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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Smotritsch; Smyrna; Smyrna-Arbeit; Smyth

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Smotritsch - Smyth.

Smotritsch (Ssmotritsch), linker Nebenfluß des Dnjepr in Rußland, durchfließt in südlicher Richtung das Gouvernement Podolien und mündet unterhalb Kamenez-Podolsk. Seine anfangs flachen Ufer werden bald steil und felsig und enthalten reiche Steinbrüche.

Smyrna (türk. Ismir), Hauptstadt des asiatisch-türk. Wilajets Aidin (welches in 5 Sandschaks ca. 1½ Mill. Einw. zählt und 71,500 qkm umfaßt), der wichtigste Handelsplatz Kleinasiens, liegt in der Tiefe des 75 km weit eindringenden gleichnamigen Meerbusens, einer Bucht des Ägeischen Meers, amphitheatralisch um einen Berg, der die Überreste eines mittelalterlichen Schlosses trägt. Die Stadt entspricht im Innern sehr wenig dem imposanten Anblick, welchen sie mit ihren neuen Kais (Marina) von außen gewährt. Außer dem ausschließlich von Christen bewohnten Frankenviertel, dem schönsten Teil von S., umfaßt die untere Stadt (nördlich am Meer) noch das Griechen- und Armenierviertel, während die obere Stadt nur das Türkenviertel, enge, abschüssige Gassen und Gäßchen mit elenden, meist hölzernen Häusern, enthält. Zwischen beiden liegt das schlecht gebaute Judenviertel. S. ist der Sitz des Generalgouverneurs der Provinz, eines Metropoliten, eines katholischen, griechischen und eines armenischen Erzbischofs, der Konsuln der europäischen Staaten (darunter eines deutschen Berufskonsuls) und der Vereinigten Staaten von Nordamerika, eines Handelsgerichts und einer Bank mit mehreren Filialen im Innern Anatoliens. Die Stadt hat einige unbedeutende und schlecht unterhaltene Befestigungen, zahlreiche (42), aber unbedeutende Moscheen, mehrere katholische, griechische und armenische Kirchen und Klöster, 3 protestantische Kirchen, mehrere Synagogen, griechische, deutsche, armenische, französische und englische Unterrichtsanstalten, einen wissenschaftlichen Verein (Evangelike Schole), 13 Zeitungen (darunter 4 griechische und 4 französische), Spitäler der verschiedenen fremden Nationen, mehrere Findel- und Waisenhäuser, viele Bazare, Magazine, Karawanseraien, Bäder etc. Die Industrie ist nicht von hervorragender Bedeutung und beschränkt sich auf Teppichweberei, Seiden-, Woll- und Baumwollmanufaktur, Töpferei, Gerberei etc., wozu neuerdings mehrere Maschinenfabriken und Eisengießereien gekommen sind. Die Teppichweberei produziert schon seit alter Zeit die sehr geschätzten Smyrnaer Teppiche (s. Teppiche), welche gegenwärtig aber in verschiedenen europäischen Fabriken nachgeahmt und in gleicher Güte geliefert werden (vgl. auch Smyrna-Arbeit). Von großer Wichtigkeit ist dagegen der im Aufschwung begriffene Handel. Ausgeführt werden besonders: Baumwolle, Knoppern, Südfrüchte (Rosinen und Feigen), Getreide (Weizen, Gerste), Galläpfel, Droguen, Opium, Krapp, Teppiche, Öl, Felle, Süßholz, Tabak, Wein etc.; eingeführt: Modestoffe, leichte Tuche, Baumwollwaren, Papier, Porzellan, Glas, Schmucksachen, Galanterieartikel, feine Hölzer und andre Manufaktur- und Kolonialwaren. Der Gesamtwert der Ausfuhr betrug 1885 fast 96 Mill. (1886: 75 Mill.), der der Einfuhr ca. 116 Mill. (1886: 121 Mill.) Frank. Im Hafen liefen 1885 ein: 453 Segelschiffe von 76,000 Ton. und 1272 Dampfer von 1,158,000 T.; aus: 430 Segelschiffe von 73,000 T. und 1273 Dampfer von 1,158,000 T., außerdem mehrere tausend Küstenfahrzeuge. Der Hafen von S. hat mit fast allen wichtigern Handelsplätzen des Mittelmeers tägliche Dampfschiffverbindung; auch ist S. Telegraphenstation sowie mit Aidin und Seraiköi im SO. und Alaschehr im NO. durch Eisenbahnen verbunden. Die Bevölkerung ist ein buntes Gemisch der verschiedensten Nationalitäten und wurde 1880 auf 155,000 geschätzt, wovon 75,000 Griechen, 45,000 Türken, 15,000 Juden, 10,000 Katholiken, 6000 Armenier und 4000 Fremde. Neuerdings sind ca. 50,000 bulgarische Tataren, tüchtige Arbeiter und Landbauer, dazugekommen, welche einen ganz neuen Stadtteil angelegt haben. - S. lag ursprünglich an der Nordküste des Meerbusens und war anfangs äolisch, kam aber 688 v. Chr. in den Besitz der Ionier. Von dem lydischen König Alyattes 630 zerstört, blieb es über 400 Jahre lang wüst liegen, bis Antigonos 20 Stadien südwestlich von der alten Stadt ein neues S. gründete, das, mit einem trefflichen Hafen versehen, sich zu einer der reichsten Handelsstädte Asiens emporschwang. Nachdem es schon bei der Eroberung durch Dolabella sehr gelitten hatte, wurde es 178 und 180 n. Chr. durch Erdbeben noch härter mitgenommen, aber durch Marcus Aurelius wiederhergestellt. Das Christentum fand in S. einen Hauptstützpunkt. Wechselnd waren seine Schicksale unter den Byzantinern. 1083 ward es von dem Seeräuber Tzachas erobert. Die Byzantiner erhielten es zwar wieder, aber nur, um es 1402 aufs neue an Tamerlan zu verlieren. Unter Murad II. kam es 1424 für immer unter die Herrschaft der Türken. Vgl. v. Scherzer, S. (Wien 1873; 2. Aufl. der franz. Ausgabe, Leipz. 1880); Georgiades, Smyrne et l'Asie Mineure au point de vue économique etc. (Par. 1885).

