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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Smidt; Smijew; Smilaceen; Smilacites; Smilax

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Smidt - Smilax.

zellanmanufaktur, große Ziegeleien und Kalkbrennereien und eine Gasanstalt. S. bildet zugleich einen Knotenpunkt des Eisenbahnverkehrs und hat 3 Bahnhöfe (der Böhmischen Westbahn, der Buschtiehrader und der Prag-Duxer Bahn), welche durch eine Verbindungsbahn (mit Gitterbrücke über die Moldau) mit den jenseits gelegenen Prager Bahnhöfen in Kommunikation stehen. Zwischen dem Westbahnhof und der Moldau befindet sich die sogen. Kaiserwiese, welche als Rennplatz für die Prager Pferderennen benutzt wird.

Smidt, 1) Johann, verdienter brem. Staatsmann, geb. 5. Nov. 1773 zu Bremen, studierte in Jena Theologie, ward Professor der Geschichte am Gymnasium illustre seiner Vaterstadt, dann Syndikus der Älterleute und 1800 Ratsherr, in welcher Stellung er auf die Entwickelung der Hansestädte in staatlicher und kommerzieller Hinsicht bedeutenden Einfluß ausübte, wie er es besonders war, der nach der Leipziger Schlacht als diplomatischer Vertreter Bremens die Selbständigkeit jener Städte rettete und ihre Aufnahme in den Deutschen Bund durchsetzte. Auf dem Bundestag in Frankfurt a. M. bekämpfte er die Metternichsche Politik, war dann aber besonders bei den Verhandlungen thätig, welche 1820 die freie Weserschiffahrt begründeten. Überhaupt gab er dem aufstrebenden Handel Bremens mächtige Impulse durch die Gründung Bremerhavens (1827), durch Abschließung vorteilhafter Handelsverträge mit fremden Ländern, durch Ausbreitung der konsularischen Vertretung etc. Seit 1821 als Bürgermeister an die Spitze des Bremer Gemeindewesens gestellt, behauptete er sich auf diesem Posten, die demokratische Periode von 1849-52 abgerechnet, bis an seinen Tod, 7. Mai 1857. Zur Säkularfeier seines Geburtstags wurden seine Präsidialreden ("Patriotische Mahnungen und Rückblicke", Brem. 1873, hrsg. von Heinr. S.) und seine Biographie (das. 1873) veröffentlicht.

2) Heinrich, Schriftsteller, geb. 18. Dez. 1798 zu Altona, trat in den Seedienst, machte große Reisen nach allen Weltteilen, verließ nach zehnjährigem Dienst seine bisherige Laufbahn, um in Kiel und Berlin Universitätsstudien zu machen, erhielt in Berlin eine Anstellung bei der "Staatszeitung", wurde 1848 Mitglied der Marinekommission und der Marineabteilung des Kriegsministeriums, zuletzt Bibliothekar in demselben und starb 3. Sept. 1867. Seine frühern Erfahrungen und Beobachtungen verwertete er in zahlreichen schriftstellerischen Produkten, welche, Wahrheit mit Dichtung verbindend, durch ansprechende Form Beifall gewannen. Von seinen Romanen gilt "Michael de Ruiter" (Berl. 1846, 4 Bde.; 2. Aufl. 1863) für den besten. Seine übrigen Schriften bestehen in Erzählungen ("Seemannssagen und Schiffermärchen", 2. Aufl., Berl. 1849; "Seegeschichten und Marinebilder", das. 1855, 2 Bde.; "Devrient-Novellen", 3. Aufl., das. 1882, u. a.) und in Dramen ("Kaufmann und Seefahrer", 1844; "Die Frau Schwiegermutter", 1850; "Bruder Kain", 1852, u. a.).

Smijew (Ssmijew), Kreisstadt im russ. Gouvernement Charkow, in der Nähe des Donez, hat (1885) 4604 Einw.

