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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Texcoco; Texel; Texier; Text; Textil; Textor; Textularia; Textur; Textus receptus; Tezcuco; Tezel; Th; Th, th; Thaarup

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Texcoco - Thaarup.

1847 verabschiedete der Mainzer Verein alle seine Beamten und Agenten in T. und überließ seinen dortigen Grundbesitz dem Advokaten Martin aus Freiberg, womit die ganze Sache ihr Ende erreichte. Kein besseres Schicksal als die deutschen Einwanderer hatten die 1848 unter Führung des französischen Kommunisten Cabet (s. d.) hier angelangten Ikarier. T. stand während des amerikanischen Bürgerkriegs sehr entschieden zur Sezession, kam indes in seinen mittlern und westlichen Teilen infolge der Wegnahme des Forts Esperanza am Eingang der Matagordabai durch den Unionsgeneral Banks in die Gewalt des Nordens. T. widerstrebte nebst Mississippi und Virginia am längsten der Annahme des sogen. konstitutionellen Amendements und ward daher erst später rekonstituiert. Vgl. Römer, Texas (Bonn 1849); Olmstedt, Wanderungen durch T. (deutsch, 3. Aufl., Leipz. 1872); Eickhoff, In der neuen Heimat (Geschichtliches über die deutsche Einwanderung, New York 1884); Burkes, Texas-Almanack; Baker, History of T. (New York 1873); H. Bancroft, History of the Pacific States. Bd. 10 (San Francisco 1884).

Texcoco (Tezcuco, spr. techkoko), Stadt im mexikan. Staat Mexiko, am gleichnamigen, 240 qkm großen Salzsee, hat eine Glashütte, Trümmer alter Paläste sowie eines großartigen Aquädukts und (1880) 15,626 Einw. T. war unter dem Namen Acolhuacan Hauptsitz der Kultur der Azteken. Der See (2275 m ü. M.) wird immer seichter. Vgl. Mexiko, S. 568.

Texel, niederländ. Insel in der Nordsee, vor dem Eingang des Zuidersees gelegen, durch das Marsdiep vom Festland getrennt, 187 qkm (3,4 QM.) groß, an der Ost- und Südseite durch Deiche, im übrigen durch Dünen gegen das Meer geschützt, hat schönes Weideland, zwei Häfen, ein Fort (Oude Schans) zur Verteidigung des Marsdiep und 6342 Einw. Haupterwerbszweig ist Schafzucht (etwa 34,000 Stück), welche außer feiner Wolle (70-100,000 kg) den berühmten grünen Texeler Schafkäse liefert, daneben Ackerbau, Fischfang und Schiffahrt. T. ist Sitz eines deutschen Konsulats.

Texier (spr. tekssieh), 1) Charles Felix Marie, Architekt, Archäolog und Geolog, geb. 29. Aug. 1802 zu Versailles, bereiste im Auftrag der französischen Regierung seit 1834 mehrere Jahre lang Kleinasien und zwar in einzelnen Teilen als erster Europäer, war 1834 in Phrygien, Kappadokien und Lykaonien, 1835 an der West- und Südküste und zog 1836 von Tarsos mitten durch die Halbinsel nach Trapezunt. 1838-40 forschte er sodann mit La Guiche und Labourdonnaye in Armenien, Kurdistan und Persien und 1842 wieder an der Westküste Kleinasiens. Zeitweise Sekretär der Geographischen Gesellschaft in Paris, wurde er 1855 Mitglied der Akademie und starb 1871. Er schrieb: "Description de l'Asie Mineure" (Paris 1839-49, 3 Bde.); "L'Arménie, la Perse et la Mésopotamie" (das. 1840-52, 2 Bde.) u. a.

2) Edmond, franz. Publizist, geb. 1816 zu Rambouillet (Seine-et-Oise), studierte in Paris und veröffentlichte bereits in seinem 19. Jahr in Gemeinschaft mit Ménard eine Sammlung von Gedichten unter dem Titel: "En avant" (1835). Dann mit Leidenschaft sich auf die Journalistik werfend, lieferte er Beiträge in die beliebtesten Tagesblätter, hatte später hervorragenden Anteil am "Siècle" und übernahm 1860 die Redaktion der "Illustration". Eine seiner gelungensten und ergötzlichsten Schriften ist die Humoreske "La physiologié du poète" (1841), welche unter dem Pseudonym Sylvius erschien. Bemerkenswert sind ferner: "Biographie des journalistes" (1850); "Lettres sur l'Angleterre" (1851); "Critiques et récits littéraires" (1852); "Tableau de Paris" (1853, 2 Bde.); "Les hommes de la guerre d'Orient" (1854); "Paris, capitale du monde" (1867); "Le journal et les journalistes" (1867); die im Verein mit Le Senne geschriebenen Romane: "Madame Frusquin" (1878), "Mémoires de la Cendrillon" (preisgekrönt, 1879), "La dame du lac" (1880) u. a. T. starb 20. Okt. 1887 in Paris.

