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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Uj-Fejértó; Uj-Szentanna; Uj-Verbász; Ujhely; Ukami; Ukara; Ukas; Ukelei; Uker; Ukerewe; Ukermark; Ukermünde; Ukert; Ukleisee; Ukraine

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Uj-Fejértó - Ukraine.

dition scientifique française en Russie, en Sibérie et dans le Turkestan" (Par. 1878-80, 6 Bde.) veröffentlichte. Von seinen übrigen, vornehmlich ethnologischen und linguistischen Arbeiten sind zu nennen: "La langue magyare, son origine, etc." (1871); "La Hongrie, son histoire, etc." (1872); "Les migrations des peuples et particulièrement celle des Touraniens" (1873); "L'ethnographie de l'Asie" (1874); "Mélanges altaïques" (1874); "Étude comparée des langues ougro-finnoises" (1875); "Grammaire finnoise" (mit R. Hertzberg, 1876); "Éléments de grammaire magyare" (1875); "L'art des cuivres en Cachemire" (1883); er redigierte die "Revue de philologie et ethnographie" (Par. 1874-77, 3 Bde.). Auch übersetzte er Petöfis Gedichte (1871) und mit Desbordes-Valmore eine Auswahl magyarischer Dichtungen (1872), das finnische Epos "Kalewala" (1876) ins Französische. Deutsch schrieb er: "Alfred de Musset" (Leipz. 1870) und "Aus dem westlichen Himalaja" (das. 1884). - Seine Gattin Marie, geborne Bourdon, geb. 1845 zu Chartres, seine stete Begleiterin auf allen seinen Reisen, schrieb: "De Paris à Samarkand, le Ferghanah, etc." (1880); "Voyage d'une Parisienne dans l'Himaleya occidental" (1887) u. a.

Uj-Fejértó, Markt im ungar. Komitat Szabolcs, an der Debreczin-Miskolczer Bahnlinie, mit (1881) 6998 ungar. Einwohnern.

Ujhely, s. Sátoralja-Ujhely.

Uj-Szentanna (spr. -ßént-), Markt im ungar. Komitat Arad, Station der Arad-Buttyiner Bahnlinie, mit (1881) 5193 deutschen und ungar. Einwohnern.

Uj-Verbász (spr. -wérbāß), Dorf im ungar. Komitat Bács-Bodrog, Station der Budapest-Semliner Bahn, liegt am Franzenskanal und hat (1881) 5090 deutsche Einwohner, ein Untergymnasium und eine Sparkasse.

Ukami, deutsches Schutzgebiet in Ostafrika, zwischen Usegua, Usagara und Khutu und von mehreren Zuflüssen des Rufu durchzogen, wurde für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft von Peters und Pfeil durch Verträge im Dezember 1884 erworben und 27. Febr. 1885 unter deutschen Schutz gestellt.

Ukara, Insel im Südteil des großen afrikanischen Sees Ukerewe (s. d.).

Ukas (v. russ. ukasátj, "befehlen"), in Rußland jeder direkt vom Kaiser oder vom dirigierenden Senat ergehende legislative oder administrative Befehl oder Erlaß. Die Veröffentlichung der kaiserlichen Ukase erfolgt durch den Senat, doch hat letzterer auch das Recht, zur Ausführung bestehender Gesetze Ukase (Verordnungen) zu erlassen. Gesetze und Verordnungen, die vom Kaiser selbst ausgehen, heißen "allerhöchste Ukase". Dabei wird zwischen dem eigenhändig unterzeichneten (imennoj) und dem mündlichen U., dem vom Kaiser auf erstatteten Vortrag erteilten Befehl, unterschieden. Ministerielle Verordnungen werden nicht als U. bezeichnet. Kaiser Nikolaus ließ 1827 eine Sammlung der Ukase in 48 Bänden veranstalten, der sich die spätern von Jahr zu Jahr anschließen. Sie bildet die Grundlage des russischen Reichskodex (Swod sakonow).

Ukelei, s. Weißfisch.

Uker (Ucker, Ücker), Fluß in Preußen, bildet sich beim Marktflecken Fredewalde in der Provinz Brandenburg aus dem Abfluß mehrerer Seen, durchfließt den Oberuker-, Strelower und Unterukersee, tritt oberhalb Pasewalk nach Pommern über, empfängt hier die Randow und mündet nach 103 km langem Lauf unterhalb Ückermünde in das Kleine Haff.

