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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Skrofulose - Skutari.

Auch enthält die Familie zahlreiche schön blühende Zierpflanzen. Als Unterfamilien gehören zu den S.: die bisweilen als selbständige Familien aufgeführten Rhinanthaceen, deren Antheren grannenförmige, spitze Anhängsel am Grund besitzen; die Antirrhineen, ohne Anhängsel an den Antheren, und die Verbasceen, mit fünf oder vier gleichlangen Staubgefäßen. Einige Arten der Gattungen Verbascum L. und Scrophularina Heer kommen fossil in Tertiärschichten vor.

Skrofulose, s. Skrofeln.

Skrubber (engl., "Kratzer"), s. Leuchtgas, S. 734.

Skrupel (lat. scrupulus), Anstoß, Zweifel, Bedenken (daher skrupulös, voller Bedenken, ängstlich erwägend, peinlich-genau); auch Name eines Apothekergewichts, = 1/3 Drachme oder 20 Gran = 1,25 Gramm, in der Rezeptur durch ^[img] bezeichnet.

Skrutator (lat.), die mit einer Prüfung, insbesondere mit der Feststellung eines Wahlergebnisses, beauftragte Person.

Skrutinialverfahren, im Strafprozeß das der Erhebung der öffentlichen Klage vorhergehende staatsanwaltschaftliche Ermittelungsverfahren (s. Strafverfahren); auch s. v. w. Skrutinium.

Skrutinium (lat.), Wahlprüfung, namentlich die Ermittelung des Ergebnisses einer Wahl oder Abstimmung, welche mittels Stimmzettel erfolgte; auch s. v. w. Listenskrutinium (s. Listenabstimmung). Im Kirchenrecht versteht man unter S. die der Übertragung eines geistlichen Amtes vorausgehende Untersuchung, ob der Berufene zur Bekleidung des Amtes fähig sei; dann die mittels versiegelter Stimmzettel vorgenommene Wahl der Bischöfe und Päpste.

Skrzynecki (spr. -etzki), Jan Boncza, poln. General, geb. 18. Febr. 1786 in Galizien, studierte zu Lemberg namentlich Mathematik, trat 1806 in das polnische Heer, zeichnete sich in den Feldzügen von 1812 bis 1814 mehrfach aus und erhielt 1815 als Oberst den Befehl über ein polnisches Infanterieregiment. Beim Ausbruch der Revolution 29. Nov. 1830 stellte er sich zur Verfügung des Großfürsten und folgte demselben an der Spitze seines Regiments, kehrte aber 3. Dez. nach Warschau zurück, um sich der Nationalsache anzuschließen, ward vom Generalissimus Radziwill zum Brigadegeneral ernannt und befehligte in der Schlacht von Grochow (25. Febr. 1831) mit Auszeichnung eine Division. Nach Radziwills Rücktritt zum Oberfeldherrn ernannt, widmete er sich zwar mit Eifer der notwendigen neuen Organisation, verzögerte aber in der Hoffnung auf eine Intervention der auswärtigen Mächte das Vorgehen bis Ende März. Zwar schlug er dann die Heeresabteilungen des Generals Geismar bei Wawre und das Hauptkorps des Generals Rosen bei Dembe, unterließ jedoch, seinen Sieg zu verfolgen. Erst als die Russen ihre Streitkräfte zu vereinigen suchten, griff er 8. April Sielce und die Korps von Rosen und Pahlen II. bei Iganie an, überließ sich aber darauf von neuem der Unthätigkeit. Der unglückliche Ausgang der Schlacht bei Ostrolenka (26. Mai), den er durch unzeitigen Rückzug verschuldet hatte, nötigte ihn zur Umkehr nach Warschau. Hier betrieb er, um den Einfluß der patriotischen Klubs zu schwächen, eine Reform der Regierung, versäumte aber darüber wieder die Gelegenheit zum Angriff auf die nach Diebitsch' Tod durch die Cholera geschwächten Feinde. Der Reichstag sandte daher 10. Aug. eine Untersuchungskommission in das Lager vor Bolimow, worauf S. den Oberbefehl niederlegte. Er hielt sich seitdem bei dem Partisanenkorps des Generals Rozycki auf und trat 22. Sept. mit diesem auf das Gebiet des Freistaats Krakau über, von wo er sich nach Galizien begab. Später lebte er in Prag, bis er 1839 nach Belgien ging, wo er den Oberbefehl über das Heer übernahm, aber infolge der Reklamationen Rußlands, Österreichs und Preußens als Divisionsgeneral zur Disposition gestellt werden mußte. Seitdem privatisierte er lange Zeit in Brüssel und starb 12. Jan. 1860 in Krakau.

