Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Slawentzitz; Slawische Mythologie; Slawische Sprachen

1030

Slawentzitz - Slawische Sprachen.

tenegro seit kurzem zu selbständigen Staaten geworden sind, während die übrigen S. zum Deutschen Reich (besonders den östlichen Provinzen Preußens), zu Österreich und der Türkei (Bulgarien) gehören. Ihre Anzahl und Verteilung in den europäischen Staaten ergibt sich aus folgender Tabelle (in Tausenden):

Staaten Jahr Gesamtbevölkerung Russen, Ruthenen Polen Tschechen, Mähren, Wenden Serben, Kroaten, Slowenen Bulgarische Slawen Slawen insgesamt In Prozenten der Gesamtbevölkerung

Rußland 1883 86153 64845 6170 - 30 130 71175 82,8

Österreich-Ungarn 1880 37883 3245 3356 7275 2410 30 16316 43,0

Türkei 1881 8987 20 - - 1100 2300 3420 38,1

Deutsches Reich 1885 46856 16 2540 190 - - 2746 5,8

Serbien 1886 1970 - - - 1822 3 1825 92,6

Montenegro - 236 - - - 231 - 231 97,9

Rumänien 1878 5376 16 - - 45 24 85 1,5

Italien 1886 29944 - - - 30 - 30 0,1

Frankreich 1886 38219 3 10 - - - 13 -

Großbritannien 1881 35419 2 5 - - - 7 -

Finnland 1885 2203 5 - - - - 5 0,2

Schweden 1886 4717 1 - - - - 1 -

Zusammen: - - 68153 12081 7465 5668 2487 95854 -

Vgl. Safarik, Slawische Altertümer (deutsch, Leipz. 1843); Zeuß, Die Deutschen und die Nachbarstämme (Münch. 1837); Palacky, Geschichte von Böhmen (Prag 1836-67, 5 Bde.); Dudik, Mährens allgemeine Geschichte (Brünn 1860-89, Bd. 1-12); Giesebrecht, Wendische Geschichten (Berl. 1843, 3 Bde.); Jirecek, Entstehen christlicher Reiche im Gebiet des heutigen österreichischen Kaiserstaats (2. Ausg., Wien 1870); Rittich, Die Slawenwelt (russ., Warsch. 1885); Krauß, Sitte und Brauch der Südslawen (Wien 1884). Vgl. auch die Litteratur bei den Artikeln Märchen und Sage.

Slawentzitz, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Kosel, an der Klodnitz. am Klodnitzkanal und an der Linie Kosel-Oswiecim der Preußischen Staatsbahn, Standesherrschaft des Herzogs von Ujest, hat eine kath. Kirche, ein Schloß mit schönen Garten- und Parkanlagen und Treibhäusern, große Waldungen und (1885) 1190 Einw.

Slawische Mythologie, s. Slawen, S. 1029.

Slawische Sprachen, eine Familie des großen indogermanischen Sprachstammes (s. Indogermanen) und in diesem am nächsten mit dem Litauischen, entfernter mit den germanischen Sprachen verwandt (s. Slawen). Die älteste slawische Sprache ist das Kirchenslawische (auch Altslawisch und Altbulgarisch genannt) d. h. die Sprache, in welche die beiden Brüder Cyrillus und Methodius, die Apostel der Slawen, um die Mitte des 9. Jahrh. n. Chr. die Evangelien und einige liturgische Werke übersetzten, und die uns zuerst aus einer Handschrift des Evangeliums von Ostromir von 1056 bekannt ist. Wo diese Sprache gesprochen wurde, ist noch streitig; jedenfalls im Süden des slawischen Sprachgebiets, nach Dobrovsky am rechten Donauufer bis zur Donaumündung, südlich bis ans Adriatische Meer und nach Makedonien hinein, während sie nach Schleicher die Mutter der jetzigen Sprache der Bulgaren, nach Miklosich die Mutter des Slowenischen ist. Noch heute ist sie bei den slawischen Völkern des orientalischen Ritus im Gottesdienst allgemein im Gebrauch, allerdings in einer etwas modernisierten Form. Ebenso ist das auch von den Serben und Bulgaren gebrauchte russische Alphabet nur eine modernisierte Abart des aus den griechischen Schriftzeichen zurechtgemachten Alphabets, das Cyrillus für das Kirchenslawische erfand. Das Kirchenslawische in seiner ältesten Form ist nicht die Mutter der übrigen slawischen Sprachen, aber ihre älteste Schwester und daher für die slawische Sprachforschung wie für die allgemeine Sprachvergleichung von der höchsten Bedeutung. Die wichtigsten neuern Arbeiten darüber sind: Miklosich, Lautlehre (3. Bearbeitung, Wien 1878) und Formenlehre (das. 1874) der altslowenischen Sprache; Dobrovsky, Institutiones linguae slavicae dialecti veteris (das. 1822); A. Schleicher, Formenlehre der kirchenslawischen Sprache (Bonn 1852); Miklosich, Radices linguae slovenicae veteris dialecti (Leipz. 1845) und Lexicon palaeo-slovenico-graeco-latinum (Wien 1862-65); Leskien, Handbuch der altbulgarischen Sprache (Weim. 1871). Die lebenden slawischen Sprachen sind: Die russische Sprache, die verbreitetste von allen, nebst den Dialekten Weißrussisch in Witebsk, Minsk etc. und Ruthenisch (Russinisch oder Kleinrussisch) in Südrußland und dem größten Teil von Galizien. Sie wird von etwa 58 Mill. Menschen gesprochen. Die polnische Sprache ist besonders durch ihre reiche, schon im 10. Jahrh. beginnende Litteratur ausgezeichnet; sie wird gegenwärtig noch von ca. 9-10 Mill. Menschen gesprochen, von denen aber sehr viele daneben noch Deutsch oder Russisch sprechen, das in Russisch-Polen dem Gesetz nach die alleinige offizielle und Schulsprache ist. Auch in den angrenzenden Provinzen Deutschlands bis an die Elbe hin wurden im frühern Mittelalter s. S. gesprochen, von denen sich außer zahlreichen Ortsnamen (z. B. Rostock, Berlin, überhaupt die Namen auf -in) ein vereinzelter Überrest in dem erst neuerdings abgestorbenem Polabischen (Elbslawisch) erhalten hat, das mit dem Polnischen nahe verwandt ist. Die böhmische oder tschechische Sprache zeichnete sich namentlich im Mittelalter bis zur Zeit der Hussitenkriege durch eine reiche und wichtige Litteratur aus. Nahe verwandt damit ist das Wendische oder Sorbenwendische, genauer das Ober- und Untersorbische der Wenden in den beiden Lausitzen, an der Spree hin, das heutzutage nur noch von ca. 130,000 Individuen gesprochen wird, von denen ein Drittel sächsische, zwei Drittel preußische Unterthanen sind. In sehr nahen Beziehungen zum Tschechischen steht auch das Slowakische, das sich durch Mähren bis nach den Karpathen hin ausdehnt, übrigens fast ohne alle Litteratur ist. Das Tschechische u. Slowakische wird von etwa 6½ Mill. Menschen gesprochen. Zu welcher Gruppe die einst in Niederösterreich, Steiermark und andern österreichischen Provinzen, vereinzelt auch in Bayern (Baireuth und Oberfranken) angesiedeltem Slawen gehörten, ist schwer zu entscheiden, da eine beträchtliche Anzahl von Ortsnamen die einzigen von ihnen zurückgelassenen Spuren sind. Jedenfalls gehört