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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vegghia - Veitstanz.

Fraas und Sprengel rührt das Werk von einem italienischen Mönch des 12. oder 13. Jahrh. her.

Vegghia (ital., spr. weckja, Veglia, spr. wellja), Wache, Abendzeit, Vorabend (eines Festes); Abendgesellschaft.

Veglia (spr. wellja, slaw. Krk, im Altertum Curicta), österreichische, zur Markgrafschaft Istrien gehörige Insel im Golf von Quarnero, zwischen dem ungarisch-kroatischen Küstenland und der Insel Cherso gelegen, 420 qkm (7,7 QM.) groß, erzeugt Wein, Öl, Getreide, Seide, hat schöne Waldungen, Marmorbrüche, mehrere Häfen und (1880) 18,089 Einw. - Die gleichnamige Hauptstadt, im SW. der Insel, ist Sitz eines Bischofs und eines Bezirksgerichts, hat eine Kathedrale, ein Kastell, einen Hafen und (1880) 1579 Einw. Vgl. Cubich, Notizie sull' isola di V. (Triest 1874).

Veh (Feh), s. Grauwerk.

Vehemént (lat.), heftig, ungestüm; Veheménz, Heftigkeit, Ungestüm.

Vehikel (lat.), Mittel, um etwas irgendwohin zu befördern; in der Arzneikunde ein unwirksamer Stoff, in welchen eingehüllt oder mit welchem vermischt man stark wirkende Arzneien verabreicht.

Vehmgerichte, s. Femgerichte.

Vehse, Karl Eduard, deutscher Geschichtschreiber, geb. 18. Dez. 1802 zu Freiberg, studierte in Leipzig und Göttingen die Rechte, erhielt 1825 eine Anstellung im Dresdener Staatsarchiv, ging 1838 mit dem Separatisten Stephan nach Amerika, kehrte aber schon 1839 nach Deutschland zurück und ließ sich nach größern Reisen 1843 zu Berlin, sodann in der Schweiz nieder, lebte 1857-62 in Italien, dann in Sachsen, wo er erblindet 18. Juni 1870 in Striesen bei Dresden starb. Sein Hauptwerk ist die »Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation« (Hamb. 1851-1858, 48 Bde.), das eine Fülle von Material enthält, aber teilweise unkritisch und skandalsüchtig ist. V. schrieb außerdem: »Geschichte Kaiser Ottos d. Gr.« (3. Aufl., Leipz. 1867); »Tafeln der Geschichte« (Dresd. 1834); »Die Weltgeschichte aus dem Standpunkt der Kultur« (Vorlesungen, das. 1842, 2 Bde.); »Shakespeare als Protestant, Politiker, Psycholog und Dichter« (Hamb. 1851, 2 Bde.).

Veilchen, Pflanzengattung, s. Viola.

Veilchenmoos, s. Chroolepus.

Veilchenstein, s. Chroolepus.

Veilchenwurzel, s. Iris.

Veile, dän. Amt, den südöstlichsten Teil Jütlands umfassend, 2339 qkm (42,5 QM.) mit (1880) 108,513 Einw. Die gleichnamige Hauptstadt, an der Mündung der Veile-Aa in den Veilefjord, einen im N. des Kleinen Belt tief einschneidenden Meerbusen, und an der Eisenbahn Wamdrup-Frederikshavn, hat (1880) 7145 Einw. V. ist Sitz eines deutschen Konsulats. Nach blutigem Gefecht nahmen die Österreicher unter Gablenz die Stadt 8. März 1864 ein.

Veintena, s. Escudillo d'oro.

