Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vasen

55

Vasen (antike).

waschen, dann mittels Dampfes auf 80° erwärmt, mit gekörnter Tierkohle gemischt und nach dem Absetzen filtriert. Nach einer andern Methode wird das Rohmaterial lediglich mit Kohle behandelt, und nachdem es farblos geworden, läßt man überhitzten Wasserdampf direkt einströmen und steigert die Temperatur bis 250°. Nach einigen Stunden filtriert man das V. (etwa 25-30 Proz. des Rohstoffs) durch Papier. Diese Methode leidet an dem großen Übelstand, daß die Kohle ungemein schnell erschöpft wird und nur einen kleinen Prozentsatz ihres eignen Gewichts V. zu entfärben vermag. Es sind deshalb umfangreiche Einrichtungen zur Extraktion der in der Kohle hängen bleibenden Lösung sowie zum Regenerieren der Kohle mit überhitztem Dampf von 400 bis 500° erforderlich. Gutes V. ist vollkommen farb-, geruch- und geschmacklos, schmilzt zu einer völlig klaren, farblosen Flüssigkeit und erstarrt wieder zu einer homogenen, nicht kristallinischen Masse. Kalter Alkohol von 98 Proz. löst 2,2 Proz. V. und hinterläßt beim Verdampfen eine bei gewöhnlicher Temperatur flüssige Substanz. Heißer Alkohol löst das V. vollständig, beim Erkalten aber scheidet es sich wieder flockig aus. Ähnlich verhält es sich gegen Benzol und Äther, und in letzterm ist es auch in der Wärme nicht vollkommen klar löslich. Gegen kochende Kalilauge verhält sich V. vollkommen indifferent und gibt an dieselbe nichts ab. Auch Schwefelsäure vom spez. Gew. 1,6 und Salpetersäure vom spez. Gew. 1,185 verändern beim Kochen das V. nicht. Rauchende Salpetersäure färbt es gelbrot und Schwefelsäure vom spez. Gew. 1,82 schwärzlichgrau. Es verbrennt ohne Rückstand. Wegen seiner großen Beständigkeit an der Luft und der Eigenschaft, unter keinen Umständen ranzig zu werden, hat das V., welches zuerst 1876 auf der Industrieausstellung in Philadelphia erschien, schnell ausgedehnte Verwendung gefunden und dient namentlich in der Pharmazie als Körper für verschiedene Salben und Linimente, auch als kosmetisches Mittel, in der Veterinärpraxis als Hufsalbe, bei Druckschäden, gegen Raude und Klauenseuche, in der Technik zum Schmieren feiner Maschinenteile, als Schutzmittel gegen Rost und als Lederschmiere. Die vollkommene Geruchlosigkeit gestattet die Verwendung des Vaselins zu den feinsten Pomaden, Cold-Creams etc., welche den besten französischen, mit Fett dargestellten Präparaten gleichkommen. V. ist ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen, das amerikanische V. ist z. B. im wesentlichen eine Lösung von pennsylvanischem Petroleumparaffin in geruchlos gemachtem Heptan. Die wesentlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Sorten beziehen sich auf die Konsistenz, den Schmelzpunkt, das Verhalten zu siedendem Alkohol und kaltem Weingeist. Auch nimmt das amerikanische V. beim Erhitzen verhältnismäßig viel Sauerstoff auf und wird dabei scharf riechend und sauer, während das deutsche Virginiavaselin nur wenig Sauerstoff aufnimmt, kaum merklich riechend und kaum erkennbar sauer wird. Letzteres ist in der deutschen Armee als Waffenöl eingeführt worden. Ozokerine, Kosmoline sind ähnliche Präparate.

