Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

475

Szegedin - Szemere.

Szegedin (spr. sségg-), königliche Freistadt im ungar. Komitat Csongrád, am Zusammenfluß der Maros und Theiß, Kreuzungspunkt der Österreichisch-Ungarischen Staats- und der Alföld-Fiumaner Bahn und Dampfschiffstation, wurde durch die 11. und 12. März 1879 eingetretene furchtbare Überschwemmung, wobei die Theißfluten den Damm der Alföldbahn durchbrachen, beinahe ganz vernichtet. Über 5300 Häuser sind teils eingestürzt, teils unbewohnbar geworden, und erst Mitte August 1879 wurde die Stadt wasserfrei. Zur Sicherung derselben gegen die fast jährlich wiederkehrende Hochflut hat man zwei Dammgürtel und einen 9½ m hohen Ringdamm errichtet und die ganze Stadt, für welche damals 2,9 Mill. Gulden an Liebesgaben eingingen, unter der Leitung des Regierungskommissars, des jetzigen Grafen Ludwig Tisza, rekonstruiert. Das heutige S., der Hauptort des Alföld, ist eine ganz moderne Stadt mit zwei großen, durch mehrere Radialstraßen verbundenen Ringen, breiten, geraden Nebengassen, großen Plätzen (darunter der Széchényiplatz in der Mitte der Stadt) und zahlreichen Pracht- und Monumentalbauten. Die hervorragendsten neuen Gebäude sind: das große Rathaus mit imposantem Turm am Széchényiplatz, das Hotel Tisza (Redoutengebäude), das Justiz-, Post- und Telegraphen- und das Finanzpalais, das Theater mit Kiosk und Stephaniepromenade am Theißufer (an Stelle der frühern Citadelle), das Gefangenhaus, der Honvéd-Offizierspavillon, die Honvédkaserne, die Infanteriekaserne mit Offizierspavillon, die große Mädchenschule, die evangelische u. die reform. Kirche etc. Über die Theiß führt außer zwei Eisenbahnbrücken eine monumentale eiserne Bogenbrücke (nach dem Plan Gustav Eiffels, 405 m lang, samt Brückenköpfen und Auffahrtrampe 591 m). S. hat (1881) 73,675 ungar. Einwohner, viele Fabriken (für Spiritus, Seife, Soda, Salami, Zündhölzchen, Tabak, Tuch, Ziegel etc.), eine Schiffswerfte, lebhaften Handel mit Getreide, Holz, Wolle etc., bedeutende Viehzucht, Acker-, Tabaks-, Wein-, Gemüse-, Paprikabau, hervorragende Märkte, einen großen Schiffsverkehr, eine Staatsoberrealschule, ein kath. Obergymnasium, eine Lehrerpräparandie und 4 Klöster. S. ist Sitz des Komitats, eines Honvéd-Distriktskommandos, einer Finanz- u. Staatsgüterdirektion, eines Gerichtshofs und hat ein Tabakseinlösungs- und Tabaksmagazin und eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank. - S., schon zu Matthias Corvinus' Zeiten eine berühmte ungarische Stadt, fiel nach der Schlacht bei Mohács in Solimans II. Gewalt, welcher sie stärker befestigen ließ. 1686 wurden die Türken geschlagen und mußten S. räumen. Hier 3. Aug. 1849 Haynaus Sieg über die aufständischen Ungarn.

Szeghalom (spr. ssé-), Markt im ungar. Komitat Békés, an der Mündung des Berettyókanals in die Schnelle Körös, mit (1881) 7537 ungar. Einwohnern, Ackerbau, bedeutender Rindvieh-, Schaf- u. Schweinezucht und Bezirksgericht.

Szegszárd (spr. sségssard), Markt und Sitz des ungar. Komitats Tolna, am Sárviz, mit Nonnenkloster, Landes-Seidenbauinspektorat, Gerichtshof und (1881) 11,948 Einw., die sich mit Wein-, Obst- und Seidenkultur beschäftigen; der Szegszárder Rotwein gehört zu den besten Weinen Ungarns.

Szék (spr. ßehk), Stadt im ungar. Komitat Szolnok-Doboka (Siebenbürgen), mit 4 Kirchen, großem Stadthaus, (1881) 2759 ungarischen und rumän. Einwohnern, Salzquellen und Bezirksgericht. S. war ehemals der Hauptort des Komitats Doboka.

