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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Uranglas - Uranpecherz.

Erzeugung eines gelblichgrünen, etwas trüben, durch Fluoreszenz grünlich schillernden Glases (Uran-, Anna-, Kanarienglas), welches zum Verglasen photographischer Arbeitsräume benutzt wird, da es die leuchtenden, nicht aber die chemisch wirksamen Lichtstrahlen durchläßt. Schließt man das Uranpecherz wie angegeben auf, verwendet aber statt kohlensauren Natrons kohlensaures Ammoniak und fällt die Lösung mit verdünnter Schwefelsäure, so erhält man gelbes Uranoxydammoniak (NH4)2U2O7 ^[(NH_{4})_{2}U_{2}O_{7}], welches als Uranoxydhydrat in den Handel kommt und zur Darstellung andrer Uranpräparate, zu gelben Glasflüssen für Glasuren, Glasmalerei und Email und zu schwarzen Porzellanfarben unter der Glasur benutzt wird, da es sich im Scharffeuer der Porzellanöfen in äußerst feuerbeständiges Uranoxyduloxyd verwandelt. Die Uranoxydsalze sind gelb, grünlich schillernd; die löslichen reagieren schwach sauer, schmecken herb, kristallisieren zum Teil leicht und werden beim Glühen zersetzt. Salpetersaures Uranoxyd UN2O8 ^[UN_{2}O_{8}] bildet große Kristalle mit 6 Molekülen Kristallwasser, ist sehr leicht löslich in Wasser, auch in Alkohol und Äther, verwittert etwas, wird durch Licht zersetzt, hinterläßt beim Erhitzen Oxyd, dann Oxyduloxyd, dient in der Photographie und in der Porzellanmalerei zur Erzeugung von Porzellanlüster. U. wurde 1789 von Klaproth entdeckt, und Peligot stellte 1841 das Metall selbst dar. In den 30er Jahren kam Uranpecherz als Material zur Darstellung von Uranpräparaten in den Handel, und gegenwärtig werden solche in Joachimsthal nach dem oben angegebenen, von Patera herrührenden Verfahren verarbeitet.

Urānglas (Annaglas, Kanarienglas), s. Uran.

Urānglimmer, Sammelname für eine Reihe äußerlich sehr ähnlicher Mineralien aus der Ordnung der Phosphate, welche calcium-, baryum- oder kupferhaltige Uranphosphate oder -Arseniate darstellen. Sie kristallisieren im quadratischen oder rhombischen System und bilden tafelartige, einzeln aufgewachsene oder zu kleinen Drusen vereinigte Kristalle. Die dunklern grünen Nüancen sind für die kupferhaltigen, die hellern grünen und die gelben Farben für die calcium- und baryumhaltigen Spezies charakteristisch. Alle sind glasglänzend, auf der Spaltungsfläche perlmutterglänzend, Härte 1-2,5, spez. Gew. 3-3,6. Die chemische Zusammensetzung der hierher gehörigen Mineralien zeigt folgende Übersicht:

Phosphate:

Kalkuranit (Autunit) CaU2P2O12+8H2O ^[CaU_{2}P_{2}O_{12}+8H_{2}O],

Uranocircit BaU2P2O12+8H2O ^[BaU_{2}P_{2}O_{12}+8H_{2}O],

Kupferuranit (Chalkolith, Torbernit) CuU2P2O12+8H2O ^[CuU_{2}P_{2}O_{12}+8H_{2}O].

Arseniate:

Uranospinit CaU2As2O12+8H2O ^[CaU_{2}As_{2}O_{12}+8H_{2}O],

Zeunerit CuU2As2O12+8H2O ^[CuU_{2}As_{2}O_{12}+8H_{2}O].

Sie kommen meist auf Erzlagerstätten vor: Kalkuranit bei Johanngeorgenstadt, Eibenstock und Falkenstein in Sachsen, Autun in Frankreich, in Cornwall, Massachusetts; an den meisten dieser Orte und bei Limoges (in Granit) Kupferuranit; Uranospinit und Zeunerit finden sich bei Schneeberg in Sachsen, letzterer außerdem noch bei Zinnwald, Wittichen im Schwarzwald, in Cornwall; Uranocircit bei Falkenstein in Sachsen.

