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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Urquiza - Ursulinerinnen.

folglos blieb. Seitdem schränkte er seine öffentliche und schriftstellerische Thätigkeit ein. Er starb 16. Mai 1877 in Neapel. Von seinen übrigen Schriften nennen wir: »Spirit of the East: travels through Roumeli« (1839, 2 Bde.); »Travels in Spain and Morocco« (1849, 2 Bde.); »Progress of Russia in the West, Nord and South« (1853; deutsch, Kassel 1854); »Recent events in the East« (1854); »Turkish Bath« (1856, neue Ausg. 1865) und »The Lebanon, a history and a diary« (1860).

Urquiza (spr. úrkidsa), Don Justo José de, Präsident der Argentinischen Konföderation, geb. 1800 in der Provinz Entre-Rios, schwang sich während der Kriege in den La Plata-Staaten vom Gaucho bis zum General empor, stellte sich 1851 gegen Rosas an die Spitze der Provinzen Entre Rios und Corrientes, vereinigte deren Truppen mit denen des Kaisers von Brasilien, siegte 3. Febr. 1853 bei Monte Caceros u. ward darauf zum provisorischen Direktor der Argentinischen Konföderation ernannt. Am 20. Nov. 1853 ward er zum konstitutionellen Direktor aller 13 Bundesstaaten, außer Buenos Ayres, das er umsonst zu unterwerfen suchte, und nach Ablauf seiner Amtszeit (1860) zum Oberbefehlshaber der Armee und Flotte derselben ernannt, zog sich jedoch, von Mitre 1861 geschlagen, nach der Provinz Entre Rios zurück, die er fast unumschränkt regierte und außerordentlich hob. Er ward 12. April 1870 von seinem Stiefsohn Lopez Jordan auf seinem Landsitz San José ermordet.

Urrechte, die dem Menschen angebornen und unveräußerlichen Rechte (s. Menschenrechte).

Ursache (Causa), nach der gewöhnlichen Erklärung der zureichende Grund (causa suffciens) einer Erscheinung, welche dann die Wirkung genannt wird. Man hat die Ursachen auf sehr verschiedene Weise eingeteilt, z. B. in freie oder unbedingte, welche nicht durch andre Ursachen zur Thätigkeit bestimmt werden, in unfreie, notwendige oder bedingte, bei welchen eine Bestimmung durch anderweite Ursachen stattfindet, in Hauptursachen und Nebenursachen, in beigeordnete, welche gleichzeitig, und in untergeordnete, welche nacheinander wirken, also eine Reihe von Ursachen und Wirkungen bilden, in unmittelbare, welche durch sich selbst und allein wirken, und in mittelbare, welche durch andre wirken. Auch unterscheidet man wirkende und End- oder Zweckursachen (causae efficientes et finales) und sieht bei jenen bloß auf das Verhältnis zwischen einer gegebenen U. und ihrer Wirkung, bei diesen aber zugleich auf das Verhältnis zwischen einem gegebenen Zweck und dem Mittel dazu, indem man die Wirkung eben als den Zweck betrachtet, um derentwillen die U. wirksam wurde. Ob der Begriff der U. ein ursprünglicher, d. h. angeborner, sei (wie Kant und die Aprioriker), oder ob er durch Erfahrung, d. h. durch die Gewöhnung an die Aufeinanderfolge gewisser Erscheinungen, entstehe (wie Hume und die Empiriker behaupten), wird je nach den verschiedenen philosophischen Standpunkten verschieden beantwortet. Vgl. Kraft.

Urschrift, das Original (s. d.) einer Schrift.

