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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Spiritus familiaris; Spirochaete; Spirometer; Spirre; Spirsäure; Spital; Spitalfields; Spithead; Spitta; Spittler

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Spiritus familiaris - Spittler.

Seit 1875 zeigt sich eine Steigerung des Alkoholverbrauchs in Frankreich von 2,9 auf 3,8, in Rußland von 4,0 auf 4,7, in Österreich-Ungarn, Belgien blieben die Verbrauchsziffern dieselben, in den Niederlanden, Großbritannien, Finnland, Deutschland ist eine geringe, in Schweden und Norwegen eine beträchtliche Abnahme zu verzeichnen. 95 Proz. des produzierten S. sollen zum Genuß verbraucht werden.

Alkoholische Getränke waren schon in den ältesten Zeiten bei vielen Völkern bekannt, aber erst im 8. Jahrh. gewann man durch Destillation von Wein einen S. In den nördlichen Ländern war bis zum Ende des 18. Jahrh. der Kornbranntwein allein herrschend. Die ersten Versuche mit Kartoffeln scheinen 1775 in Schweden angestellt worden zu sein, und 1796 wurde in Franken Kartoffelbranntwein gewonnen. Wichtigkeit erlangte die Kartoffelbrennerei aber erst seit 1810, und 20 Jahre später war die Kartoffel in Deutschland das Hauptmaterial für die Branntweingewinnung. Infolge der Kartoffelkrankheit wandte man sich wieder mehr dem Getreide, dann aber auch dem Mais, der Melasse und den Zuckerrüben zu. Zur Verarbeitung der Kartoffel gaben der ältere und der jüngere Siemens 1818 und 1840 zweckmäßige Apparate an. Die alten Destillierblasen wurden vielfach verbessert, durch direkten Dampf geheizt (Gall 1829) etc. Zusammengesetzte Destillierapparate konstruierten Adam und Solimani in Nîmes (1801), Pistorius (1816), Cellier-Blumenthal und Derosne (1818), Dorn (1819), Schwarz (1833), Siemens (1850) etc. Die von Lowitz 1790 entdeckte Eigenschaft der Kohle, das Fuselöl zu absorbieren, wurde schnell in die Praxis eingeführt. Die neuesten Fortschritte betreffen die gründlichere Aufschließung des Materials durch gespannte Dämpfe und Zerkleinerungsapparate vor dem Maischen (Hollefreund, Bohm, Henze), namentlich aber ist die Spiritusfabrikation auch durch wissenschaftliche Untersuchungen über den Gärungsprozeß, die Ernährung der Hefe und durch Verbesserung der analytischen Methoden gefördert worden. Das Laboratorium und die Versuchsstation der deutschen Spiritusfabrikanten in Berlin hat wesentlich beigetragen, für die Spiritusfabrikation eine wissenschaftlich begründete Basis zu gewinnen. Vgl. Stammer, Die Branntweinbrennerei und deren Nebenzweige (Braunschw. 1875); Derselbe, Wegweiser in der Branntweinbrennerei (das. 1876); Märcker, Handbuch der Spiritusfabrikation (4. Aufl., Berl. 1886); Böhm, Branntweinbrennereikunde (9. Aufl., das. 1885); Gumbinner, Anleitung zur Spiritusfabrikation (das. 1882); Bersch, Die Spiritusfabrikation und Preßhefebereitung (das. 1881); Ulbricht und Wagner, Handbuch der Spiritusfabrikation (Weim. 1888); Freiesleben, Der Brennereibau (Berl. 1885); "Zeitschrift für Spiritusindustrie" (das.).

Spiritus familiaris (neulat.), ein vertrauter dienstbarer Geist, Hausgeist.

Spirochaete Ehrb., früher Gattung der Spaltpilze, deren angebliche Arten wie die nahe verwandten Spirillen als Entwickelungsformen von Bakterien erkannt sind.

Spirometer (griech.), von Hutchinson angegebener Apparat, welcher dazu dient, das Luftquantum zu bestimmen, welches beim Atmen aus den Lungen entweicht. Das S. stimmt im Prinzip mit dem gewöhnlichen Gasometer (s. d.) überein. Die durch einen Schlauch unter die Glocke des Gasometers geleitete ausgeatmete Luft hebt die durch Gegengewichte äquilibrierte Glocke und kann direkt an einer Skala gemessen werden.

