Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

29

Utrera - Utzschneider.

Sternwarte und ein meteorologisches Observatorium. Außerdem besitzt U.: ein Gymnasium, eine höhere Bürgerschule, ein Reichshospital, eine Veterinär und Zeichenschule nebst andern Unterrichtsanstalten, mehrere gelehrte und industrielle Gesellschaften, eine Gemäldegalerie, ein sehr reiches erzbischöfliches Museum von kirchlichen Altertümern und verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. U. ist der Sitz der Provinzialregierung, eines Provinzialbezirks- und Kantonalgerichts, des Obermilitärgerichtshofs, einer Fortifikationsinspektion, eines katholischen und eines sogen. altkatholischen (jansenistischen) Erzbischofs und einer deutschen Ordenshausballei. An der Ostseite der Stadt ist die berühmte Maliebaan, eine sechsreihige, zu beiden Seiten mit schönen Villen besetzte, 1000 Schritt lange Lindenallee. - In der Römerzeit war U. (Trajectum ad Rhenum) eine Stadt der Bataver im römischen Belgien. Nach dem Untergang der Römerherrschaft in Gallien setzten sich eine Zeit lang die Franken, später die Friesen hier fest. Das alte U. lag auf der Nordseite des Rheins; nachdem aber Dagobert 630 auf der Südseite eine Kapelle erbaut hatte und 696 durch den heil. Willibrord ein Bistum gestiftet war, erwuchs um die Burg, die im 10. Jahrh. von den Normannen verwüstet, doch von Bischof Balderich wiederhergestellt wurde, eine städtische Ansiedelung. Die Bevölkerung bestand vornehmlich aus bischöflichen Ministerialen; doch waren die Grafen von Bentheim, dann die Herren von Cuyk im Besitz der Burggrafschaft, bis diese 1220 von Bischof Otto II. durch Kauf erworben wurde. U. wurde im 13. Jahrh. in die Wirren und Kämpfe verwickelt, welche dem mit Gütern reich gesegneten Bistum U. aus seiner isolierten Stellung inmitten zahlreicher weltlicher Dynasten erwuchsen. Dazu kamen innere Parteiungen, indem Patrizier und Zünfte um das Regiment in der Stadt miteinander haderten. 1279 brannte fast die ganze Stadt nieder. Im 14. Jahrh. erwarb sich der städtische Adel auf die Bischofswahl mehr Einfluß. So hatte auch die Stadt nach den zwiespältigen Bischofswahlen von 1425 und 1433 viel zu leiden; jahrelang wütete der Kampf, besonders 1449-52. Bischof Heinrich von U., ein geborner Pfalzgraf bei Rhein, überließ 1527 Stadt und Fürstentum an Kaiser Karl V. Papst Paul IV. erhob 1559 die Kirche in U. zur Metropolitankirche und überwies dem neuen Erzbischof, Friedrich Schenk v. Tautenburg (gest. 1580), die Bistümer Haarlem, Middelburg, Leeuwarden, Deventer und Groningen. Unter der Regierung Philipps II. ward hier 23. Jan. 1579 die Union der sieben nördlichen Provinzen (Utrechter Union) abgeschlossen, welche die Unabhängigkeit der Niederlande begründete (vgl. P. L. Muller, De Unie van U., Utrecht 1878). Auch versammelten sich hier die Generalstaaten, bis sie 1593 nach dem Haag verlegt wurden. Das neue Erzbistum U. hatte nicht lange Bestand; wohl wählte man nach dem Tode des ersten Erzbischofs noch zwei Nachfolger, allein keiner von beiden brachte es bis zur Weihe. Die reformierte Lehre wurde in U. allmächtig, und der Papst begnügte sich seit 1602 mit einem apostolischen Vikar. Ein Jahrhundert später fand der Jansenismus im Stiftskapitel Anhänger, und die Wahl eines Jansenisten (Cornelius Steenhoven) zum Erzbischof führte 1723 zum Bruch mit Rom und zur Bildung einer besondern Sekte (s. Jansen), welche seit 1871 mit den Altkatholiken Deutschlands in nähere Verbindung getreten ist. Die Stadt ist seit der Gründung der Universität (1636) einer der bedeutendsten Mittelpunkte der Wissenschaft in Holland geworden. Am 11. April 1713 wurde hier der Utrechter Friede geschlossen, der den spanischen Erbfolgekrieg beendigte. Am 17. Jan. 1795 wurde U. von den Franzosen unter Pichegru besetzt. Vgl. »Le traité d'U. réclamé par la France« (Leipz. 1814); Geer, Bijdragen tot de geschiedenis der provincie U. (Utrecht 1860); Nippold, Die altkatholische Kirche des Bistums U. (Heidelb. 1872).