Vasen (v. lat. vas, »Gefäß«; hierzu die Tafel »Griechische Vasen«), im allgemeinen jede Art von Gefäßen zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten, im engern Sinn die aus Thon gefertigten, manchmal bloß an der Luft getrockneten, gewöhnlichen, aber hart gebrannten und glasierten Gefäße, welche in großen Mengen in den Gräbern der Griechen, Römer und Etrusker gesunden werden. Da die ersten Beispiele in Italien und vorzugsweise in Etrurien zum Vorschein kamen, hielt man sie anfangs für einheimisches Fabrikat und bezeichnete die ganze Gattung irrtümlich als etruskische V. Erst die Entdeckung einzelner etruskischer Totenstädte (Nekropolen), besonders von Vulci, wo bemalte V. in großer Anzahl in den 20er Jahren unsers Jahrhunderts zum Vorschein kamen, verschaffte eine umfassendere Übersicht und die Überzeugung, daß die V. mit ihren Bildern durchaus nach Griechenland weisen. Seitdem ist der Bereich der Fundorte immer größer geworden. Außer etruskischen Nekropolen (Vulci, Cervetri, Corneto, Chiusi, Volterra) sind solche in Unteritalien untersucht und dabei V. in Bruttien (Locri, Tarent), in Kalabrien (Oria, Ceglie), in Apulien (Fasano, Altamura, Bari, Ruvo, Canosa), in Lukanien (Pisticci, Sant' Arcangelo, Armento, Anzi), endlich auch in Kampanien (Cumä, Santa Maria di Capua, Sant' Agata de' Goti, besonders aber in Nola) gefunden worden. An einigen Orten fand man vorzugsweise V. einer bestimmten Art und Zeichnung und unterschied danach Nolaner Stil, apulische Amphoren etc.; immer aber hielten sich Bilder und die fast nie fehlenden Beischriften im Gebiet griechischer Sitte und Sprache. Das Rätsel löste sich völlig, als die Fundstätten auf rein griechischem Boden reichlichere Beispiele derselben Technik, V. von gleicher Form und gleicher Ausstattung wie die in Italien gefundenen, zu Tage förderten. Schon das griechisch redende Sizilien lieferte seinen Anteil (Centorbi, Terranuova, Syrakus, Girgenti), und im eigentlichen Griechenland sind neuerdings an allen Orten, die genauer untersucht worden sind, vor allem in Athen, Korinth, Mykenä und auf einigen Inseln (Rhodos, Melos), V. der verschiedensten Art und aus weit entlegenen Epochen gefunden worden. Es ist gegenwärtig kein Zweifel mehr, daß Griechenland, dessen hohe Leistungsfähigkeit in der Thonplastik auch die Terrakottafiguren (s. Terrakotten) bezeugen, mit den Produkten seiner Töpfereien, deren Hauptsitz erst Korinth, später Athen war, nicht nur Italien, sondern auch seine eignen Kolonien reichlich versorgte, daher wir griechische V. ebensowohl in den Gräbern von Pantikapäon in der Krim (sämtlich aus Athen und der besten Zeit angehörig) wie an der Nordküste von Afrika, im Gebiet von Kyrenaika (panathenäische Amphoren, s. Tafel, Fig. 4) und selbst noch in dem Hafenort Massilia (jetzt Marseille) antreffen. Aus dieser Einheitlichkeit des Ursprungs erklärt sich auch die große Übereinstimmung der V. untereinander, der durchgängige Gebrauch der griechischen Sprache für die Beischriften und die Bezüglichkeit der Darstellungen auf griechisches Leben, griechische Religion und Mythologie, wobei die athenische Heldensage entschieden bevorzugt wird. In Athen selbst bildeten die Töpfer eine große Gilde, von deren Quartier ein ganzer Stadtteil den Namen Kerameikos führte. Hier haben die Funde auch die Bestimmung der V. am deutlichsten gemacht. In den Gräbern am Dipylonthor und im Hafen Peiräeus sind Mengen von kleinen, buntfarbig auf weißem Grund bemalten Lekythen (s. Tafel, Fig. 6) gefunden worden, auf denen die athenischen Bestattungsgebräuche häufig dargestellt sind. Man trug in solchen Ölfläschchen das zum Salben des Grabsteins nötige Öl an das Grab, band dann das Gefäß an die Denksäule oder legte es dem Toten mit in den Sarg. Größere V. dienten zur Aufnahme der Asche des verbrannten Leichnams (man kannte sowohl Erd- als Feuerbestattung), kleinere, besonders reich verzierte aber finden sich in den Särgen neben Thonfiguren und scheinen als das gewöhnliche Spielzeug des Leben-^[folgende Seite]