Smyrna-Arbeit (Smyrna-Technik), eine Art moderner Frauenhandarbeit, welche die Nachahmung orientalischer Knüpfteppiche durch Häkelnadelarbeit mit grober Wolle aus grobem Kanevas (sog. Smyrna-Kanevas) bezweckt. Die Wolle ("tunesische Wolle") kommt in allen Farben vor, welche sich an echten Smyrnateppichen finden. Die Arbeit wird gewöhnlich am untern Rande der breiten Seite eines Teppichs begonnen und von links nach rechts dergestalt fortgesetzt, daß man reihenweise arbeitet. Die zu einer Länge von 9 cm zurechtgeschnittenen Wollfäden werden mit der Häkelnadel auf die Hälfte ihrer Länge zusammengelegt, durch den Kanevas gezogen und über zwei wagerechten Fäden zusammengeknüpft. Vgl. Feige und Marggraff, Die S. (Berl. 1885).

Smyth (spr. smith), 1) William Henry, Hydrograph und Astronom, geb. 2. Jan. 1788 zu Westminster, trat 1805 in die englische Marine, war nach dem Krieg ein Jahrzehnt im Mittelmeer mit Vermessungen beschäftigt, widmete sich dann auf seiner Sternwarte zu Bedford astronomischen Beobachtungen und starb 9. Sept. 1865 in St. John's Lodge bei Aylesbury. Er schrieb: "A cycle of celestial objects" (Lond. 1844, 2 Bde.; 2. Aufl. von Chambers, 1881) und "Memoir on the Mediterranean" (das. 1854).

2) Charles Piazzi, Sohn des vorigen, geb. 3. Jan. 1819 zu Neapel, wurde 1835 Assistent von Maclear in Edinburg, 1845 königlicher Astronom von Schottland und Professor daselbst und trat 1888 in Ruhestand. Er stellte 1856 auf dem Pik von Teneriffa in Höhen von 2700 und 3260 m astronomische Beobachtungen an und veröffentlichte die Resultate in "Teneriffa, an astronomer's experiment" (Lond. 1858). Außerdem schrieb er "Observations made at the Royal Observatory of Edinburgh" (Bd. 6 ff.). Seine Arbeiten über die große Pyramide führten ihn zu dem wunderlichen Resultat, daß diese Pyramide ein von Gott inspiriertes Werk sei, in welchem die größten physikalischen und astronomischen Entdeckungen unsrer Tage, die Maße des Weltalls, vorweg deponiert worden seien. Seit 1864 veröffentlichte er hierüber sechs Werke, von