinz Komsu, an einem linken Nebenfluß des Huangho, mit 60,000 Einw.; diente den Reisenden Kreitner, Prschewalskij und Potanin wiederholt als Quartier.

Siniöl, s. Grasöl.

Sinister (lat.), link, linkisch; auch unheilbedeutend (weil bei der Vogelschau der Römer die von links herfliegenden Vögel für unglückbedeutend galten).

Sinistra (s. mano, ital., abgekürzt s. m.), linke (Hand), in der Klaviermusik gebräuchliche Anweisung, eine Stelle mit der linken Hand zu spielen.

Sinking fund (engl., spr. ssínking fönnd), s. v. w. Tilgungsfonds (s. d.).

Sinkwerk, s. Salz, S. 236.

Sinn (Breite S.), 1) rechter Nebenfluß des Mains, entspringt am Kreuzberg (Rhön), fließt im allgemeinen südsüdwestlich, nimmt die vom Dammersfeld kommende Schmale S. auf und mündet bei Gemünden gleichzeitig mit der Fränkischen Saale. -

2) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis, an der Dill und an der Linie Deutz-Gießen der Preußischen Staatsbahn, hat ein großes Eisenhütten- und Hammerwerk (Neuhoffnungshütte), ein Blechwalzwerk, Glockengießerei, eine Maschinen- und eine Papierfabrik, eine Rohrschmiede, eine Säge- und Mahlmühle und (1885) 954 Einw.

Sinnbild (Symbol), eine sinnliche Vorstellung (Bild), durch welche eine selbst nicht sinnliche, sondern abstrakte Vorstellung (Sinn) veranschaulicht wird. Vgl. Allegorie.

Sinne (Sensus), in der weitesten Bedeutung die verschiedenen Arten der Wahrnehmung. Die S. unterrichten uns sowohl über die Außenwelt, und dann nennen wir sie objektive oder äußere S., als auch über gewisse Zustände unsers eignen Körpers, und dann heißen sie Gemeingefühle oder innere S. Bei der von alters her angenommenen Fünfzahl der S.: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen, sind nur die äußern S. berücksichtigt. Für jeden dieser S. besitzen die höhern Tiere bestimmte Organe, sogen. Sinnesorgane (s. d.). Was im allgemeinen das Zustandekommen der Empfindungen betrifft, so ist dasselbe an drei Bedingungen gebunden, nämlich an eine objektive Ursache der Empfindung, den sogen. Sinnesreiz, sodann an die Erregung der Sinnesnerven und endlich an die bewußte Wahrnehmung eines veränderten Zustandes des betreffenden Sinnesnervs. Die Sinnesreize sind homologe oder adäquate und heterologe Reize. Für die erstern ist das Sinnesorgan speziell eingerichtet, und der betreffende Sinnesnerv ist an seinem peripherischen Ende vermöge besonderer Apparate dafür in hohem Grad empfänglich. Solche homologe Reize sind das Licht für das Auge, der Schall für das Ohr. Heterologe Reize nennt man alle übrigen, welche überhaupt Empfindungen veranlassen können, z. B. Elektrizität für die Netzhaut des Auges etc. Die durch heterologe Reize verursachten Empfindungen sind aber den durch homologe Reize veranlaßten ähnlich. Zur Erregung objektiver Empfindungen sind äußere (homologe oder heterologe), zur Erregung subjektiver Empfindungen innere, im Körper selbst liegende und den nervösen Sinnesapparat treffende Reize erforderlich, welch letztere entweder den Empfindungsnerv in dessen Peripherie oder Verlauf, oder gewisse Partien des Gehirns, nämlich die sogen. Zentralorgane der S., betreffen. Die subjektiven Empfindungen sind übrigens bezüglich ihrer Qualität den objektiven vollkommen ähnlich. Der Sehnerv z. B. kann, durch innere Reize (Blutandrang u. dgl.) erregt, keine andern Empfindungen als die von Licht und Farbe hervorrufen. Obschon die Empfindung zunächst nichts andres ist als eine bewußte Wahrnehmung veränderter Zustände der nervösen Sinnesapparate selbst, so verlegen wir doch erfahrungsgemäß das Empfundene in die Außenwelt, ja wir fassen sogar den durch das äußere Objekt in uns