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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Tiers-état; Tiers-parti; Tiersymbolik; Tierwolf; Tierzucht; Tieté; Tietjens; Tieuté; Tiférnum; Tiffin; Tiflis

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Tiers-état - Tiflis.

des Schädels selbst in derselben Familie, z. B. bei dem bis zum Eocän zurückverfolgbaren Geschlecht der pferdeartigen Tiere (Equiden), ein beständiges Wachstum in der Zeit aufweist, wie denn die Tiere mit sehr unausgebildetem Hirn, z. B. die Faultiere, unter den Säugern auch ein sehr unentwickeltes Seelenleben und große Stumpfheit zeigen. In den höhern Abteilungen, z. B. bei den Affen, ist es namentlich das Großhirn, dessen beide Hemisphären eine erhebliche Zunahme zeigen, bis sie (beim Menschen) alle übrigen Gehirnteile bedecken. Den einzigen wesentlichen Unterschied der tierischen von der menschlichen Intelligenz sucht Vignoli in dem Mangel des Selbstbewußtseins bei der erstern, doch ist eine bestimmte Grenze auch hierin nicht zu ziehen, und man kann nur ein stufenweises Wachstum der Fähigkeiten bei den höhern Tieren nachweisen. Vgl. Wundt, Grundzüge der physiologischen Psychologie (3. Aufl., Leipz. 1887); Romanes, Die geistige Entwickelung im Tierreich (das. 1885); Vignoli, Über das Fundamentalgesetz der Intelligenz im Tierreich (das. 1879); Büchner, Aus dem Geistesleben der Tiere (3. Aufl., Berl. 1880); über die geistigen Fähigkeiten der Insekten: Fabre, Souvenirs entomologiques (3 Tle., Par. 1879, 1882 u. 1886); Lubbock, Ameisen, Bienen und Wespen (deutsch, Leipz. 1883); Derselbe, Die Sinne und das geistige Leben der Tiere (das. 1889); über höhere Tiere: Scheitlin, Versuch einer vollständigen T. (Stuttg. 1840, 2 Bde.); Rennie, Fähigkeiten und Kräfte der Vögel (Leipz. 1839); Derselbe, Baukunst der Vögel (Stuttg. 1847).

Tiers-état (franz., spr. tjähr-setá, der "dritte Stand"), in Frankreich in der Zeit vor 1789 die Masse des Volkes im Gegensatz zum Adel und Klerus als den beiden privilegierten Ständen.

Tiers-parti (franz., spr. tjähr-, die "dritte Partei"), Fraktion in der franz. Deputiertenkammer, welche während der Kammersitzung von 1832 bis 1833 entstand und die Herrschaft des Mittelstandes bezweckte.

Tiersymbolik, s. Symbolik.

Tierwolf, s. Luchs.

Tierzucht, s. Viehzucht.

Tieté, Nebenfluß des Paraná, in der brasil. Provinz São Paulo, bildet 56 Katarakte, von denen der unterste 16 km oberhalb der Mündung liegt und 22 m tief ist.

Tietjens, Therese, Opernsängerin, geb. 18. Juli 1831 zu Hamburg von ungarischen Eltern, betrat 1847 das St. Pauli-Aktientheater und wurde im folgenden Jahr am Altonaer Stadttheater engagiert, ging 1850 nach Frankfurt a. M., 1851 nach Brünn und wurde 1853 Mitglied des Kärntnerthor-Theaters in Wien. 1858 kam sie als Primadonna der Italienischen Oper nach London, wo sie bis zum Frühjahr 1877 als Opern, Konzert- und Kirchensängerin eine rege Thätigkeit entfaltete und doch noch Zeit fand, in Italien, Spanien, Paris und Deutschland (Berlin, Köln, Hamburg) zu singen. Sie starb 3. Okt. 1877 in London. Eine Vertreterin des echt musikalisch-dramatischen Stils, besaß sie ein Organ von wunderbarer Weichheit, andauernder Frische und Mächtigkeit; sie schuf edle, große, klassische Gestalten u. fesselte namentlich durch meisterhafte Deklamation des Recitativs.

Tieuté (spr. tjö-), s. Pfeilgift.

Tiférnum, s. Cittá di Castello.

Tiffin, Stadt im nordamerikan. Staat Ohio, Grafschaft Seneca, 64 km südöstlich von Toledo, in reicher Weizengegend, mit (1880) 7879 Einw.

