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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Smolka; Smollet; Smorzando

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Smolka - Smorzando.

der Bewohner genügen; sonst leiden die Saaten häufig durch anhaltenden Regen und darauf folgende Hitze, wodurch der Thonboden zu hart wird. Man baut vorzugsweise Roggen und Hafer, weniger Gerste und Buchweizen, ferner Flachs und Hanf. Die Ernte war 1885: 3 Mill. hl Roggen, 1,2 Mill. hl Hafer, 1,4 Mill. hl Kartoffeln, andres Getreide in kleinern Mengen. Der Mangel an Wiesen ist der Rindviehzucht hinderlich; Pferde und Rinder sind klein und schwach. 1885 zählte man 361,201 Stück Rindvieh, 365,162 Pferde, 393,812 Schafe, 172,197 Schweine. Die industrielle Produktion ist unbedeutend und bezifferte sich 1885 dem Wert nach auf ca. 6 Mill. Rubel, hauptsächlich Baumwollspinnerei und -Weberei, außerdem Bereitung von Leder, Öl und Talg, Branntweinbrennen und Bierbrauen. Die Gegenstände des Handels, die zur Ausfuhr kommen (meist nach Riga), sind: Leinsaat, Flachs, Holz, Holzgeräte, Hafer, Talg, Leder und Öl; die Einfuhr von Mehl geschieht aus Orel und Kursk, die von Manufakturgegenständen aus Moskau. Lehranstalten waren 1885: 529 mit 26,770 Schülern in Thätigkeit, darunter 17 Mittelschulen und 3 Fachschulen (ein geistliches, ein Lehrerseminar und eine Handwerkerschule). S. zerfällt in zwölf Kreise: Bjelyi, Dorogobush, Duchowschtschina, Gschatsk, Jachnow, Jelna, Krassnyj, Poretschje, Rosslawl, S., Sytschew, Wjasma. Durch dieses Land führte einst der große Weg der Waräger nach Byzanz, und das Volk der Kriwitscher, der hier ansässige slawische Stamm, stand mit entfernten Völkern in Handelsbeziehungen, was auch die vielen hier aufgefundenen arabischen Münzen des 8., 9. und 10. Jahrh. beweisen. Seit der Teilung des Fürstentums Kiew unter Jaroslaw I. hatte S. bis 1395 seine eignen Fürsten, sodann kam es an den litauischen Fürsten Witowt. Während der jahrhundertelang dauernden Feindschaft zwischen Moskau und Litauen verblieben Land und Städte meistens im Besitz der Litauer, bis sie im 17. Jahrh. bleibend an Rußland kamen. 1719 wurde das Smolenskische Gebiet als Provinz zu Livland geschlagen; seit 1796 besteht es als selbständiges Gouvernement.

Die gleichnamige Hauptstadt liegt an beiden Ufern des Dnjepr, im Kreuzungspunkt der Eisenbahnen Orel-Witebsk und von Moskau nach Brest-Litowsk (und zwar die Altstadt mit der von Boris Godunow herrührenden Festungsmauer und den Türmen auf der linken Seite des Stroms), hat 25 Kirchen, darunter die Kathedrale zu Mariä Himmelfahrt (aus dem 12. Jahrh.), ein Gymnasium und Mädchengymnasium, Fabrikthätigkeit, etwas Handel und (1885) 34,348 Einw. S. ist eine der ältesten Städte Rußlands, war Hauptort der Kriwitscher (s. d.), wurde 882 von dem Großfürsten Oleg besetzt, kam 1404 an Litauen, 1515 wieder an Rußland, bis die Polen 1611 die Stadt wieder an sich rissen; 1654 wurde sie unter dem Zaren Alexei Michailowitsch endgültig von den Russen erobert. Sie war eine gewaltige Festung und hatte zur Zeit ihrer Blüte über 100,000 Einw. In neuerer Zeit ist die Stadt historisch merkwürdig geworden durch die große Schlacht 17. Aug. 1812, in der Napoleon I. die Russen unter Barclay de Tolly und Bagration schlug und sich dadurch den Weg nach Moskau bahnte. Zwei Denkmäler, eine Pyramide von Gußeisen zur Erinnerung an diese Schlacht und ein Monument des hier erschossenen Obersten v. Engelhardt, sind in der Stadt errichtet. Bei dem Rückzug der Franzosen nach dem Brand Moskaus schlug hier Kutusow im November 1812 die französische Nachhut unter Ney.