Utrera, Bezirksstadt in der span. Provinz Sevilla, Knotenpunkt der Eisenbahn Madrid-Cadiz (Abzweigungen nach Moron und Osuna), mit (1878) 15,093 Ew.

Ut retro (lat.), wie umstehend.

Utricularia L. (Wasserschlauch), Gattung der Lentibularieen, Wasser- oder Sumpfpflanzen mit rosettenförmig gestellten Blättern, welche bei den in Wasser wachsenden Arten fadenartig zerteilt und meist mit Schläuchen versehen sind, in denen sich kleine Wassertierchen fangen. Die nackten Blütenschäfte tragen eine oder mehrere lebhaft gefärbte Blüten, welche an Skrofulariaceenblüten erinnern. Von den etwa 150 weitverbreiteten Arten wächst U. vulgaris L. (gemeiner Wasserschlauch, Helmkraut) in Deutschland in Mooren und Teichen; s. Tafel »Insektenfressende Pflanzen«.

Utrikularieen, s. Lentibularieen.

Utriusque juris doctor (lat., abgekürzt U. j. d., D. u. j., D. j. u., J. u. d.), Doktor beider Rechte (des römischen und kanonischen); vgl. Doktor.

Utrubi (interdictum u.), s. Uti possidetis.

Utschkilissi, s. Etschmiadsin.

Ut supra (lat.), wie oben; s. Actum.

Uttewalde (Ottowalde), Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Pirna, hat (1885) 199 Einw. und ist bekannt durch die schönen Felsenthäler Uttewalder und Zscherregrund, welche zu den schönsten Partien der Sächsischen Schweiz gehören und auf dem Weg von Wehlen nach der Bastei besucht werden.

Uttmann, Barbara, Begründerin des Spitzenklöppelns im Erzgebirge, geb. 1514, ward von ihrem Vater Heinrich v. Elterlein aus Nürnberg (geb. 1485, gest. 1582), der im Erzgebirge durch Bergbau ein bedeutendes Vermögen erworben hatte, an einen Bergherrn zu Annaberg, Christoph U., verheiratet und führte 1561 im Erzgebirge das Spitzenklöppeln ein, das sie von einer um ihres Glaubens willen aus der Heimat vertriebenen Brabanterin erlernt haben soll. Sie starb 14. Jan. 1575 in Annaberg. 1834 wurde ihr auf dem Kirchhof zu Annaberg ein Denkmal, 1886 daselbst ein Brunnenstandbild von R. Henze errichtet. Vgl. Finck, Barbara U. (Annab. 1886).

Uttoxeter (spr. öttockssiter), Stadt in Staffordshire (England), am Dove, hat Fabrikation von Uhrkasten, Korkschneiderei und (1881) 4981 Einw.

Utzschneider, Joseph von, Techniker, geb. 2. März 1763 zu Rieden in Oberbayern, studierte zu München und Ingolstadt, ward 1784 bayrischer Hofkammerrat, dann bayrischer Salinenadministrator im Fürstentum Berchtesgaden und 1799 Referendar für landständische Angelegenheiten im Geheimen Finanzdepartement. Seine Verbesserungspläne waren indessen einem großen Teil der Stände mißfällig, und U. wurde daher 1801 zur Disposition gestellt. Er errichtete nun eine Ledermanufaktur in München und 1804 mit v. Reichenbach und Liebherr daselbst das mechanische Institut, welchem die von ihm zu Benediktbeuern angelegte Kunstglashütte das nötige Crown- und Flintglas lieferte. Aus letzterm entstand, nachdem er sich 1809 mit Fraunhofer (s. d.) vereinigt, das weltberühmte optische Institut, welches fast ganz Europa mit optischen Instrumenten