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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vacha; Vache; Vacherot; Vacquerie; Vacuna; Vacuum; Vademekum

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Vacha - Vademekum.

30 cm hoher, kahler Strauch, mit scharfkantigen Ästen, eirunden, fein gesägten, häutigen, sommergrünen Blättern, einzeln oder zu zwei stehenden, kugeligen, rötlichgrünen Blüten und blauschwarzen Beeren, bedeckt weite Strecken in Europa, Nordasien und im englischen Nordamerika, besonders in Wäldern bis zur Weidenregion. Die Beeren dienen als Obst, getrocknet als Arzneimittel (besonders in der Levante), auch zur Darstellung von Fruchtsäften, Branntwein und zum Färben des Weins. Fromm in Frankfurt hat einen vortrefflichen Rotwein aus Heidelbeeren dargestellt (s. Obstwein). V. uliginosum L. (Sumpfheidelbeere, Rausch- oder Trunkelbeere), bis 1,25 m hoher Strauch mit stielrunden Ästen, sommergrünen, verkehrt-eiförmigen, ganzrandigen Blättern, einzeln stehenden, weißlichen, rötlich überlaufenen Blüten und größern, schwarzvioletten, innen grünlichen Beeren, die ebenfalls eßbar sind, aber fade schmecken und in Menge genossen Erbrechen erregen, findet sich in feuchten Wäldern, besonders auf torfhaltigem Boden in Mittel- und Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika. V. Vitis Idaea L. (rote Heidelbeere, Krons-, Preißelbeere, Steinbeere, Hölperchen), bis 15 cm hoher Strauch mit immergrünen, verkehrt-eirunden, am Rand zurückgerollten, lederigen Blättern, weißlichen oder rosenroten Blüten in gipfelständigen, überhängenden Trauben und kugeligen, scharlachroten Beeren, wächst auf trocknem Heideboden, in Europa, Nordasien und Nordamerika ganze Strecken bedeckend. Die Beeren werden, jedoch nur eingemacht, häufig genossen; auch bereitet man Branntwein (Steinbeerwasser) daraus. V. Oxycoccus L. (Moos-, Torfbeere), mit fadenförmigen, kriechenden Stengeln und Ästen, eirunden, spitzen, am Rand umgeschlagenen, immergrünen Blättern, langgestielten, roten Blüten mit radförmiger Krone und sehr schmackhaften roten Beeren, wächst in torfigen und sumpfigen Gegenden in Mittel- und Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika. V. macrocarpum Ait. (großfrüchtige Moosbeere, Cranberry, Kranbeere, Krambeere), mit kriechenden, dünnen Ästen und Zweigen, großen, länglichen, am Rand kaum zurückgeschlagenen Blättern, schließlich seitenständigen Blüten und großen, roten Beeren, wächst in den nördlichen und mittlern Staaten Nordamerikas auf sumpfigem Boden, wird der sehr schmackhaften Frucht halber namentlich in Südjersey und Massachusetts viel kultiviert und ist auch in Deutschland auf sonst wertlosem Land mit Erfolg angebaut worden.

Vacha, Stadt im sachsen-weimar. Kreis Eisenach, an der Werra und der Linie Dorndorf-V. der Feldabahn, 232 m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine alte Burg, ein Amtsgericht, Thonwaren- und Zigarrenfabrikation, Lohgerberei, Ziegelbrennerei, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen und (1885) 1539 Einw.

Vache (franz., spr. wasch), Kuh, Kuhleder (Vachette); auf Reisewagen der Decklederraum, lederüberzogene Aufschnallkiste; Vacherie, Kuhstall, Schweizerei.