Ursern, ein fast waldloses, von der Gotthardstraße durchzogenes Hochthal im schweizer. Kanton Uri, am Nordfuß des St. Gotthard, bildet eine gebirgumrahmte Thalmulde, in welcher sich die Quellbäche der Reuß zum Strom sammeln, um in dem Felsschlund der Schöllenen zu den untern Thalstufen durchzubrechen. Von Göschenen her, der nördlichen Pforte des Gotthardtunnels, windet sich die Straße mühsam bergan, bis, angesichts der Teufelsbrücke, das Urner Loch den Eingang ins grüne Ursernthal eröffnet. Hauptort ist Andermatt (1444 m ü. M.). Das ganze Thal, in welchem noch die Ortschaften Hospenthal und Realp liegen, zählt 1331 Bewohner. U. hat seit Vollendung der Gotthardbahn den einstigen Transit verloren, ist aber eine der vorzüglichsten Touristenstationen sowie Sitz eines erheblichen Mineralienhandels geblieben. Jahrhundertelang bildete U. ein eignes, fast selbständiges Gemeinwesen, das ohne engere Verbindung mit dem eigentlichen »Uri« bestand. Die neue Kantonalverfassung (s. Uri) hat diese Sonderstellung beseitigt.

Urshum, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wjatka, am Fluß Wjatka, mit Mädchengymnasium und (1886) 4879 Einw. Der Kreis ist stark von Tscheremissen. bewohnt und hat Eisengießereien.

Ursidae (Bären), Familie der Raubtiere (s. d.).

Ursini (Ursins), s. Orsini.

Ursinus, Zacharias, eigentlich Bär, reform. Theolog, geb. 18. Juli 1534 zu Breslau, studierte in Wittenberg und Paris und ward 1561 Professor der Theologie zu Heidelberg, wo er die pfälzische Kirchenordnung und mit Olevianus den Heidelberger Katechismus entwarf, 1578 Lehrer zu Neustadt a. d. Hardt, wo er 6. März 1583 starb. Eine Sammlung seiner Schriften, unter denen die sogen. »Neustädter Admonitionsschrift«, eine scharfe Widerlegung der Konkordienformel, hervorragt, veranstaltete Reuter (Heidelb. 1612, 3 Bde.). Vgl. Sudhoff, Olevianus und U. (Elberf. 1857).

Ursprungscertifikate, s. Certifikat.

Urstand heißt der Anfangszustand des Menschen, sofern er der Kirchenlehre zufolge nicht einfacher Naturstand (s. d.), sondern ein Stand ursprünglicher Vollkommenheit gewesen und in anerschaffener Heiligkeit, Weisheit und Gottesgemeinschaft sowie in thatsächlicher Freiheit vom physischen übel und vom Todesverhängnis bestanden haben soll, so daß die natürlichen Bedingungen des endlichen Geisteslebens zu einer erst nach dem Sündenfall eintretenden Strafe werden, dagegen als anerschaffen gilt, was doch nur als Resultat einer geistigen und sittlichen Entwickelung denkbar wäre (s. Donum superadditum, Ebenbild Gottes und Sündenfall). Vgl. Rüetschi, Geschichte und Kritik der kirchlichen Lehre von der ursprünglichen Vollkommenheit (Leiden 1881).

Urständ, dichterisch (veraltet) s. v. w. Auferstehung.

Urstier, s. v. w. Auerochs.

Urstoffe, s. Elemente.

Ursula, Heilige, nach der Legende eine britann. Königstochter, die von dem Sohn eines Heidenfürsten zur Ehe begehrt wurde, sich drei Jahre Aufschub erbat und mit Schiffen und 11,000 Jungfrauen rheinaufwärts nach Basel kam. Sie pilgerten von da nach Rom und wurden auf dem Rückweg vor Köln von einem hunnischen Belagerungsheer niedergemetzelt. Die Gerippe, darunter auch viele männliche, wurden seit 1155 auf dem Ager Ursulanus ausgegraben, die Geschichte aber nach einer gleichzeitig der Äbtissin Elisabeth von Schönau gewordenen Offenbarung aufgezeichnet. Die Legende ist mit einer altgermanischen Sage in Zusammenhang gebracht worden, beruht aber wahrscheinlicher auf der falschen Deutung einer Grabschrift. Vgl. Schade, Die Sage von der heil. U. etc. (Hann. 1854); Kessel, St. U. und ihre Gesellschaft (Köln 1863); Stein, Die heilige U. (das. 1879).

Ursulinerinnen, eine zu Ehren der heil. Ursula 1537 durch die heil. Angela Merici (geb. 1470 zu Desenzano, gest. 1540) in Brescia gestiftete freiere Schwesterschaft zum Zweck des Jugendunterrichts und