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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Thurm - Thymele.

Thurm, s. Turm.

Thurmayr, Johannes, s. Aventinus.

Thurn, Heinrich Matthias, Graf von, einer der Hauptführer des böhmischen Aufstandes unter Ferdinand II., geb. 1580 von protestantischen Eltern, erhielt vom Kaiser Rudolf II. wegen seiner Dienstleistungen in einem Feldzug gegen die Türken die Stelle eines Burggrafen von Karlstein in Böhmen. Er war einer der Haupturheber des Majestätsbriefs und wurde von den Ständen zu einem der 30 Defensoren des Glaubens ernannt. Er gab 23. Mai 1618 das Zeichen zum Aufstand der protestantischen Bevölkerung in Böhmen und ward dann zum Anführer des ständischen Heers ernannt, mit dem er im Juni 1619 bis Wien vordrang. Nach der Schlacht am Weißen Berg, in welcher er mitkämpfte, floh er nach Siebenbürgen zu Bethlen Gabor. 1626 befehligte er ein kleines Korps in Schlesien, begab sich dann zu dem König Gustav Adolf von Schweden und focht bei Leipzig 1631 und bei Lützen 1632 mit. Nach dem Tode des Königs ging er mit einem schwedischen Korps nach Schlesien, knüpfte dort mit Wallenstein nutzlose Unterhandlungen an und ward im Oktober 1633 mit seinen 2500 Schweden bei Steinau a. O. eingeschlossen und zur Kapitulation gezwungen, aber bald wieder freigegeben. 1636 veröffentlichte er in Stockholm eine "Defension-Schrifft". Er starb 28. Jan. 1640. Vgl. Hallwich, Heinrich Matthias Graf T. (Leipz. 1883).

Thurn und Taxis, altes, weitverzweigtes Adelsgeschlecht, stammt angeblich von den mailändischen della Torre, die 1237-77 und 1302-11 Mailand beherrschten. Von den Visconti vertrieben, ließ sich nach der Überlieferung Lamoral I. 1313 im Gebiet von Bergamo nieder und nahm von dem Berg Tasso (Dachsberg) den Namen del Tasso, später de Tassis (Taxis), an. Thurn entstand durch die Übersetzung des italienischen Torre. Franz von T. ward von Kaiser Maximilian 1512 der rittermäßige Reichsadel bestätigt; er errichtete 1516 die erste wirkliche Post zwischen Wien und Brüssel. 1595 wurde Leonhard von Taxis Generalpostmeister des Reichs, und 1615 erwarb Lamoral von Taxis neben der Erblichkeit dieses Amtes die gräfliche Würde für sein Haus. Eugen Alexander von Taxis wurde 1686 von Leopold I. in den Reichsfürstenstand erhoben, und der fürstliche Rang war seit 1695 in seinem Geschlecht erblich. Die 1785 von Karl Anselm von Taxis erkauften reichsunmittelbaren Herrschaften Friedberg, Scheer, Dürmentingen und Bussen wurden 1786 zu einer gefürsteten Reichsgrafschaft erhoben und verschafften ihrem neuen Herrn Sitz und Stimme auf der Fürstenbank des schwäbischen Kreises. Als Entschädigung für den Verlust der Posten in den österreichischen Niederlanden und auf dem linken Rheinufer erhielt das Thurn und Taxissche Haus im Reichsdeputationshauptrezeß von 1803 das gefürstete Damenstift Buchau nebst Stadt, die Abteien Marchthal und Neresheim, das Amt Ostrach, die Herrschaften Schemmerberg und die Weiler Tiefenthal, Frankenhofen und Stetten als Fürstentum; von Preußen 1819 als Entschädigung für die hier verlornen Posten drei in der Provinz Posen gelegene Domänenämter, die zu einem Fürstentum Krotoschin erhoben wurden. Außerdem besitzt das Haus zahlreiche Herrschaften in Österreich, Bayern, Württemberg u. Belgien. Seine gesamten Besitzungen umfassen etwa 1900 qkm (34½ QM.) mit ca. 100,000 Einw. und 1,1 Mill. Mk. Einkünften. Über die Thurn und Taxisschen Posten, welche 1867 Preußen übernahm, s. Post, S. 274. Gegenwärtiger Standesherr ist Fürst Albert, geb. 8. Mai 1867, Sohn des Erbprinzen Maximilian und der Prinzessin Helene, Herzogin in Bayern. Derselbe wohnt in Regensburg, ist erblicher Reichsrat in Österreich u. Bayern und erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses sowie der Ersten Kammer in Württemberg. Eine Sekundogenitur des Hauses T. bildet die zu Prag residierende fürstliche Seitenlinie, welche durch die Nachkommen des Prinzen Maximilian Joseph (geb. 29. Mai 1769, gest. 15. Mai 1831) gebildet wird. An ihrer Spitze steht jetzt Fürst Hugo, geb. 3. Juli 1817. Einer seiner Brüder, Prinz Emmerich, geb. 12. April 1820, ist k. k. Geheimrat, Kämmerer und General der Kavallerie in Österreich. Beider Oheim, Prinz Karl Theodor, geb. 17. Juli 1797, wurde 1850 bayrischer General der Kavallerie und im Feldzug von 1866 Befehlshaber des Kavalleriereservekorps, ward bald nach wiederhergestelltem Frieden zur Disposition gestellt und starb 21. Juni 1868 in München.

