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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ura Tjube; Urănus; Urānvitriol; Urao; Urari; Urarthrītis; Urāte; Urātsteine; Uräusschlange; Urban; Urbān

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Uranus - Urban.

ihm hervorgegangenen andern Uranverbindungen als Begleitern. Das U. ist das Material zur Herstellung der verschiedenen Uranpräparate.

Urănus, der von W. Herschel 13. März 1781 entdeckte Planet; bei Feststellung seiner Bahn durch Saron, Lexell, Mechain und Laplace leistete die Auffindung älterer Beobachtungen des U. von Flamsteed, Bradley, Lemonnier und Tob. Mayer, die man Bode verdankt, wesentliche Dienste. Seine mittlere Entfernung von der Sonne beträgt 19,19209 Sonnenweiten, 2,851,805,000 km oder ungefähr 384 Mill. geogr. Meilen; da die Exzentrizität der Bahn 0,04636 oder etwa 2/43 ist, so hat U. im Aphel den Abstand von 368 und im Perihel von 399 Mill. Meilen von der Sonne. Die ganze über 2400 Mill. Meilen lange, gegen die Erdbahn nur um 46' 28'' geneigte Bahn durchläuft er in der Zeit von 84 Jahren 5 Stund. 41 Min. 36 Sek.; er legt daher im Mittel 0,9 Meile in der Sekunde zurück, noch nicht ¼ des gleichzeitigen Wegs der Erde. Der Erde nähert er sich zur Zeit seiner Opposition bis auf 364 Mill. Meilen, während er in der Konjunktion um 404 Mill. Meilen von ihr entfernt ist. Dem entsprechend schwankt der scheinbare Durchmesser des U. zwischen 4,3 und 3,5 Bogensekunden, im Mittel ist er 3,9''. Mit bloßem Auge ist der U. nur unter besonders günstigen Umständen als Stern 6. Größe sichtbar. Die Sonne erscheint auf dem U. unter einem 19mal kleinern Winkel als bei uns, wenig über zweimal so groß, als wir Jupiter in seiner größten Nähe sehen; die Lichtintensität der Sonne beträgt daher auf dem U. nur 0,003 von der bei uns stattfindenden. Der Durchmesser des U. ist gleich 4,221 Erddurchmessern oder 60,000 km; an Volumen übertrifft er die Erde 75¼-, an Oberfläche 19½mal. Die Masse, welche man aus den ersten Trabantenbeobachtungen 1/17918 der Sonnenmasse fand, beträgt nach Newcomb 1/22600; die mittlere Dichte ist 0,21 von der der Erde, also ungefähr der des Wassers gleich. Die Schwere auf der Oberfläche ist, abgesehen von der Wirkung der Zentrifugalkraft, etwa 0,88 von der auf der Erde. W. Herschel vermutete eine auch durch Beobachtung der neuesten Zeit angedeutete bedeutende Abplattung, welche von Mädler auf 1/10,28 bestimmt wurde; doch fehlt eine zuverlässigere neuere Bestimmung dieser Größe. Über die Rotation des U. um seine Achse ist nichts Näheres bekannt. Nach den Beobachtungen W. Herschels war man früher geneigt, sechs, auch sogar acht Uranusmonde anzunehmen. Durch die Beobachtungen Newcombs 1874 und 1875 in Washington ist aber festgestellt, daß der U. nur vier Monde hat, bei denen die bedeutenden Neigungen ihrer Bahnen gegen die Erdbahn besonders bemerkenswert sind.

Urānvitriol (Johannit), Mineral aus der Ordnung der Sauerstoffsalze, kristallisiert monoklinisch, findet sich in nierenförmigen Aggregaten, ist grasgrün, besteht aus kupferhaltigem schwefelsauren Uranoxydul u. findet sich bei Joachimsthal u. Johanngeorgenstadt.

Urao, s. Soda.

Urari (Curare), s. Pfeilgift.

Urarthrītis, s. v. w. Arthritis urica, s. Gicht.

Urāte, s. v. w. Harnsäuresalze, z. B. Natriumurat, harnsaures Natron; im Handel auch gewisse Düngerpräparate, welche namentlich die Bestandteile des Harns enthalten.