Veit, 1) Philipp, Maler, geb. 13. Febr. 1793 zu Berlin, von mütterlicher Seite Enkel Moses Mendelssohns und durch die zweite Ehe seiner Mutter Stiefsohn Friedrichs v. Schlegel, verlebte einen Teil seiner Jugend bei diesem in Paris und ward dann in Dresden Schüler des Malers Friedrich Matthäi. Nachdem er die Freiheitskriege mitgemacht, ging er 1815 nach Rom, wo er sich den deutschen Romantikern anschloß. Hier beteiligte er sich mit Cornelius, Schadow und Overbeck an den Fresken der Casa Bartholdy, von denen er Joseph bei der Frau des Potiphar und die sieben fetten Jahre (jetzt in der Berliner Nationalgalerie) ausführte. In der Villa Massimi malte er Darstellungen aus Dantes »Göttlicher Komödie« in Fresko. Andre Werke seiner römischen Zeit sind ein großes Altarbild der Himmelskönigin Maria (in Trinità de' Monti zu Rom) und der Triumph der Religion (im Vatikan). 1830 als Direktor des Städelschen Instituts nach Frankfurt a. M. berufen, schuf er auch hier eine Reihe von kirchlichen Gemälden, welche zum großen Teil in Stich und Steindruck erschienen sind; so den heil. Georg 1833 für die Kirche zu Bensheim, Simeon im Tempel, die beiden Marien am Grab (in der Berliner Nationalgalerie) und das große Freskogemälde im Städelschen Institut, welches die Einführung des Christentums und der Künste in Deutschland zum Gegenstand hat, nebst den beiden Nebenbildern Italia und Germania (nach dem neuen städtischen Museum übertragen). Später zog V. auch antike Stoffe in den Bereich seiner Kunst. In dieser Hinsicht sind besonders das Deckengemälde im Städelschen Institut, das Wirken der ältesten hellenischen Bildner darstellend, und der Schild des Achilleus nach Homer (Federzeichnung, mit Gold gehöht, Städtisches Museum) hervorzuheben. Für den Römersaal malte er die Porträte Karls d. Gr., Ottos IV. und Friedrichs II. 1843 gab er die Leitung des Städelschen Instituts auf und verlegte sein Atelier nach Sachsenhausen, weil er als strenger Katholik sich durch den Ankauf des Lessingschen Huß von der Verwaltung des Städelschen Instituts gekränkt fühlte. Hier schuf er für den Frankfurter Dom ein großes Altarbild, die Himmelfahrt Mariä, und für den König von Preußen die Parabel vom barmherzigen Samariter, die ägyptische Finsternis und ihre Schrecken und für die Chornische des projektierten Berliner Doms einen Entwurf zu einem Freskobild (jetzt in der Berliner Nationalgalerie). 1853 nahm V. seinen Wohnsitz in Mainz, wo er Direktor der Gemäldesammlung wurde und unter anderm einen Cyklus von Gemälden für das Meßchor des Doms komponierte, die von Settegast, Lasinsky und Herrmann in Fresko ausgeführt wurden. Er starb 18. Dez. 1877. Bis an sein Lebensende blieb er der strengen asketischen Richtung seiner Jugend treu, welche auch von seinem Schüler Steinle fortgesetzt wurde. - Veits Bruder Johann V., der sich seit 1811 ebenfalls in Rom bildete und 1852 daselbst starb, hat sich als Historienmaler einen Namen erworben.

2) Wenzel Heinrich, Komponist, geb. 19. Jan. 1806 zu Czapnitz (Böhmen), wirkte als Gerichtspräsident in Leitmeritz, wo er 16. Febr. 1864 starb. V. schrieb Kompositionen für Streichinstrumente, Lieder für eine Stimme und Männerchöre; von letztern sind mehrere (»Schön Rotraut«, »Sommernacht«, »Der König in Thule«) Repertoirestücke der Männergesangvereine geworden.

Veitch, bei botan. Namen für J. G. ^[John Gould] Veitch, geb. 1839, Gärtner, gest. 1870 in London. Pflanzen Japans und Neuseelands.

Veitsbohne, s. Bohne.

Veitshöchheim, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Würzburg, am Main und an der Linie Treuchtlingen-Aschaffenburg der Bayrischen Staatsbahn, Vergnügungsort der Würzburger, hat eine kath. Kirche, ein königliches Lustschloß mit großem Garten, Weinbau und (1885) 1446 Einw.

Veitstanz (Chorea sancti Viti, C. minor), eine Nervenaffektion, welche durch das Auftreten fortwährender unzweckmäßiger Zuckungen von Muskelgruppen charakterisiert ist; diese Zuckungen treten entweder selbständig auf, oder sie sind bei beabsichtigten Bewegungen in Form sogen. Mitbewegungen vorhanden. Das Bewußtsein ist nicht beeinträchtigt, doch