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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Triest

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Triest (Beschreibung der Stadt, Bevölkerung).

der Reede hinzieht und breite, regelmäßige, sich rechte winkelig kreuzende Straßen enthält. In die Neustadt tritt der 380 m lange, 16 m breite, 4 m tiefe "große Kanal" mit zwei Drehbrücken ein, welcher den Schiffen ermöglicht, unmittelbar an den Magazinen löschen zu können. Die Stadt T. mit ihrem Gebiet zerfällt in 12 Bezirke, nämlich 5 innere Bezirke (Stadt), 5 äußere Bezirke (Umgebung) und 2 das übrige Gebiet von T. (13 Dörfer) umfassende Bezirke. Unter den öffentlichen Plätzen sind hervorzuheben: der Große Platz mit der Marmorstatue Karls VI. u. großem Brunnen, durch einen öffentlichen Garten vom Fischplatz (mit lebhaftem Fischmarkt) am Meer getrennt; der Börsenplatz mit dem 1668 errichteten Standbild Leopolds I.; der Ponte Rosso-Platz am Canal grande; der Giuseppinaplatz mit dem Monument des Erzherzogs Maximilian, Kaisers von Mexiko (von Schilling); der Stationsplatz, der Dogana- oder Mautplatz, der Holzplatz, der mit einem anmutigen Square besetzte Leipziger Platz, die große Piazza d'Armi etc. Von den Straßen sind der Corso, die Acquedottogasse (mit schöner Allee, besuchter Spaziergang), die Torrente- und Stadiongasse die breitesten und schönsten. Die Via Giulia führt zum Boschetto (Wäldchen), einem beliebten Vergnügungsort der Triester Bevölkerung. Die Stadt hat außerdem breite Kais, von denen der nordöstliche zum neuen Hafen und nach dem im Winter besuchten Küstendorf San Bartolo, der südwestliche zu dem am Meer gelegenen Spaziergang Sant' Andrea und weiter zum Lloydarsenal führt. Unter den Kirchen steht obenan der Dom von San Giusto, auf einem Hügel unterhalb des Kastells, ein schon im 5. Jahrh. gegründeter, im 14. Jahrh. vollendeter byzantinischer Bau mit fünf Schiffen, sehenswerten Altertümern, Mosaiken, Reliquien und einem mit Benutzung antiker Fragmente um 1000 erbauten Glockenturm. Vor dem Dom erhebt sich die 1560 zu Ehren des Kaisers Ferdinand I. errichtete sogen. Adlersäule. Sonstige erwähnenswerte Kirchen sind: die 1627 erbaute Kirche Santa Maria Maggiore (Jesuitenkirche) mit Fresken von Sante, die Kirche Beata Vergine del Soccorso (Sant' Antonio Vecchio), die 1830 von Nobile erbaute Kirche Sant' Antonio am Ende des Großen Kanals, die Kirche San Giacomo, die reich ausgestattete, mit Gemälden von Dell' Acqua gezierte griechische Kirche San Niccolò mit zwei Türmen (1782 erbaut), die neuerbaute prächtige serbische Kirche im byzantinischen und die neue lutherische Kirche im gotischen Stil, die reformierte Kirche und die englische Kapelle. Die Israeliten haben fünf Synagogen. Weitere hervorragende Gebäude sind: das neue Rathaus am Großen Platz; das Tergesteum auf dem Börsenplatz (1840 errichtet), ein gewaltiges Gebäude, im Innern mit kreuzweiser Glasgalerie, Sitz der Börse; das alte Börsengebäude im dorischen Stil (1802 erbaut), das Statthaltereigebäude und der Lloydpalast am Großen Platz, das Gebäude der Allgemeinen Versicherungsgesellschaft am Kai, die Paläste Carciotti, Revoltella, Rittmeyer, Genel, Salem, das große Schulgebäude am Leipziger Platz, das Hôtel de Ville, die Villa Necker (einst Eigentum Jérômes, Königs von Westfalen), die Villa Murat, das vom Triester Turnverein errichtete Turnschulgebäude, das geschmackvolle Stadttheater, das Armoniatheater, das Amphitheater Fenice und das Teatro Filodrammatico, endlich das große, in der Acquedottogasse erbaute Politeama Rossetti (Stadttheater); das den Schloßberg krönende Kastell, an der Stelle des römischen Kapitols 1508-1680 errichtet, mit herrlicher Aussicht über Stadt und Meer, mehrere Kasernen, die Reitschule, das alte Lazarett (jetzt Artilleriearsenal), der 33 m hohe Leuchtturm (1833 erbaut), der Südbahnhof mit dem neuen großen Stationsgebäude und der 1886 auf dem Kai von Sant' Andrea erbaute Staatsbahnhof. Von Altertümern sind zu erwähnen: die Überreste eines römischen Amphitheaters, eine römische Wasserleitung und ein Triumphbogen (Arco di Riccardo) aus der Kaiserzeit, welcher als Stadtthor diente. In neuester Zeit sind auch im Küstenort San Bartolo Überreste römischer Bauwerke (mit Mosaikböden) gefunden worden. T. samt Gebiet zählte Ende 1880: 144,844 Einw., wovon auf die Stadt 74,544, auf die Vororte 58,475 und auf das weitere Gebiet von T. 11,825 entfallen. Für Ende 1887 wurde die Bevölkerung mit 158,478 berechnet; 1810 zählte T. erst 29,908 Einw. Die Bevölkerung ist aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzt. Die Mehrheit bilden Italiener, bez. italienisierte Südslawen (108,000), wie überhaupt die Stadt einen vorwiegend italienischen Charakter hat. Doch gibt es in T. auch zahlreiche Deutsche (über 6000, meistens dem Beamten- und Handelsstand angehörig) sowie Angehörige andrer Nationalitäten, als Griechen, Engländer, Armenier, Türken etc. Die Bauern der Umgegend sind Slowenen (im ganzen über 26,000), welche Sonntags in malerischer Tracht einhergehen. Die Fischer und Seeleute sind meist Dalmatiner und Istrianer. Der Religion nach sind von der gesamten Einwohnerzahl 136,168

^[Abb.: Wappen von Triest.]

^[Abb.: Karte der Umgebung von Triest. Maßstab 1:100000.]