Skuld, in der nord. Mythologie die Norne der Zukunft, s. Nornen.

Skuljany, ehemaliger russ. Zollort in Bessarabien, am Pruth, an der Grenze von Rumänien, mit 3000 Einw. teils jüdischer, teils moldauischer Abkunft, führt Getreide, Häute, Sonnenblumenöl, Metallgegenstände, Wachslichte und Pferde aus; die Einfuhr besteht hauptsächlich in Leder und Früchten.

Skuller (engl.), Art Boot, s. Rudersport.

Skulptur (lat.), diejenige Art der Bildnerei, welche ihre Werke mit Schlägel und Meißel aus dem harten Stoff heraushaut, s. Bildhauerkunst; auch s. v. w. Bildhauerarbeit, Schnitzwerk.

Skunks (Stinktierfelle), die Felle des Stinktiers, kommen aus dem Norden der Vereinigten Staaten sowie aus Britisch-Nordamerika, seitdem man gelernt hat, sie von dem durchdringenden Geruch des Tiers zu befreien, in den Handel; sie sind namentlich in Frankreich und Rußland beliebt und wegen der reichen Grundwolle zu Besatzzwecken geeignet. Produktion ca. 100,000 Stück im Jahr.

Skuptschina, Name des serbischen Landtags; s. Serbien, S. 878.

Skurril (lat.), possenhaft; Skurrilität, Possenreißerei, niedriger und grober Scherz.

Sküs (weniger gut Skis, v. ital. scusa, Entschuldigung), ein eigentümliches Blatt in der Tarockkarte, die Figur eines Harlekins darstellend (s. Tarock); sküsieren, den S. legen und dafür eine andre Karte nehmen; auch s. v. w. sich davon, aus dem Staub machen (eigentlich sich entschuldigen).

Skutari, 1) (slaw. Skadar, türk. Schkodra) die weitläufig gebaute, herrlich gelegene Hauptstadt eines türkischen, das nördliche Albanien umfassenden Wilajets, liegt in der Ebene südlich des gleichnamigen Sees und an der Bojana, 25 km vom Adriatischen Meer, ist Sitz des Generalgouverneurs, mehrerer europäischer Konsuln und eines griechischen Bischofs sowie Stapelplatz von Albanien, hat ein Kastell, eine große kath. Kathedrale, Wollweberei, Schiffbau, lebhaften Handel (Ausfuhr besonders von Wolle und Fellen) und ca. 25,000 Einw. (davon 16,000 Mohammedaner, 7500 Katholiken, 900 Griechen). S. ist das alte Skodra, Hauptstadt des illyrischen Stammes der Labeaten. Später gehörte es zum römischen Illyrien und war bis 168 v. Chr. die befestigte Residenzstadt des illyrischen Königs Gentius; nach dessen Besiegung durch die Römer erhielt es römische Bevölkerung. -

2) (Üsküdar) Stadt im türk. Wilajet Stambul, am Bosporus, Konstantinopel gegenüber gelegen, als dessen Vorstadt es gilt. Es ist Sitz eines Mutessarrifs und eines der vier Mollas von Konstantinopel und mit Ismid durch eine Eisenbahn verbunden, hat einen Palast des Sultans, zahlreiche Moscheen, darunter 8 kaiserliche, Bazare und Niederlagen, eine große Kaserne, ein Kloster der heulenden Derwische, Seiden- und Baumwollweberei, Gerberei, lebhaften Handel und (mit Vororten) 45-50,000 Einw. (meist Türken). S. ist Stapelplatz der mit den asiatischen Karawanen ankommenden, für Konstantinopel bestimmten Waren. Merkwürdig ist der große im Süden der Stadt liegende Cypressenhain, in wel-^[folgende Seite]