Spirre, s. Blütenstand, S. 82.

Spirsäure, s. Salicylsäure.

Spital (lat., Spittel), s. v. w. Hospital.

Spital, Marktflecken im österreich. Herzogtum Kärnten, an der Drau und der Bahnlinie Marburg-Franzensfeste, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Schloß des Fürsten Porzia, Holzstofffabrikation und (1880) 1832 Einw.

Spitalfields (spr. spittelfihlds), Stadtteil im O. Londons, in welchem sich die aus Frankreich eingewanderten hugenottischen Seidenweber niederließen, deren Nachkommen teilweise noch jetzt dort wohnen.

Spithead (spr. spitt-hedd), s. Portsmouth.

Spitta, Karl Johann Philipp, geistlicher Liederdichter, geb. 1. Aug. 1801 zu Hannover, studierte in Göttingen Theologie und ward, nachdem er verschiedene andre Stellen bekleidet hatte, 1853 Superintendent zu Peine im Hildesheimischen, dann im Juli 1859 Superintendent in Burgdorf, wo er 28. Sept. d. J. starb. Außer einzelnen Predigten veröffentlichte er: "Psalter und Harfe" (Leipz. 1833 u. öfter), eine in zahlreichen Auflagen verbreitete Sammlung geistlicher, für häusliche Erbauung bestimmter Lieder, die durch Vollendung der Form, Innigkeit und wahrhaft christliches Gepräge zu den besten derartigen Produkten der Neuzeit gehören. Noch erschienen von ihm: "Nachgelassene geistliche Lieder" (5. Aufl., Brem. 1883). Spittas Leben beschrieb Münkel (Leipz. 1861). -

Sein Sohn Philipp, geb. 27. Dez. 1841 zu Wechold bei Hoya in Hannover, seit 1875 Dozent der Musikgeschichte an der Hochschule für Musik (seit 1882 deren stellvertretender Direktor) sowie Universitätsprofessor für Musikwissenschaft und Sekretär der Akademie der Künste zu Berlin, hat sich durch seine Biographie "Johann Sebastian Bach" (Leipz. 1873-79, 2 Bde.; engl., Lond. 1884) sowie durch eine Gesamtausgabe der Orgelwerke Buxtehudes und der Werke von H. Schütz bekannt gemacht. Kleinere Schriften von ihm sind: "Über J. S. Bach" (Leipz. 1879) und "Ein Lebensbild Robert Schumanns" (das. 1882). Mit Chrysander und Adler gibt er seit 1885 die "Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft" (Leipz.) heraus.

Spittler, Ludwig Timotheus, Freiherr von, berühmter Geschichtschreiber und Publizist, geb. 11. Nov. 1752 zu Stuttgart, widmete sich in Tübingen und Göttingen theologischen und historischen Studien, ward 1778 Repetent am theologischen Seminar zu Tübingen und 1779 Professor der Philosophie zu Göttingen, wo er sich als Lehrer der Geschichte großen Ruf erwarb, kehrte aber 1797 als Präsident der Oberstudiendirektion und Wirklicher Geheimer Rat in sein Vaterland zurück; 1806 ward er auch zum Kurator der Universität Tübingen und Minister ernannt und zugleich in den Freiherrenstand erhoben. Er starb 14. März 1810. Von seinen Schriften sind zu bemerken: "Geschichte des kanonischen Rechts bis auf die Zeiten des falschen Isidor" (Halle 1778); "Grundriß der Geschichte der christlichen Kirche" (Götting. 1782; 5. Aufl. von Planck, 1813); "Geschichte Württembergs unter den Grafen und Herzögen" (das. 1783); "Geschichte des Fürstentums Hannover" (das. 1786); "Entwurf der Geschichte der europäischen Staaten" (Berl. 1793, 2 Bde.; 3. Aufl. von Sartorius, 1823); "Geschichte der dänischen Revolution 1660" (das. 1796). Seine geistreich skizzierten "Vorlesungen über die Geschichte des Papsttums" wurden mit Anmerkungen von Gurlitt (Hamb. 1828), seine "Geschichte der Kreuzzüge" (das. 1827) und die "Geschichte der Hierarchen von Gregor VII. bis auf die Zeit der Reformation"