Tiflis, Gouvernement der russ. Statthalterschaft Kaukasien, 40,417 qkm (734 QM.) groß mit (1885) 785,313 Einw. (darunter 24 Proz. Mohammedaner), erstreckt sich zu beiden Seiten des Kuraflusses, im N. bis an den Hauptkamm des Kaukasusgebirges, im S. bis an das armenische Hochland reichend, hat nur in der Mitte Ebenen, auch Steppen, ist aber im ganzen ein fruchtbares Gebirgsland mit vielem Weinbau, zahlreichen ergiebigen Naphthabrunnen und Mineralquellen. Die gewerbliche Thätigkeit der Bewohner ist nicht unbedeutend, man fabriziert besonders schöne Teppiche und Shawls. Der Handel wird besonders gefördert durch die das Gouvernement mitten durchschneidende Poti-Baku-Eisenbahn sowie durch die über den Kaukasus durch den Engpaß Dariel nach Wladikawkas führende Tiflisstraße. Deutsche Kolonien befinden sich in Alexandershilf, Elisabeththal, Marienfeld, Katharinenfeld mit zusammen 5000 Einw., zahlreiche Deutsche wohnen außerdem in der Stadt T. und in Neutiflis.

Die gleichnamige Stadt, in einem engen, von kahlen Felsen eingeschlossenen, durch Weinpflanzungen, Gebüsch und Gartenanlagen verschönerten Kesselthal, zieht sich an beiden Ufern der wilden Kura hin, 460 m ü. M., hat (1886) 104,024 Einw., meist Armenier, Georgier, Russen, über 2000 Deutsche, ferner Tataren, Perser, Polen, Juden u. a. Nach Brugsch werden hier 70 Sprachen gesprochen. Die Stadt ist in Bauart und Lebensweise eine interessante Mischung asiatischen und europäischen Wesens. Sie zerfällt in vier Teile. Am rechten Flußufer liegen die Altstadt und Seid Abbad mit ganz asiatischem Charakter, Karawanseraien, Bazaren, vielen Kirchen, warmen Quellen, und der nördlich davon außerhalb der alten Stadtmauer von den Russen angelegte Teil, dann das an schönen Plätzen, Kaufläden, Palästen reiche Quartier Sololaki, am linken Ufer das aus einer schwäbischen Ansiedelung entstandene Kuki, der Vergnügungsort der Tifliser und Wohnsitz der meisten Europäer. Daran schließen sich mehrere Vorstädte, worunter das nach den Naphthaquellen an der Kura benannte Nawtlug. T. ist Sitz des Statthalters von Kaukasien, des Zivilgouverneurs für das Gouvernement T., der obersten Militär- und Regierungsbehörden, eines georgischen Patriarchen und Metropoliten, eines armenischen Erzbischofs und eines deutschen Berufskonsuls; es besitzt 76 Kirchen, darunter 36 griechisch-russische, 26 armenische, je 2 protestantische und römisch-katholische, 2 Klöster, 2 Moscheen, verschiedene höhere russische Schulen (Gymnasium nebst 2 Progymnasien, Militärschule, Handelsschule, 2 Lehrerseminare u. a.), 2 deutsche Schulen, öffentliche Bibliothek, Naturalienkabinett, botanischen Garten, astronomisches und magnetisches Observatorium, Theater, Münze. Von den Industrien der Stadt sind erwähnenswert die Fabrikation von Woll-, Baumwoll- und Halbseidenstoffen, Tapeten, Leder, Salzraffinerie, die Arbeiten in Silberfiligran, Büchsenmacherei und Schwertfegerei. Dem Handelsverkehr dienen die Tiflisstraße und die Poti-Baku-Eisenbahn (s. oben), doch hat der Transitverkehr nach Persien durch die seit 1883 eingeführten Zollerhöhungen aufgehört. Europäer und Armenier vertreiben als Großkaufleute die europäischen Waren. - Die Stadt, 455 n. Chr. gegründet, geraume Zeit Residenz der Könige von Georgien, erlitt öfters Verheerungen infolge der vorderasiatischen Völkerbewegungen. Zu Anfang des 17. Jahrh. fiel sie zwar unter türkische Herrschaft, ward aber von dem georgischen König Rustum (1636-58) wiedererobert und befestigt. Zu Anfang des 18. Jahrh. bemächtigten sich die Türken abermals der Stadt, wurden aber 1735 von Schah