Smilaceen, monokotyle Familie aus der Ordnung der Liliifloren, Kräuter und Halbsträucher mit kriechendem Rhizom, wechsel- oder quirlständigen, bisweilen mit rankenförmigen Nebenblättern versehenen Blättern oder mit verkümmerten, kleinen, schuppenförmigen Blättern und dann mit blattförmigen, verbreiterten Ästen (Kladodien oder Phyllokladien). Die Blüten sind regelmäßig und stehen meist auf gegliederten, von Deckblättern gestützten Stielen. Das blumenkronartige Perigon besteht aus 6, seltener 4, 8 oder 12 freien oder verwachsenen Blättern. Die in gleicher Anzahl vorhandenen freien oder monadelphischen Staubgefäße stehen im Perigon oder auf dem Blütenboden. Der Fruchtknoten ist oberständig, sitzend, aus 3, selten aus 2 oder 4 Karpellen gebildet und demzufolge drei-, zwei- oder vierfächerig, mit meist wenigen Samenknospen im Innenwinkel der Fächer. Die Familie unterscheidet sich von den Liliaceen hauptsächlich durch ihre Beere; der Keimling ist klein, in einer vom Nabel entfernten Höhlung des hornigen oder fleischigen Endosperms gelegen. Manche rechnen auch die Asparageen wegen ihrer beerenartigen Frucht hierher. Die S. sind fast über die ganze Erde, hauptsächlich in den außertropischen Zonen und besonders in Amerika, verbreitet. Fossile Gattungen sind Smilacites Brongn., von welcher Blätter in zahlreichen Arten in Tertiärschichten vorkommen, Dracaenites Sap., Majanthemophyllum O. Web. u. a. Manche S. liefern wichtige Arzneistoffe, wie die Sassaparillenwurzeln, einige sind auch schön blühende Zierpflanzen.

Smilacites, s. Smilaceen.

Smilax L. (Stechwinde, Sarsaparille, Sassaparille), Gattung aus der Familie der Smilaceen, rebenartige, immergrüne Sträucher, selten niedrige Halbsträucher, meist mit starken, lang bewurzelten Knollstöcken, holzigen, hin- und hergebogenen, oft sehr langen und stark verzweigten, meist stachligen Stengeln, wechselständigen, zweizeiligen, gestielten, oft herz- und spontonförmigen Blättern, oft mit blattstielständigen Ranken, achselständigen Blütenköpfen oder Dolden, welche häufig zu Trauben oder Doldentrauben vereinigt sind, und ein- bis dreisamigen Beeren. Etwa 187 Arten, meist im warmen Amerika. S. aspera L., in Südeuropa, Nordafrika und im Orient, die einzige europäische Art, mit kantigem, stachligem Stengel, spießförmigen, dornig gezahnten, lederartigen Blättern und kleinen, weißen, wohlriechenden, traubenständigen Blüten, klettert an Bäumen über 15 m hoch empor. Die Blüten wurden bei den alten Griechen zugleich mit Epheu zu Kränzen gebraucht, und die kugeligen, roten Früchte werden noch jetzt in Bouketts und als Haarschmuck benutzt; die Wurzel vertritt zum Teil die Stelle der amerikanischen Sassaparille. S. China L. (Chinastechwinde), in China, Japan und Kotschinchina, mit nicht windendem, stachligem Stengel, herzförmig-rundlichen, kurz zugespitzten Blättern und einfachen Blütendolden, liefert in dem knolligen Wurzelstock die sogen. Chinawurzel (Pockenwurzel). Diese schmeckt indifferent, dann etwas kratzend, ist geruchlos und enthält besonders Smilacin. Sie kam 1525 durch Vinzenz Gilius von Tristan nach Europa, wurde als Mittel gegen Lustseuche empfohlen und gelangte zu großer Berühmtheit wegen der guten Wirkungen, welche sie an dem von der Gicht geplagten Kaiser Karl V. übte. Gegenwärtig wird sie bei uns nur noch wenig benutzt; aber im Orient, besonders bei den Chinesen und Persern, steht sie noch immer in hohem Ansehen. Mehrere zum Teil noch nicht sicher festgestellte Arten, welche durch etwa 30 Breitengrade über das nördliche Südamerika (wie es scheint, mit Ausnahme der Westküste) verbreitet sind, auch in Zentralamerika und in den südlichen Küstenländern Mexikos wachsen, liefern die offizinelle Sassaparillewurzel (von Zarza oder Salsa, stachlige Schlingpflanze, und Parilla, dem Diminutivum von Parra, Rebe). Diese Pflanzen finden sich im dichte-^[folgende Seite]