Thurnau, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Kulmbach, am Rande des Jura, 350 m ü. M., Hauptort eines 220 qkm (4 QM.) großen Mediatgerichts des Grafen von Giech, hat eine evang. Kirche, ein Schloß mit Park, ein Amtsgericht, Schleifsteinbrüche und (1885) 1269 Einw.

Thursday (spr. thörrsde), zur britisch-austral. Kolonie Queensland gehörige Insel, in der Torresstraße gelegen, nördlich vom Kap York, mit der seit einigen Jahren hierher von Somerset verlegten Niederlassung der Regierung. T. ist eine Zentralstation für die in diesen Gewässern schwunghaft betriebene Perl- und Trepangfischerei (Ertrag 1886: 70,602, resp. 6800 Pfd. Sterl.) und Station für die von Singapur nach Brisbane laufenden Postdampfer.

Thursen, Riesen, s. Joten.

Thúrso, Seestadt in der schott. Grafschaft Caithneß, an der Mündung des Flusses T. in eine geräumig Bai, hat ein altes Schloß, einen Hafen für Schiffe von 3,6 m Tiefgang, Seilerei, Ausfuhr von Vieh und Pflastersteinen und (1881) 4026 Einw.

Thürsteuer, s. Gebäudesteuer.

Thusis (roman. Tuseun), Marktflecken im schweizer. Kanton Graubünden, Hauptort des Bezirks Heinzenberg, an der Mündung der Nolla in den Hinterrhein (oberhalb beginnt die Via mala), 746 m ü. M., mit Korn- und Viehhandel und (1880) 1126 Einw. T. ist wichtig als Kreuzungspunkt der Splügen- und der Schynstraße. In der Nähe die Burgruine Hohen-Rätien (Hohen-Realta, 950 m hoch) mit schöner Aussicht. Vgl. Lechner, T. und die Hinterrheinthäler (Chur 1875); Rumpf, Thusis (Zürich 1881).

Thusnélda, Tochter des Segestes, Gattin des Arminius, der sie ihrem Vater entführt hatte, geriet später wieder in die Gewalt ihres Vaters und wurde von diesem 15 n. Chr. an Germanicus ausgeliefert, der sie nebst ihrem Sohn Thumelicus, den sie in der Gefangenschaft geboren, im J. 17 zu Rom im Triumph aufführte.

Thyatira, antike Stadt, s. Akhissar 2).

Thyéstes, Bruder des Atreus (s. d.).

Thyiaden, s. v. w. Bacchantinnen, s. Dionysos, S. 997.

Thylacinus, Beutelwolf.

Thylacotherium, s. Beuteltiere, S. 848.

Thyllen (griech., Füllzellen), Zellen, welche ältere oder verletzte Gefäße, z. B. im Holz der Eiche, Robinien u. a., nachträglich ausfüllen.

Thymallus, Äsche.

Thymele, auf der altgriech. Bühne eine altarförmige viereckige, sich auf Stufen erhebende Erhöhung in der Mitte der Orchestra, auf welcher der Chorführer