Smolka, Franz, österreich. Politiker, geb. 4. Nov. 1810 zu Kalusz in Galizien, studierte zu Lemberg die Rechte und ließ sich 1840 daselbst als Advokat nieder. Als Führer des sogen. jungen Polen nach vierjähriger gerichtlicher Untersuchung zum Tod verurteilt, aber begnadigt, stellte er sich im März 1848 an die Spitze der national-polnischen Bewegung in Galizien und wirkte in deren Interesse auf dem Reichstag zu Wien, wo er erst zum Vizepräsidenten, dann 12. Okt. zum Präsidenten erwählt wurde. Nach Aufhebung des Reichstags kehrte er zu seiner advokatorischen Praxis in Lemberg zurück. 1861 ward er abermals als Deputierter in den Reichsrat gesandt, nahm hier seinen Platz neben den polnischen und tschechischen Föderalisten auf der Rechten und trat dem Zentralisationssystem Schmerlings entgegen. 1863 schied er aus dem Reichsrat, ließ sich aber 1867 wieder in denselben wählen und gehört zu den Führern der polnischen Fraktion. 1879 wurde er zum ersten Vizepräsidenten und 1881 zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt und 1882 zum Geheimrat mit dem Prädikat "Exzellenz" ernannt. Vgl. Widmann, Franz S. (Wien 1887).

Smollet, Tobias George, engl. Romandichter, geb. 1721 zu Dalquhurn House bei Renton in Schottland, besuchte die Schule zu Dunbarton, studierte in Glasgow und nahm hierauf die Stelle eines Wundarztes an Bord eines Linienschiffs an, das 1741 nach Westindien segelte. Nachdem er daselbst nach mancherlei Schicksalen seinen Abschied genommen, kehrte er 1746 nach England zurück und betrat die schriftstellerische Laufbahn mit dem Gedicht "Tears of Scotland", worin er das grausame Auftreten der Regierungstruppen in den Hochlanden nach der Schlacht bei Culloden geißelte. Er lebte fortan meist in London, unternahm noch mehrere Reisen durch Frankreich und Italien und starb 20. Okt. 1771 in Livorno. Unter seinen Werken haben neben einer "History of England" (Lond. 1758, 4 Bde.) insbesondere seine Romane (deutsch, Stuttg. 1839-41, 15 Bde.) Bedeutung erlangt, namentlich: "Roderick Random" (ein Seitenstück zum "Gil Blas"); "Peregrine Pickle" (1751); "Ferdinand Count Fathom" (1753); "Sir Lancelot Greaves" (1762) und "The expedition of Humphrey Clinker" (1771, 3 Bde.). Wenngleich S. im künstlerischen Bau seiner Romane sich mit seinen Vorgängern Richardson und Fielding nicht messen kann und namentlich die psychologische Tiefe und Feinheit des letztern nicht erreicht, so bezeichnet er doch einen entschiedenen Fortschritt in Bezug auf die drastische Reproduktion der Wirklichkeit. Den Hintergrund derselben bildet das verderbte Leben Englands unter Georg I. und Georg II.; insbesondere bieten sie die lebendigste Schilderung jener Engländer der damaligen Zeit, die, wie Lord Clive, arm nach Indien gegangen und mit unermeßlichen Reichtümern in die Heimat zurückgekehrt waren, wo sie durch schwelgerisches Leben manch böses Beispiel gaben. Hervorzuheben ist noch, daß S. sich durch seine Seereisen eine Anschauung und Kenntnis des Seewesens erworben hatte, die ihn zum unübertroffenen Meister auf diesem Gebiet der Darstellung gemacht hat. Auch war er es, der, ein entschiedener Tory, im Roman zuerst politischen Sympathien und Antipathien Raum gab. Seine Werke wurden neuerdings herausgegeben von Roscoe (1871, 2 Bde.), J. ^[John] Moore (1872, 8 Bde.), Routledge (1884, 6 Bde.) u. a. Vgl. Hannay, Life of T. G. S. (Lond. 1887).

Smorzando (smorzato, ital.), musikal. Vortragsbezeichnung, s. v. w. verlöschend, hinsterbend.