Text (lat. textus), eigentlich Gewebe, Geflecht; in der Litteratur der eigentliche Inhalt eines Buches, im Gegensatz zu dem in den Noten (Anmerkungen) enthaltenen; manchmal auch s. v. w. Schriftwerk überhaupt, wenn dasselbe in einer fremden Sprache abgefaßt ist; in der Homiletik Stelle der Heiligen Schrift, welche der Predigt (s. d.) zu Grunde gelegt zu werden pflegt; in der Musik die einem Gesangstück zu Grunde liegenden Worte; in der Buchdruckerkunst Name einer größern Schriftgattung von 20 typographischen Punkten Kegelstärke (s. Schriftarten).

Textil (lat.), auf Weberei bezüglich; daher Textilindustrie, Gesamtbezeichnung der Arbeiten, welche zur Erzeugung der Stoffe dienen, wie sie als Handelsware üblich sind und Spinnerei, Weberei, Näherei und Stickerei mit Einschluß der Appretur, Bleicherei etc. umfassen. Textilpflanzen, Spinnfasern (s. d.) liefernde Pflanzen.

Textor, Vogel, s. v. w. Viehweber, s. Webervögel.

Textularia, s. Rhizopoden.

Textur (lat.), Gewebe, Gefüge, Anordnung.

Textus receptus (lat.), s. Bibel, S. 882.

Tezcuco, Stadt und See, s. Texcoco.

Tezel, Johann, berüchtigter Ablaßkrämer, geboren um 1455 zu Leipzig, trat 1489 in den Dominikanerorden und trieb sodann 15 Jahre lang den Ablaßhandel auf die unverschämteste Weise. Zu Innsbruck wegen Ehebruch zum Tod mittels Ersäufens verurteilt, ward er auf Verwenden des Erzbischofs Albrecht von Mainz wieder auf freien Fuß gesetzt. Er holte sich in Rom Ablaß und ward sogar zum apostolischen Kommissar ernannt. Jetzt nahm er als Unterkommissar des Erzbischofs Albrecht von Mainz seinen Ablaßhandel besonders in Sachsen wieder auf und hielt eine reiche Ernte, bis Luther 31. Okt. 1517 in seinen Thesen gegen dies Unwesen auftrat. T. wurde hierauf 1518 zu Frankfurt a. O. Doktor der Theologie und starb im August 1519 in Leipzig an der Pest. Sein Leben beschrieben Hofmann (Leipz. 1844), Körner (Frankenb. 1880); katholischerseits: Gröne ("T. und Luther", 2. Aufl., Soest 1860) und Hermann (2. Aufl., Frankf. 1883). Vgl. Kayser, Geschichtsquellen über T. (Annab. 1877).

Th, th, in sprachwissenschaftlicher Hinsicht, s. "T".

Th, in der Chemie Zeichen für Thorium.

Thaarup, Thomas, dän. Dichter, geb. 21. Aug. 1749 zu Kopenhagen, war von 1794 an eine Zeitlang Mitglied der Theaterdirektion und starb als Privatgelehrter 11. Juli 1821 auf dem Gut Smidstrup unfern Hirschholm. T. ist namentlich als Verfasser der kleinen dramatischen Idylle: "Høstgildet" ("Das Erntefest") und "Peders Bryllup" ("Peters Hochzeit") bekannt, die durch ihren einfachen heimischen Ton und ihre anmutigen, stimmungsvollen Gesänge ungemein ansprachen; besonders diese letztern erfreuten sich der weitesten Verbreitung und sind zum Teil Volkslieder geworden. Seine Schriften gab Rahbek ("Efterladte poetiske Skrifter", Kopenh. 1822), eine Auswahl seiner Gedichte mit Biographie Nygaard (das. 1878) heraus.