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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Süllö; Sully; Sully-Prudhomme; Sully sur Loire; Sulmirschütz; Sulmo; Sulphur; Sulpicĭa; Sulpicĭus

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Süllö - Sulpicius.

Süllö, s. Sander.

Sully (spr. ssülli), Maximilian von Béthune, Baron von Rosny, Herzog von, franz. Staatsmann, geb. 13. Dez. 1560 zu Rosny bei Nantes, ward in der reformierten Kirche erzogen und zugleich mit Heinrich von Navarra unterrichtet. Er nahm mit Auszeichnung an den Feldzügen des jungen Königs von Navarra teil und kämpfte bei Coutras (1587) und bei Ivry (1590) mit. Ein strenger Calvinist, stolz und schroff, trat er auch seinem königlichen Freund, besonders seiner Verschwendung und Ausschweifung, wiederholt mit Energie entgegen; doch vereinte beide bald wieder die gemeinsame Liebe zum Vaterland. Deswegen riet er auch 1593 Heinrich zur Annahme des Katholizismus, um den Bürgerkrieg zu beendigen. 1597 an die Spitze der Finanzen gestellt, tilgte er eine Staatsschuld von 200 Mill. Livres, erwarb den größten Teil der verschleuderten Domänen zurück, hob eine Menge überflüssiger Ämter auf, ordnete und vereinfachte das Steuerwesen, baute Straßen, führte die Seidenkultur und andre Erwerbszweige ein und begünstigte den Ackerbau; diesen und die Viehzucht erklärte er für die Brüste, von denen Frankreich sich nähre. Seit 1601 auch Großmeister der Artillerie und Oberaufseher über alle Befestigungen des Landes, stellte er in kurzem die öffentliche Ruhe wieder her, namentlich durch Vernichtung vieler Räuberbanden. Auf Heinrichs Zug nach Savoyen (1600) eroberte S. die für unüberwindlich gehaltenen Festungen Montmelian und Bourg. Nach dem Frieden übernahm er unter dem Titel eines erblichen Kapitäns der Häfen, Flüsse und Kanäle das Departement der öffentlichen Bauten, hob Zölle auf, erklärte den Getreidehandel für frei, legte Kanäle an und leistete in dieser Stellung viel für Verbesserung der Kommunikationsmittel des Landes. Zugleich leitete er auch die auswärtigen Verhandlungen. 1604 wurde er zum Gouverneur von Poitou und 1606 für sein Gut Sully an der Loire zum erblichen Herzog ernannt. Dabei erwarb er für sich selbst ein bedeutendes Vermögen. Nach der Ermordung Heinrichs IV. (14. Mai 1610) ward er seiner Stellung am Hof entbunden und von diesem auf sein Schloß S. verwiesen; doch bediente sich auch Ludwig XIII. öfters seines Rats und ernannte ihn 1634 zum Marschall; er starb 21. Dez. 1641. Wichtig für die Geschichte seiner Zeit, obwohl nicht durchaus zuverlässig, sind seine in Stil und Form ungenießbaren "Mémoires" (Amsterd. 1634, 2 Bde.; 2 Supplementbände 1662), die vom Abbé L'Ecluse (das. 1745, 8 Bde.) modernisiert, aber auch sehr verändert und gefälscht wurden. Vgl. die biographischen Schriften von Legouvé (Par. 1873), Gourdault (3. Aufl., Tours 1877), Bouvet de Cressé (das. 1878), Dussieux (Par. 1887) und Chailley (das. 1888); Ritter, Die Memoiren Sullys (Münch. 1871).

