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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Varus; Varzin; Varzy; Vasa; Vasa sacra; Vasall; Vasari; Vasco da Gama; Vasconcellos; Vascongadas; Vaselin

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Varus - Vaselin.

37 v. Chr. und gehörte der in seiner Zeit aufkommenden alexandrinischen Richtung der römischen Poesie an. Sein Hauptwerk, die »Argonautae«, in 4 Bänden, eine freie Nachbildung der »Argonautica« des Apollonios von Rhodos, scheint die bedeutendste Leistung auf dem Gebiet des erzählenden Epos zwischen Ennius und Vergil gewesen zu sein. Sammlung der geringen Überreste seiner Dichtungen bei Riese: »M. Ter. varronis saturarum Menippearum reliquiae« (Leipz. 1865).

Varus, Fluß, s. Var.

Varus, 1) Publius Attius, Anhänger des Pompejus, wurde beim Ausbruch des Bürgerkriegs 49 v. Chr. durch die Cäsarianer aus Picenum vertrieben, entfloh nach Afrika, bemächtigte sich dort des Oberbefehls in der Provinz und befehligte nach der Schlacht bei Pharsalos einen Teil der Pompejanischen Flotte. Nach der Schlacht bei Thapsos entkam er nach Spanien und fiel in der Schlacht bei Munda 45.

2) Publius Quintilius, befehligte während des Bürgerkriegs in Afrika, war 13 v. Chr. Konsul, ging dann 6 v. Chr. als Prokonsul nach Syrien, wo er einen Aufstand der Juden unterdrückte, erhielt 6 n. Chr. den Oberbefehl in Deutschland, wurde aber von den Deutschen unter Arminius im Jahr 9 im Teutoburger Wald (s. d.) geschlagen. Aus Verzweiflung stürzte er sich in sein Schwert.

Varzin, 1) Dorf und Rittergut im preuß. Regierungsbezirk Köslin, Kreis Rummelsburg, an der Linie Neustettin-Stolpmünde der Preußischen Staatsbahn (Station Hammermühle), hat ein Schloß mit Park des Fürsten Bismarck, der oft hier weilt, Holzstoff-, Papier- und Holzpappefabrikation, Dampfsägemühlen und (1885) 1121 Einw. - Danach: 2) Seit Dezember 1885 offizieller Name des in der Mitte der Gazellenhalbinsel Neubritannien) gelegenen Bergs, vorher Mount Beautemps-Beaupré genannt.

Varzy (spr. warsi), Stadt im franz. Departement Nièvre, Arrondissement Clamecy, an der Eisenbahn Clamecy-Nevers, hat eine schöne Kirche (14. Jahrh.), ein Collège, eine Lehrerbildungsanstalt, ein Museum und (1881) 1931 Einw.

Vasa (lat.), Gefäße, z. B. V. sanguinis, Blutgefäße, V. lymphatica. Lymphgefäße. Vas deferens, Samenleiter.

Vasa, Name, s. v. w. Wasa.

Vasall (lat. vassus, vasallus), s. v. w. Lehnsmann, s. Lehnswesen.

Vasari, Giorgio, ital. Maler, Architekt und Kunstschriftsteller, geb. 30. Juli 1511 zu Arezzo, bildete sich als Maler in Florenz bei Michelangelo und Andrea del Sarto, zumeist aber durch Kopieren nach Michelangelo und Raffael in Rom und eignete sich eine große Fertigkeit in der Fresko- und Bildnismalerei an, ohne jedoch über eine kalte akademische Auffassung hinauszukommen. Im Dienste der Medici in Florenz und der Päpste in Rom hat er zahlreiche Fresken im Palazzo Vecchio in Florenz und in der Sala regia des Vatikans und der Cancellaria in Rom ausgeführt. Doch leistete er das Beste im Bildnis (Lorenzo Magnifico in den Uffizien zu Florenz, Großherzog Cosimo I. im Berliner Museum). Viel bedeutender sind seine architektonischen Schöpfungen, insbesondere sein Hauptwerk: die Uffizien in Florenz, in deren Ausführung er eine schwierige Aufgabe mit hoher Genialität löste. Am bekanntesten ist sein Name jedoch durch seine schriftstellerische Thätigkeit geworden, durch das große biographische Sammelwerk »Vite de' più eccellenti pittori, scultori ed architetti«, welches zuerst 1550, in zweiter, vermehrter Auflage 1568 erschien (neue Ausgaben von Le Monnier, Flor. 1846-57, 15 Bde.; von Milanesi, das. 1878-85, 9 Bde.; deutsche Übersetzung mit Erläuterungen von Schorn und E. Förster, Stuttg. 1832 bis 1849, 6 Bde.). Die Herausgabe ausgewählter Biographien zum Gebrauch bei Vorlesungen begann Frey (Berl. 1885 ff.). V. starb 27. Juni 1574 in Florenz.

