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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Turmalinfels - Turners Gelb.

Massachusetts, Maine etc., Indikolith von der Insel Utö in Schweden und aus Brasilien. T. dient als polarisierende Substanz in Polarisationsinstrumenten, namentlich den sogen. Turmalinzangen, und ist in einigen Varietäten (edler T.) ein geschätzter Edelstein. Im Handel heißen die roten Turmaline Rubellit, Sibirit oder sibirischer T., die blauen brasilischer T., die grünen brasilischer Smaragd, die gelblichgrünen ceylonischer Chrysolith.

Turmalinfels (Schörlfels), wenig verbreitetes Gestein, aus Quarz und schwarzem Turmalin (in Körnern oder Nadeln) gebildet. Gewöhnlich gleichzeitig mit turmalinführenden Graniten, selten (Cornwall, Eibenstock und im Erzgebirge) selbständig vorkommend, ist es teils dicht, teils körnig, teils schieferig (Turmalinschiefer).

Turmalinzange, s. Polarisationsapparate.

Turmberg, s. Karthaus.

Turmequé (spr. -ke), Stadt im Staat Boyacá der südamerikan. Republik Kolumbien, südlich von Tunja, 2720 m ü. M., mit (1870) 8182 Einw.

Turmero, Stadt in der Sektion Guzman Blanco des gleichnamigen Staats der Bundesrepublik Venezuela, in reizender Lage am gleichnamigen Fluß und am Fuß der Küstenkordillere, mit (1873) 6040 Einw.

Turmfalke, s. Falken, S. 10.

Turmforts, s. Panzerungen.

Türmitz, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Aussig, an der Biela und der Aussig-Teplitzer Eisenbahn gelegen, mit einem Schloß, (1880) 2547 Einw., einer Zuckerfabrik, Bierbrauerei, Chemikalienfabrik, Obst- und Weinbau und bedeutenden Braunkohlenwerken.

Turmkrähe, s. v. w. Dohle, s. Rabe.

Turmschiff, s. Panzerschiff, S. 661.

Turmschwalbe, s. Segler (Cypselus).

Turm- und Schwertorden, portugies. Orden, gestiftet 1459 von Alfonso V., erneuert 1808, und 1832 von Dom Pedro, Herzog von Braganza, vollständig neu organisiert unter dem Titel: "Der alte und sehr edle Orden vom Turm und Schwert für Tapferkeit, Ergebenheit und Verdienst". Die Grade sind: Großmeister, Großoffiziere, Großkreuze, Kommandeure, Offiziere und Ritter, deren Zahl unbestimmt ist. Der Orden wird verliehen für persönliches Verdienst, ausgezeichnete Thaten und bürgerliche Treue, ist aber auch durch Nachweis derselben Inländern und Ausländern zugänglich. Die Dekoration der Ritter besteht aus einem silbernen (höhere Grade goldenen), weiß emaillierten, fünfspitzigen Kreuz, auf dessen Mittelschild im Avers ein Schwert in einem Eichenkranz ruht, im Revers ein aufgeschlagenes Buch, links mit dem portugiesischen Wappen, rechts mit dem Titel der Konstitution, sich befindet, während auf dem blauen Ring vorn: "Valor, lealdade, merito", hinten: "Pelo Rei e pela lei" steht. Das Kreuz hat zwischen den zwei obern Armen einen Turm, an dem es hängt, und ist von einem Eichenkranz umgeben. Großkreuze und Komture tragen einen goldenen Stern mit dem Orden obenauf; die Ordenskette besteht aus den Türmen und Schwertern in Kränzen des Ordens, dessen Band dunkelblau ist. Ordenstag: der 29. April.

Turn (Dorne), Dichter, s. Reinbot von Turn.