Sully-Prudhomme (spr. ssülli-prüdómm), Rene François Armand, franz. Dichter, geb. 16. März 1839 zu Paris, wurde nach dem frühen Tod seines Vaters von einem Oheim, dem Notar Sully, an Kindes Statt angenommen, widmete sich dem Studium der Rechtswissenschaft, lebte dann aber ganz seinen litterarischen Neigungen und veröffentlichte 1865 seine ersten Gedichte: "Stances et poèmes", die das Glück hatten, von Sainte-Beuve bemerkt zu werden, der namentlich auf das formell vollendete und eine tiefe Innigkeit des Gefühls bekundende Gedicht "Le vase brisé" aufmerksam machte. Als weitere Sammlungen folgten: "Les épreuves", "Les écuries d'Augias", "Croquis italiens", "Les solitudes", "Impressions de la guerre", "Les destins", "Les vaines tendresses", "La France" (Sonette), "La révolte des fleurs" u. a. S. ist in diesen Dichtungen den Idealen seiner Jugend treu geblieben; die Reinheit, die ihn kennzeichnete, die Tiefe der Empfindung, der Adel des Gedankens wurden nie durch Mißklänge getrübt, und die philosophierende Richtung, die in seinen letzten Werken den Vorrang behauptet, hat in ihrem Streben nach Aussöhnung zwischen einer schmerzvollen Wirklichkeit und einer höhern Gerechtigkeit ebenfalls etwas Wohlthuendes. S. schrieb außerdem ein Lehrgedicht: "La Justice" (1878), übersetzte den Lukrez (neue Ausg. 1886) und veröffentlichte ein kunsthistorisches Werk: "L'expression dans les beaux arts". Seine "Œuvres complètes" erschienen 1882-88 in 5 Bänden. Seit 1881 ist S. Mitglied der französischen Akademie.

Sully sur Loire (spr. ssülli ssürr lŏahr), Stadt im franz. Departement Loiret, Arrondissement Gien, an der Loire und der Eisenbahn von Argent nach Beaune la Rolande, hat ein schönes Schloß (mit Statue Sullys, der hier 1604-41 wohnte) und (1881) 2037 Einw.

Sulmirschütz (Sulmirzyce), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Adelnau, hat (1885) 3130 meist kath. Einwohner.

Sulmo, Stadt, s. Solmona.

Sulphur (lat.), s. Sulfur.

Sulpicĭa, röm. Dichterinnen: 1) S., s. Tibullus;

2) S., unter Domitian lebende Verfasserin von erotischen Gedichten, die bis auf wenige Reste verloren sind; eine ihren Namen tragende "Satira" von 70 Versen, eine ziemlich frostige Betrachtung der traurigen Lage der Gelehrten unter Domitian, ist ein ihr untergeschobenes Machwerk aus spätrömischer Zeit (hrsg. von Bährens in "De Sulpiciae quae vocatur satira", Jena 1873, und in den "Poetae latini minores", Bd. 5, Leipz. 1883; auch häufig in Verbindung mit Persius und Juvenal).

Sulpicĭus, angesehenes röm. Geschlecht, aus mehreren Familien mit verschiedenen Beinamen (Camerinus, Galba, Gallus, Longus, Paterculus Peticus, Prätextatus, Rufus und Saverrio) bestehend. Publius S. Galba befehligte 210 v. Chr. und in den folgenden Jahren die gegen König Philipp III. von Makedonien, den Verbündeten Hannibals, ausgesandte Flotte und führte als Konsul 200 und dann auch noch einen Teil des Jahrs 199 gegen denselben Philipp den Oberbefehl. Servius S. Galba erlitt 151 als Prätor eine Niederlage in Lusitanien, ließ im folgenden Jahr viele tausend Lusitanier niederhauen, nachdem er sie unter der Vorspiegelung, ihnen fruchtbare Ländereien anzuweisen, zur Ergebung verlockt hatte, wurde deshalb 149 angeklagt, wandte aber durch seine Beredsamkeit die Verurteilung von sich ab. 144 bekleidete er das Konsulat. Sein gleichnamiger Enkel war einer der Verschwornen gegen Cäsar und wurde nebst den übrigen Mördern Cäsars 43 von Oktavian geächtet; er ist der Urgroßvater des Kaisers Galba. Publius S. Rufus, geb. 124, wird von Cicero als Redner gerühmt, zeichnete sich 89 im Bundesgenossenkrieg durch die Unterwerfung der Marruciner auch als Feldherr aus und wurde für das Jahr 88 zum Volkstribun erwählt. Sein Gesetzvorschlag, die mit dem Bürgerrecht ausgestatteten Bundesgenossen in alle Tribus zu verteilen, fand auf seiten der von den Konsuln Sulla und Quintus Pompejus Rufus geführten Optimatenpartei den heftigsten Widerstand. Hierdurch wurde er bewogen, sich an Gajus Marius anzuschließen, und brachte daher ein Gesetz durch, daß der Oberbefehl gegen Mithridates