Székely (spr. sséhk-), Bartholomäus, ungar. Maler, geb. 1835 zu Klausenburg, studierte in München bei Piloty und in Brüssel bei Gallait und machte sich seit 1860 durch Bilder aus der ungarischen Geschichte, von denen die Auffindung der Leiche Ludwigs II. zu Mohács, Doboczy tötet seine Gattin (beide im Nationalmuseum zu Pest), die Schlacht bei Mohács, die Frauen von Erlau verteidigen ihre Stadt gegen die Türken und die Flucht Emmerich Tökölys aus der Festung Lika hervorzuheben sind, bekannt. Er hat auch zahlreiche Illustrationen gezeichnet (zu Eötvös, Petöfi u. a.). S. ist Professor an der königlichen Landesmusterzeichenschule zu Pest und hat eine Schrift über die Grundprinzipien seines Faches (Budap. 1877) veröffentlicht.

Székely-Keresztur (spr. ssék-, auch Szitas-Keresztur), Markt im ungar. Komitat Udvarhely (Siebenbürgen), an der Ungarischen Staatsbahnlinie Schäßburg-Székely-Udvarhely, mit (1881) 2968 ungarischen und rumän. Einwohnern, Staatslehrerpräparandie, unitar. Gymnasium und Fabrikation von Sieben.

Székely-Udvarhely (spr. sséhkelj-úddwarhelj), Stadt, Sitz des ungar. Komitats Udvarhely (Siebenbürgen), am Großen Küküllö und an der Ungarischen Staatsbahnlinie Schäßburg-S., mit 2 Kirchen, Burgruine, Franziskanerkloster und (1881) 5003 ungarischen und rumän. Einwohnern, die zumeist Tabaksbau, Bienenzucht und verschiedene Gewerbe betreiben. S. hat ein kath. Gymnasium, ein reform. Kollegium, eine Staatsoberrealschule und einen Gerichtshof. In der Nähe das Bad Szejke, mit alkalisch-muriatischer Schwefelquelle.

Székler (spr. ssék-, ungar. Székely), ungar. Volksstamm, welcher die östlichen und nordöstlichen Gegenden Siebenbürgens bewohnt und den Urtypus des Magyarentums am treuesten bewahrt hat. Ihre alte Freiheit behauptend, galten die S. bis 1848 als adlig, hatten freies Jagd- und Weiderecht, leisteten keine Frondienste und unterstanden nur ihren eignen Richtern. Obgleich treffliche Grenzwächter, sträubten sie sich doch lange gegen den regulären Militärdienst und wurden erst nach Unterdrückung eines Aufstandes dazu vermocht, ein Husarenregiment und zwei Infanterieregimenter zu stellen. Sie waren 1848 und 1849 die tapfersten Verfechter des Magyarentums in Siebenbürgen, und an ihrer Spitze vornehmlich erfocht Bem seine Siege. Sodann verloren sie mit ihrer Verfassung auch ihre Vorrechte und wurden den übrigen Landesbewohnern gleichgestellt. Das Land der S. war bis 1876 in fünf sogen. Stühle eingeteilt; jetzt bildet es zumeist die Komitate Udvarhely, Csik und Háromszék. Vgl. Hunfalvy, Ethnographie Ungarns (Leipz. 1877); v. Herbich, Das Széklerland, geologisch beschrieben (Pest 1878). Die Volkspoesien der S. wurden von Kriza ("Székely vadrózsák": "Wilde Rosen der S.", 1863) gesammelt.

Széll (spr. ssell), Koloman, ungar. Finanzminister, geb. 8. Jan. 1842 zu Rátót im Eisenburger Komitat, studierte in Pest und Wien, ward 1867 zum Deputierten in den Reichstag gewählt und war aus allen bisherigen Reichstagen eins der thätigsten Mitglieder sowie 1868-75 Schriftführer des ungarischen Abgeordnetenhauses. 1875 wurde S. Finanzminister und führte große Ersparnisse ein. Wegen der großen Kosten der bosnischen Okkupation nahm er Ende 1878 seine Entlassung und wurde Präsident der Ungarischen Kreditbank in Pest.

Szemere (spr. ssé-), Bartholomäus, ungar. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 27. Aug. 1812 zu Vatta im Borsoder Komitat, studierte in Preßburg, praktizierte darauf im Borsoder Komitat als Advokat, ward