Turnau, Stadt im nördlichen Böhmen, an der Iser und an der Pardubitz-Reichenberger Eisenbahn, in welche hier die Eisenbahn Prag-Kralup-T. einmündet, hat eine Dechantei- und eine gotische Marienkirche, ein Franziskanerkloster, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine Gewerbeschule für Edelsteinbearbeitung, Bierbrauerei, Mühlenbetrieb, Dampfsäge, Druckerei, Wachs- und Seilerwarenfabrikation, Schleiferei böhmischer Granate und andrer (echten und unechten) Edelsteine (früher viel bedeutender) und zählt (1880) 4948 Einw. Hier 26. Juni 1866 siegreiches Gefecht der Preußen gegen die Österreicher. In der durch ihre Sandsteinformation bemerkenswerten Umgebung sind die Kaltwasserheilanstalt Wartenberg, die Ruine Waldstein, Stammburg des berühmten Geschlechts, die Schlösser Großskal, Sichrow, Groß-Rohosetz mit Parkanlagen zu erwähnen.

Turnbulls Blau, s. Berliner Blau.

Turnen, s. Turnkunst.

Turner, 1) Sharon, engl. Geschichtschreiber, geb. 24. Sept. 1768 zu London, widmete als Advokat in seiner Vaterstadt seine Muße vorzüglich der Erforschung der Geschichte seines Vaterlandes und begründete seinen Ruf durch die "History of the Anglo-Saxons" (Lond. 1799 ff.; 7. Aufl. 1852, 3 Bde.). Es folgten: "History of England during the middle ages" (neue Ausg. 1853, 4 Bde.); "The history of the reign of Henry VIII." (neue Ausg. 1835, 2 Bde.); "Modern history of England" (1826 ff., 2 Bde.); "The history of the reigns of Edward VI., Mary and Elizabeth" (neue Ausg. 1854, 2 Bde.); "Sacred history of the world" (2. Aufl. 1848, 3 Bde.). T. starb 13. Febr. 1847 in London.

2) Joseph Mallord William, engl. Maler, geb. 23. April 1775 zu London, trat 1789 als Schüler in die königliche Akademie und erwarb sich durch seine Fluß- und Seelandschaften nach englischen Motiven, die zumeist von den Holländern, Claude Lorrain und Poussin beeinflußt waren, bald solchen Ruf, daß ihn die Akademie 1802 zu ihrem Mitglied ernannte. Durch wiederholte Studienreisen nach Schottland, Frankreich, der Schweiz, Italien und nach dem Rhein erweiterte er seinen Gesichtskreis. 1807 wurde er zum Professor der Perspektive an der Akademie ernannt, hielt aber nur wenige Jahre Vorlesungen. Er starb 19. Dez. 1851 in Chelsea. T. nimmt unter den englischen Landschaftsmalern eine der ersten Stellen ein. Obwohl seine Bilder, namentlich diejenigen seiner letzten Zeit, oft an Maßlosigkeit der Phantasie und Übertreibung im Kolorit leiden, besonders in den Lichtwirkungen, so sind sie doch nach Auffassung und Behandlung höchst originell. Außer Landschaften hat er auch Marine- und Historienbilder gemalt, und eine besondere Virtuosität entfaltete er im Aquarell. Eine reiche Sammlung seiner Gemälde (112) besitzt die Londoner Nationalgalerie, darunter seine Hauptwerke: Iason, die Schmiede, Apollo und Python, der Schiffbruch, Dido und Äneas, der Fall Karthagos, die Bai von Bajä, Odysseus verhöhnt den Polyphem, Hannibals Zug über die Alpen, der Pier von Calais. Eine Sammlung seiner Skizzen veröffentlichte er unter dem Titel: "Liber studiorum". Außerdem lieferte er Illustrationen zu den Gedichten von Byron, Campbell, Scott, Roger u. a. Von seinem großen Vermögen setzte er 200,000 Pfd. Sterl. zum Bau eines Asyls für arme Künstler aus. Vgl. Thornbury, Life of J. M. W. T. (neue Ausg. 1877, 2 Bde.); Dafforne, The works of J. M. W. T. (1878); Hamerton, T. (Par. 1889).

Turneraceen, dikotyle, etwa 100 Arten umfassende, vorzugsweise im tropischen Südamerika einheimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Passiflorinen, von den nächsten Verwandten durch gedrehte Knospenlage der Blumenblätter und den Mangel eines stielförmigen Fruchtknotenträgers unterschieden.

Turners Gelb, s. Bleichlorid.