Uranĭa (griech., die »Himmlische«), Beiname der Aphrodite (s. d.) als Göttin der edlen Liebe, im (Gegensatz zur Pandemos (s. d.); dann eine der neun Musen, unter welchen sie später über die Wissenschaft der Stern- und Himmelskunde gesetzt war, dargestellt auf Denkmälern, wie sie das Horoskop stellt (mit einem Stab auf die Himmelskugel weisend); s. Musen (mit Abbildung). Vom Apoll wurde sie Mutter des Hymenäos und des Linos (s. d.). Eine andre U. ist die Tochter des Okeanos und der Tethys.

Uranĭenburg, verfallenes Schloß, s. Hven.

Uranīn, s. Uranpecherz.

Urānocker, Mineral aus der Ordnung der Hydroxyde, findet sich derb, eingesprengt, angeflogen, sehr feinerdig, gelb, matt oder schimmernd. Es besteht aus ziemlich reinem Uranhydroxyd. Fundorte: Johanngeorgenstadt und Joachimsthal.

Uranographie (griech.), die Beschreibung des Himmels, besonders des mit bloßem Auge sichtbaren, bildet mit der Uranoskopie, der Beobachtung der Erscheinungen am Sternenhimmel, der Uranologie, der Lehre von dem, was am Himmel vorgeht, und der Uranometrie, der Lehre von der Bestimmung der Entfernungen am Himmel, einzelne Teile der Astronomie.

Uranolatrīe (griech.), Verehrung der Himmelskörper, besondere Art des Polytheismus; vgl. Sabäismus.

Uranolithe, s. v. w. Meteorsteine.

Uranomorphen, s. Bildstein.

Uranoplástik, s. Gaumenbildung.

Urănos (»Himmel«), nach griech. Mythus der Sohn und Gemahl der Gäa, die von ihm die Titatanen ^[richtig: Titanen], Kyklopen und Hekatoncheiren gebar. Er schloß seine Kinder gleich nach ihrer Geburt in den Tartaros ein (s. Titanen). Von Gäa gereizt, empörten sich aber seine Söhne gegen ihn, und Kronos entmannte ihn. Aus dem zur Erde gefallenen Blut entsproßten die Erinnyen, die Giganten und die melischen Nymphen; das abgeschnittene Glied aber warf Kronos ins Meer, und aus dem sich darum setzenden Schaum ging Aphrodite (daher »Aphrogeneia«, d. h. Schaumgeborne) hervor. Kronos ward an U.' Statt Herrscher.

Uranoskōp (griech.), astronomisches Fernrohr; vgl. Astrodeiktikon.

Uranoskopīe (griech.), s. Uranographie.

Uranotantal (Samarskit), Mineral aus der Ordnung der Tantalate und Niobate, findet sich in rhombischen Kristallen, auch in eingewachsenen, platten Körnern, ist schwarz, undurchsichtig, stark halbmetallisch glänzend, Härte 5-6, spez. Gew. 5,61-5,76, besteht aus Niobsäure mit Eisenoxydul, Uranoxyd und Yttererde, enthält auch Wolframsäure, Manganoxydul, Kalk und Magnesia und findet sich bei Mijask und in Nordcarolina.

Urānpecherz (Uranin, Pechblende, Nasturan), Mineral aus der Ordnung der Anhydride, kristallisiert tesseral, findet sich aber meist derb und eingesprengt, auch nierenförmig von stängeliger u. krummschaliger Struktur, es ist pechschwarz, undurchsichtig, fettglänzend, aber auch durchscheinend, rötlichgelb bis hyacinthrot, Härte 3-6, spez. Gew. 4,8-8. Diese und die gleichzeitigen Schwankungen in der chemischen Zusammensetzung führen zu der Annahme, daß es sich hier um chemisch verschiedene Substanzen handelt. Gewöhnlich wird U. als Uranoxydoxydul betrachtet, von dem es aber selten 80 Proz., meist viel weniger neben Magnesium, Calcium, Silicium, Eisen, Blei, Arsen und Wismut enthält. Auch Selen und Vanadin wurden in einigen Varietäten nachgewiesen. Pittinerz und Gummierz sind chemisch und physikalisch besonders abweichende Abarten. U. findet sich vorzugsweise im Erzgebirge auf den Erzlagerstätten von Joachimsthal, Johanngeorgenstadt, Annaberg, Marienberg, aber auch zu Přibram in Böhmen, in Cornwallis, Norwegen, am Obern See in Nordamerika, zu Joachimsthal mit zahlreichen, zum Teil aus