Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Sonneberg; Sonnefeld; Sonnemann; Sonnenbad; Sonnenbahn; Sonnenbaum; Sonnenberg

31

Sonneberg - Sonnenberg.

einen stärkern Glanz der Chromosphäre zu sehen. Spörer hält die Protuberanzen für Vorläufer später erscheinender Fleckengruppen. Fig. 4-6 auf Tafel "Sonne" zeigen eine Anzahl Protuberanzen: Fig. 4 I eine Protuberanz von 2' (11,500 geograph. Meilen) Höhe 3 Uhr 45 Min., II, III, IV eine andre von 35 bis 40'' (3400-3800 Meilen) Höhe 6 Uhr 45 Min., 55 Min. und 57 Min.; Fig. 5 I 2. Juli 1869, 11 Uhr 35 Min., Höhe 65'' (6300 Meilen), II 4. Juli, 9 Uhr, Höhe 40'' (3800 Meilen), III und IV eine Protuberanz von 50-60'' (4800-5700 Meilen) Höhe 4. Juli, II Uhr 50 Min. und 12 Uhr 50 Min.

[Temperatur.] Über die Temperatur, welche auf der Oberfläche der S. herrscht, gehen die Ansichten der Forscher weit auseinander: während Zöllner aus theoretischen Erwägungen über 27,000° C. findet, hat Secchi aus aktinometrischen Messungen 5-6 Mill. Grad als untere Grenze abgeleitet. Aus solchen Messungen haben aber anderseits Pouillet und neuerdings wieder Vicaire und Violle bloß 1500° gefunden. Diese verschiedenen Resultate sind Folge verschiedener Annahmen des Wärmestrahlungsgesetzes, dessen Form uns freilich nur innerhalb ziemlich enger Temperaturgrenzen sicher bekannt ist. Licht- und Wärmestrahlung sind infolge der Absorption in der Sonnenatmosphäre am Rand geringer als in der Mitte der Sonnenscheibe. Secchi fand die Wärmestrahlung am Rand nur halb so groß als in der Mitte, auch am Äquator bedeutender als an den Polen. Langley hat 1874 diese ältern Beobachtungen bestätigt gefunden. Die Flecke strahlen weniger Wärme aus als die benachbarte Sonnenfläche (Henry 1845); doch gibt nach Langley selbst ein Kernfleck noch mehr Wärme als ein gleich großes, hell leuchtendes Randstück.

[Theorie der Sonne.] Nach Kirchhoffs Ansicht, die auch von Spörer, Zöllner u. a. in der Hauptsache adoptiert worden ist, besteht die S. aus einem in der höchsten Glühhitze befindlichen Kern, der von einer Atmosphäre von niedrigerer Temperatur umgeben ist. Die Sonnenflecke sind Wolken, die Kernflecke werden durch tiefer liegende dichtere, die Höfe durch darübergelagerte dünnere und ausgebreitetere Wolken gebildet. Zöllner dagegen hält die Kernflecke für Schlackenmassen, die sich auf der glühend flüssigen Sonnenoberfläche durch Abkühlung gebildet haben und sich auch infolge der in der Sonnenatmosphäre erzeugten Gleichgewichtsstörungen von selbst wieder auflösen. Diesen Anschauungen gerade entgegengesetzt, denkt sich Faye die Sonnenmasse als einen gasförmigen, infolge seiner hohen Temperatur in einem Zustand allgemeiner physischer und chemischer Dissociation befindlichen Körper, an dessen durch Strahlung etwas erkalteter Oberfläche sich chemische Verbindungen bilden können, welche aber sofort wieder untersinken und durch neue ersetzt werden; die Lichthülle oder Photosphäre ist daher diese in beständiger Neubildung begriffene Oberfläche. Wird diese Hülle an einer Stelle durch aufsteigende Strömungen unterbrochen, oder werden Teile des Innern an die Oberfläche gebracht, in denen der chemische (Verbrennungs-) Prozeß nicht thätig ist, so haben wir den Anblick eines Sonnenflecks. Während nach diesen und andern Theorien die S. allmählich kälter wird, hat neuerdings William Siemens ("Die Erhaltung der Sonnenenergie", deutsch, Berl. 1885) eine Theorie aufgestellt, nach welcher die von der S. ausgestrahlte Energie derselben beständig wieder zugeführt wird. Vgl. Faye, Sur la constitution physique du soleil (in den "Comptes-rendus" 1865 ff.); Secchi, Die S. (deutsch von Schellen, Braunschw. 1872); Young, Die S. (Leipz. 1883); kürzere Darstellungen von Reis (das. 1869) und Hirsch (Basel 1874).