Ura Tjube (Ora Tepe), Stadt im Gebiet Sir Darja des russ. Generalgouvernements Turkistan, am Fuß von zwei Höhen, deren eine die Citadelle trägt, ist von einer doppelten Mauer umgeben und hat 122 Moscheen, 4 Medressen, 35 niedere Schulen, 3 Karawansereien, dabei aber nur 14,600 Einw., meist Tadschik. U. stand während der steten Kriege der benachbarten Völkerschaften unter der Herrschaft bald von Bochara, bald von Chokand, bald war es selbständig. Von den Russen wurde es 1868 eingenommen.

Urātsteine, s. v. w. Harnsteine.

Uräusschlange, s. Brillenschlange.

Urbān (lat.), städtisch, fein, gebildet; Urbanität, feine Lebensart, Bildung.

Urban, Name von acht Päpsten: 1) U. I., Römer von Geburt, bestieg den römischen Stuhl 223 und soll 230 unter Alexander Severus den Märtyrertod gestorben sein. Sein Gedächtnistag ist der 25. Mai.

2) U. II., geboren zu Lagery bei Châtillon sur Marne, hieß eigentlich Eudes (Odo) und war früher Mönch zu Cluny, wurde von Gregor VII. zum Bischof von Ostia ernannt und 12. März 1088 zum Papst gewählt. Er trat ganz in die Fußstapfen Gregors VII., bekämpfte die Laieninvestitur, erneuerte den Bann über Heinrich IV. und reizte dessen Sohn Konrad zur Empörung; auch that er Philip I. von Frankreich (1094) in den Bann sowie wiederholt seinen Gegenpapst Clemens und dessen Anhänger. Er bemächtigte sich mit Klugheit und Einsicht der großen Bewegung für Befreiung des Gelobten Landes und berief 1095 die Kirchenversammlungen zu Piacenza und Clermont, auf denen er die Fürsten und Völker zur Teilnahme am ersten Kreuzzug aufrief; starb 29. Juli 1099. Vgl. Brimont, Un pape au moyen-âge (Par. 1862); Stern, Zur Biographie des Papstes U. II. (Berl. 1883).

3) U. III. (eigentlich Humbert Crivelli), vorher Erzbischof von Mailand, gelangte 25. Nov. 1185 zur Papstwürde, war ein erbitterter Gegner Kaiser Friedrichs I., weil dieser durch die Verheiratung seines Sohns Heinrich mit der Erbin beider Sizilien die politische Machtstellung des Papsttums bedrohte, und stand im Begriff, über denselben den Bann zu verhängen, als er auf die Kunde von dem Fall Jerusalems in Ferrara 20. Okt. 1187 plötzlich starb.

4) U. IV., hieß eigentlich Jakob Pantaleon, geb. 1185 als der Sohn eines Schuhmachers zu Troyes, war früher Kanonikus daselbst, dann Bischof zu Laon und Verdun, später Patriarch zu Jerusalem und wurde 29. Aug. 1261 zum Papst gewählt. Er rief gegen Manfred von Sizilien Karl von Anjou zu Hilfe, der ihm aber fast den ganzen Kirchenstaat entriß. U. starb 2. Okt. 1264 auf der Flucht. Er stiftete das Fronleichnamsfest. Vgl. Georges, Histoire du pape Urbain IV (Par. 1865).

5) U. V., eigentlich Wilhelm von Grimoard, aus dem Gévaudan gebürtig, lehrte als Benediktiner zu Montpellier und Avignon, wurde dann Abt zu Auxerre und zu Marseille, später päpstlicher Legat in Neapel und Sizilien und 1362 zum Papst erwählt. Er war ein Feind des Nepotismus, Freund der Gelehrten und von der strengsten Gerechtigkeit. Er residierte seit 1367 wieder zu Rom, kehrte aber 1370 nach Avignon zurück und starb dort 19. Dez. d. J. Vgl. Roussel, Recherches sur la vie et le pontificat d'Urbain V (Par. 1840); Magnan, Histoire d'Urbain V (das. 1863).

6) U. VI., eigentlich Bartholomäus von Prignano, zu Neapel geboren, war erst Erzbischof zu Bari, trat bald nach seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl 1378 mit solcher Strenge gegen die Kardinäle auf, daß diese in Avignon Clemens VII. zum Gegenpapst wählten. Dennoch wußte er sich zu behaupten und wurde in Deutschland, Ungarn und England anerkannt. Er unterstützte Karl von Durazzo gegen die Königin Johanna von Neapel, entzweite sich aber auch