Ukerewe (Victoria Nyanza), großer See in Äquatorialafrika, zwischen 0° 45' nördl. bis 2° 50' südl. Br. und von 31° 30'-35' östl. L. v. Gr., liegt nach Speke 1140, nach Stanley 1160, nach Mackay 1005 m ü. M. und hat einschließlich der zahlreichen in ihm gelegenen Inseln ein Areal von 43,900 qkm (1525 QM.), ist sonach größer als Bayern. Die Ufer des Sees werden meist begleitet von Höhenzügen, sind aber stellenweise auch auf große Ausdehnungen ganz flach; an der Westseite verlaufen dieselben ziemlich gleichmäßig, im N., O. und S. werden sie von zahlreichen Buchten zerschnitten (Ugoweh- und Kavirondobai, Spekegolf), und zahlreiche Inseln und Inselgruppen (Sessearchipel, Usuguru, Ugingo, Ukara, Ukerewe, Bumbire) sind ihnen vorgelagert. Im N. hat er im Kiviro, der später Somerset-Nil heißt, seinen Abfluß, dagegen gehen ihm von O. Guaso, Maroa, Rubuna, von S. Simiu, Isanga, Lohugaci, von W. Kiwala mit Kagera (Alexandra-Nil), Katonga u. a. zu. Der U. wurde 4. Aug. 1858 von Speke entdeckt, dann von diesem in Verein mit Grant 1861-62 weiter untersucht, namentlich seine nördliche Ausdehnung festgestellt, von Stanley vom Januar bis Mai 1875 umfahren und zuletzt von Mackay 1883 untersucht. S. Karte bei "Congo".

Ukermark (Uckermark), der nördlichste Teil der preuß. Provinz Brandenburg, zwischen der Mittelmark, Mecklenburg-Strelitz, Pommern und der Neumark, wird von der Uker (von der sie den Namen hat), Oder, Welse, Randow und vielen Seen bewässert und bildet eine nur von geringen Hügeln durchzogene fruchtbare Ebene von 3700 qkm (67 QM.) Flächeninhalt. Sie umfaßt im wesentlichen die Kreise Prenzlau, Angermünde und Templin. - Die U. wurde im 6. Jahrh. von einem wendischen Volksstamm, den Ukranern (Uchri, Wucri), dann nach kurzer Abhängigkeit vom Deutschen Reiche gegen Ende des 10. Jahrh. von den Obotriten, um 1177 aber von den pommerschen Herzögen in Besitz genommen. 1250 wurde sie von den brandenburgischen Markgrafen Johann I. und Otto III. erworben, nach dem Aussterben der Askanier aber von Pommern und Mecklenburg besetzt. Letzteres blieb nur kurze Zeit im Besitz seines Anteils; den Pommern hat jedoch erst Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg 1415 Prenzlau, Boitzenburg und Zehdenick entrissen, und nach langwierigen Fehden hat Albrecht Achilles den Rest der U. 1472 wieder mit der Mark vereinigt.

Ukermünde, s. Ückermünde.

Ukert, Friedrich August, Gelehrter, geb. 28. Okt. 1780 zu Eutin, studierte in Halle und wurde 1807 Erzieher der nachgelassenen Söhne Schillers in Weimar, folgte aber schon im folgenden Jahr einem Ruf nach Gotha, wo er zunächst Inspektor am Gymnasium, dann Bibliothekar an der herzoglichen Bibliothek wurde. Er starb 18. Mai 1851. Außer Übersetzungen historischer und geographischer Werke veröffentlichte er: "Geographie der Griechen und Römer" (Weim. 1816-46, 3 Bde.), gab mit Heeren seit 1828 die "Geschichte der europäischen Staaten", mit Jacobs 1834 die "Merkwürdigkeiten der herzoglichen Bibliothek zu Gotha" (Leipz. 1835-38, 3 Bde.) heraus und schrieb: "Über Dämonen, Heroen und Genien" (das. 1850).

Ukleisee, kleiner, sagenreicher, vielbesuchter See im oldenburg. Fürstentum Lübeck, 5 km nördlich von Eutin, 26 m ü. M. An seinen von niedrigen, schön bewaldeten Hügeln umgebenen Ufern ein Wirtshaus.

Ukraine ("Grenzgebiet"), zur Zeit des alten polnischen Reichs Benennung der äußersten südöstlichen Grenzlande desselben, später eines ausgedehnten Landstrichs an beiden Ufern des mittlern Dnjepr mit