Sonneberg, Kreisstadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen, 3 km lang, eng eingeklemmt zwischen Bergen an der Südseite des Thüringer Waldes (der neue Stadtteil liegt in der Ebene), an der Röthen, der Zweigbahn Koburg-S. (Werrabahn) und der Sekundärbahn S.-Lauscha, hat eine schöne neue Kirche im gotischen Stil, eine Wasserheilanstalt, blühende Industrie und (1885) 10,247 Einw. S. ist namentlich berühmt als Mittelpunkt der vielen umliegenden Fabrikorte, in welchen wie in der Stadt selbst die sogen. Sonneberger Spielwaren (aus Holz und Papiermaché), Attrappen, Masken, Glas-, Porzellan- und Eisenwaren geliefert und von hier aus im Wert von jährlich 7,5 Mill. Mk. nach allen Weltgegenden hin versandt werden. Außerdem liefert S. Farben, Schiefertafeln, Schieferstifte, Schleif- und Poliersteine, Lederarbeiten etc. und hat Brauereien, Masse-, Loh- und Schneidemühlen und Ziegelhütten. S. hat ein Amtsgericht und eine Realschule und ist Sitz eines Landratsamtes, eines Forstdepartements und eines Konsulats der Vereinigten Staaten von Amerika. Vgl. Fleischmann, Gewerbe, Industrie und Handel des meiningenschen Oberlandes (Hildburgh. 1876 ff.).

Sonnefeld, Flecken in Sachsen-Koburg, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht und 1180 Einw.; in der Umgegend Verfertigung von Korbwaren.

Sonnemann (eigentlich Saul), Leopold, Journalist, geb. 29. Okt. 1831 zu Höchberg in Unterfranken von jüdischen Eltern, wurde erst Kaufmann, gründete 1856 die in Handelskreisen einflußreiche "Frankfurter Zeitung" und ist seit 1867 alleiniger Eigentümer und Herausgeber derselben. Auch war er Mitbegründer des volkswirtschaftlichen Kongresses und langjähriger Referent über Bankwesen in demselben. 1871-76 und 1878-84 Mitglied des deutschen Reichstags, trat er, der Haltung seiner Zeitung entsprechend, als Vertreter der deutschen Volkspartei meist oppositionell auf, stimmte gegen die Annexion von Elsaß-Lothringen, unterstützte die Beschwerden der elsässischen Protestler und der Sozialdemokraten und beteiligte sich positiv nur an der Beratung über das Münz- und Bankgesetz sowie über den Zolltarif.

Sonnenbad, Bestrahlung des menschlichen Körpers durch die Sonne zu Heilzwecken.

Sonnenbahn, s. v. w. Ekliptik (s. d.).

Sonnenbaum, s. Retinospora.

Sonnenberg, Franz Anton Joseph Ignaz Maria, Freiherr von, Dichter, geb. 5. Sept. 1779 zu Münster, entwarf schon auf dem Gymnasium in Münster nach Klopstocks "Messiade" den Plan zu einem Epos: "Das Weltende" (Bd. 1, Wien 1801), das alle Fehler einer wilden Phantasie, eines regellosen Umrisses und einer schwülstigen Diktion vereinigt. Er studierte die Rechte, doch nicht aus Neigung, lebte späterhin zurückgezogen in Jena und arbeitete hier an einem zweiten Epos: "Donatoa", abermals einem Gemälde des Weltuntergangs, welches dergestalt seine ganze Seele erfüllte, daß er Schlaf und Speise, Umgang und jede Lebensfreude dafür aufopferte. Er endete 22. Nov. 1805 freiwillig in Jena durch einen Sturz aus dem Fenster. Auch in "Donatoa" (Rudolst. 1806, 2 Bde., mit Biographie von Gruber) erscheint S. als ein Nacheiferer Klopstocks. Bei allen Fehlern in Plan und Ausführung zeigen einzelne Stellen eine gewisse Kraft und Hoheit und eine tiefe Innigkeit des Gemüts. Aus seinem Nachlaß erschienen auch "Gedichte" (Rudolst. 1808).