Vacherot (spr. wasch'roh), Etienne, franz. Gelehrter, geb. 29. Juli 1809 zu Langres, besuchte die Normalschule und war Lehrer der Philosophie an verschiedenen Anstalten, bis er 1837 zum Studiendirektor und Maître des conférences an der Normalschule und 1839 zum Nachfolger seines Lehrers Cousin als Professor der Philosophie an der Sorbonne ernannt wurde. Wegen seiner freisinnigen Ansichten wurde er 1849 auf Betrieb der Klerikalen seiner Stelle an der Normalschule enthoben und, als er 1852 dem Kaiserreich den Eid verweigerte, auch als Professor abgesetzt. 1868 ward er zum Mitglied der Akademie gewählt. Seit 1870 Maire des fünften Arrondissements in Paris, leistete er während der Belagerung und des Kommuneaufstandes nützliche Dienste und ward 8. Febr. 1871 als Vertreter von Paris in die Nationalversammlung gesandt, wo er sich zwar der Linken anschloß, aber 1873 von der republikanischen Partei abfiel und das Ministerium Broglie und seine ultramontanen Bestrebungen unterstützte, sogar für das klerikale Unterrichtsgesetz stimmte. Er wurde daher 1876 nicht wieder gewählt. Er schrieb »Histoire critique de l'école d'Alexandrie« (1846-51, 3 Bde.), ein bedeutendes Werk, welches von der Akademie mit einem Preis gekrönt wurde, ihn aber in einen heftigen Streit mit dem Abbé Gratry verwickelte und ihm den Haß der Klerikalen zuzog; ferner: »La métaphysique et la science« (1858, 2 Bde.; 2. Aufl. 1863, 3 Bde.); »La démocratie« (1859, 2. Aufl. 1860), wegen welcher Schrift er zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde; »Essais de philosophie critique« (1864); »La religion« (1868); »La science et la conscience« (1870); »La politique extérieure« (1881); »Le nouveau spiritualisme« (1884) u. a.

Vacquerie (spr. wak'rih), Auguste, franz. Schriftsteller, geb. 1819 zu Villequier in der Normandie, wurde durch seinen Bruder, einen Schwiegersohn Victor Hugos, der mit seiner Frau 1843 auf einer Wasserfahrt ertrank, noch ziemlich jung dem großen Dichter nahegeführt und blieb seitdem dessen unzertrennlicher Lebensgefährte und fanatischer Verehrer. V. besitzt ein sehr eigentümliches und vielseitiges Talent. Nachdem er »L'enfer d'esprit« (1840) und »Demi-teintes« (1845), zwei Bände Gedichte von ungewöhnlicher Formvollendung und tiefer Empfindung, hatte erscheinen lassen, brachte er 1848 auf der Porte St.-Martin sein hyperromantisches Lustspiel »Tragaldabas« zur Aufführung, das aber einen unerhörten Lärm erregte und gänzlich durchfiel, während es 30 Jahre später, als es im Druck erschien (1878), als eine Perle des poetischen Humors begrüßt wurde. Kaum weniger gewagt war das siebenaktige Schauspiel »Les funérailles de l'honneur« (1862), wogegen sich die Lustspiele: »Souvent homme varie« (1859), »Jean Baudry« (1863) und »Le fils« (1866) mehr in den konventionellen Schranken hielten und zum Teil durchschlagenden Erfolg erzielten. Außerdem veröffentlichte V.: »Les drames de la Grève« (1855); »Mes premières années de Paris« (1877); die oft sehr scharfen Essays: »Profils et grimaces« (4. Aufl. 1864); »Les miettes de l'histoire« (1863) und »Aujourd'hui et demain« (1875) sowie zwei Dramen in Versen: »Formosa« (1883) und »Jalousie« (1889). Mit seinem Freund Meurice, mit dem er vorzeiten auch die »Antigone« des Sophokles für die französische Bühne bearbeitet hatte, gründete er 1869 den »Rappel«, den er seitdem täglich mit einem Leitartikel und einer Blumenlese polemischer, litterarischer und lokaler Notizen versieht. Mit dem Genannten gibt er seit 1888 den Nachlaß V. Hugos heraus. Vgl. Bertal, A. V. (Par. 1888).

Vacuna, eine sabinische Göttin ungewisser Bedeutung. Vgl. Preller, Römische Mythologie (S. 359).

Vacuum (lat.), s. Vakuum.

Vademekum (lat., »geh mit mir«, Titel, welchen man nach Vorgang eines 1709 zu Köln erschienenen Gebetbuchs (oder nach einer 1623 zu Frankfurt a. M. erschienenen lateinischen Epigrammensammlung von Peter Lotichius) Büchern von kleinem Format zu geben pflegt, die als Ratgeber oder Leitfaden für