Vasa sacra (lat.), die Kirchengefäße, welche zur Administration der Sakramente dienen.

Vasco da Gama, s. Gama.

Vasconcellos (spr. waskongssellusch), Joaquim de, portugies. Gelehrter, besonders als Kunsthistoriker und Archäolog hervorragend, geb. 10. Febr. 1849 zu Porto, erhielt seine Schulbildung in Hamburg, wo er sich eine gründliche Kenntnis des Deutschen aneignete, studierte dann 1865-69 zu Coimbra, unternahm später mehrjährige Reisen in Deutschland, Frankreich, England und auf der Pyrenäischen Halbinsel und bekleidet seit 1883 die Professur der deutschen Sprache am Lyceum zu Porto, seit 1889 daneben die Stellung eines Direktors des Museums für Handel und Industrie. V. ist ein Gelehrter von bedeutenden Kenntnissen und einer in Portugal seltenen Wissenschaftlichkeit. Seine Schriften sind teils musikgeschichtlichen Inhalts, so: »Os musicos portuguezes. Biographia-bibliographia« (Porto 1870, 2 Bde.), »Luiza Todi« (das. 1873), »Ensaio sobre o catalogo da libraria de musica de el-rei D. João IV« (das. 1873) und »Cartas curiosas do abbade Ant. da Costa« (das. 1879); andre sind der bildenden Kunst gewidmet, wie »Reforma do ensino de bellas artes« (Porto 1877-79, 3 Bde.), »Albrecht Dürer e a sua influencia na peninsula« (das. 1879), »Francisco de Holland« (das. 1879), »Goësiana« (das. 1879-81, 4 Bde.) und zahlreiche Broschüren und Abhandlungen kunstwissenschaftlichen Inhalts. Noch besondere Beachtung verdienen die gründlichen Schriften über Goethes »Faust«, die er aus Anlaß der freien Übersetzung des Gedichts von Castilho veröffentlichte, namentlich »O Faust de Goethe e a tradução de Castilho« (Porto 1872) und »O consummado germanista« (das. 1873), wie er denn auch sonst gegen die oberflächliche, in Portugal herrschende Art wissenschaftlicher Forschung, namentlich in seinem Organ, der »Actualidade« (»Gegenwart«), stets tapfer angekämpft hat. - Verheiratet ist V. seit 1876 mit einer Deutschen, Karolina Michaelis, die, 15. März 1851 zu Berlin geboren und auf der Luisenschule daselbst unter Mätzners u. Goldbecks Leitung ausgebildet, sich namentlich umfassende Sprach- u. Litteraturkenntnisse (sogar des Griechischen, Arabischen und Hebräischen) erwarb und als Herausgeberin und Schriftstellerin einen geachteten Namen gemacht hat. Wir nennen von ihren Veröffentlichungen: »Romancero del Cid« (Leipz. 1870); »Studien zur romanischen Wortschöpfung« (das. 1876); »Ein portugiesisches Weihnachts-Auto: Pratica de tres pastores« (Braunschw. 1879); »Versuch über den Palmeirim da Inglaterra« (Halle 1883); »Poesias de Francisco de Sa de Miranda« (das. 1885) und »Studien zur hispanischen Wortdeutung« (Flor. 1886).

Vascongadas (baskische Provinzen), s. Basken.

Vaselin (Adeps petrolei), fettähnliche Substanz von der Konsistenz des Schweineschmalzes, wird aus amerikanischen Petroleumrückständen, aus Paraffinöl und Ozokerit dargestellt. Die Materialien werden durch Dampf auf etwa 30° erwärmt, mit 10 Proz. konzentrierter Schwefelsäure versetzt, eine halbe Stunde gut gemischt und der Ruhe überlassen. Das abgeschiedene Öl wird mit chromsaurem Kali ge-^[folgende Seite]