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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Velleda; Velleïtat; Vellejus Paterculus; Velletri; Vellinghausen; Vellon; Veloce; Velocifère; Velociped

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Velleda - Velociped.

Manipeln zugeteilt, hinter denen sie ihre regelmäßige Stellung hatten. Seit der Zeit des Marius kommen sie nur noch mit Reitern gemischt zur Anwendung. Später treten besondere Korps leichten Fußvolks (Sagittarier, Ferentarier, Funditoren etc.) an ihre Stelle. - Den Namen V. (Vélites) erhielten auch zwei von Napoleon I. 1803 aus jungen Leuten des Mittelstandes, die das dienstpflichtige Alter noch nicht erreicht hatten, errichtete Korps, jedes 800 Mann zu Fuß, denen 1804 solche zu Pferd hinzutraten. Nach 3jähr. Dienstzeit wurden die V. zu Leutnants der Linie befördert. Mit Ende des Kaiserreichs wurden die V. aufgelöst.

Velleda (Veleda), nach Tacitus (Hist., IV, 61, 65) eine germanische Seherin vom Stamm der Brukterer, wohnte in einem hohen Turm an der Lippe im jetzigen Westfalen, entzog sich dem Anblick des Volkes, um größere Ehrfurcht einzuflößen, und antwortete den Ratsuchenden durch einen Auserwählten aus ihrer Verwandtschaft. Sie beförderte 69 n. Chr. durch ihre Aussprüche den Aufstand der Bataver unter Civilis und wurde 70 von dem römischen Feldherrn Petilius Cerealis um Unterstützung eines mit Civilis abzuschließenden Vergleichs angegangen; sie starb wahrscheinlich in römischer Gefangenschaft.

Velleïtat (neulat., v. lat. velle, wollen; franz. velléité), kraft- und thatloser Wille, Anwandlung.

Vellejus Paterculus, Marcus, röm. Geschichtschreiber, geboren um 19 v. Chr., trat 1 n. Chr. in den Kriegsdienst, begleitete als Praefectus equitum Tiberius auf seinen Feldzügen, wurde 14 zum Prätor ernannt und verfaßte 30 einen Abriß der gesamten römischen Geschichte unter dem Titel: »Historiae romanae ad M. Vincium libri II«, von dem jedoch das erste, bis zur Zerstörung Karthagos reichende Buch bis auf wenige Kapitel verloren gegangen ist. Das Werk ist nicht ohne Geist, aber in einer gekünstelten, überladenen Sprache geschrieben und durch niedrige Schmeicheleien gegen Augustus und besonders gegen Tiberius und dessen Günstling Sejanus entstellt. Es wurde 1515 in der Abtei Murbach im Elsaß aufgefunden und nach dieser Handschrift, die aber seitdem auch verloren gegangen ist, von Rhenanus (Basel 1520) herausgegeben. Neuere Ausgaben: von Kritz (2. Aufl., Leipz. 1848; Handausgabe 1848), Haase (2. Aufl., das. 1858) und Halm (das. 1876); Übersetzungen von Jacobs (das. 1793), Götte (Stuttg. 1833) und Eyssenhardt (das. 1865).

Velletri, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Rom, am Saum des Albanergebirges unweit der Pontinischen Sümpfe, Station der Eisenbahn Rom-Neapel, ist Sitz des Bischofs von Ostia und eines Tribunals, hat eine Kathedrale (San Clemente), mehrere schöne Paläste (darunter der Regierungspalast von Giacomo della Porta), eine große Wasserleitung, eine Statue des Papstes Clemens VIII., ein Gymnasium und eine technische Schule, Wein- und Ölbau und (1881) 13,532 Einw. - Die Stadt, das alte, von den Volskern bewohnte Veliträ, kam im Mittelalter unter die Herrschaft der tuskulanischen Grafen und endlich unmittelbar unter die der Päpste. Am 19. März 1849 hier Sieg der römischen Republikaner unter Garibaldi über die Neapolitaner.

Vellinghausen, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Soest, mit (1883) 572 Einw. Hier 15. und 16. Juli 1761 Sieg Ferdinands von Braunschweig mit 50,000 Mann verbündeten Truppen über 90,000 Franzosen unter Broglie und Soubise.

Vellon (span., spr. weljon), Kupfermünze; dann die spanische Münzwährung in Kupfer, im Gegensatz zur Silberwährung (plata). Vgl. Real.

Veloce (ital., spr. welohtsche), eilig, eilend.

Velocifère (franz., spr. weloßifähr), öffentliches Fuhrwerk, welches mit beschleunigter Geschwindigkeit fährt. Ähnlich Célérifère, s. v. w. Schnellpost, Eilpost.

Velociped (Fahrrad; hierzu Tafel »Velocipede«), ein meist zweiräderiges Fahrzeug, bei welchem das Gleichgewicht durch die Schwungkraft der Räder und die persönliche Geschicklichkeit des Radfahrers erhalten wird. Das Fahrrad beruht auf der alten Draisine (s. d.); doch kam es erst in Aufnahme, als der Franzose Michaux das Fortbewegungsprinzip der Draisine aufgab und das eine Rad mit Kurbeln und Pedal versah, so daß die Fortbewegung nicht mehr dadurch erfolgt, daß der Radfahrer sich mit den Füßen gegen den Erdboden stemmt. Doch verdankt das Fahrrad seinen ungeheuern Aufschwung vornehmlich den Engländern, welche das Holz durch Stahl ersetzten, den Trittmechanismus ungemein verbesserten und es schließlich dahin brachten, daß ein Zweirad nur noch 10-15 kg wiegt. Für Sportzwecke hauptsächlich in Betracht kommt das Zweirad (engl. bicycle). Dasselbe besteht (Fig. 1) aus einem 130 bis 160 cm großen Triebrad, welches der oben auf dem kleinen Sattel reitende Radfahrer durch Treten der Kurbel in eine rasche Drehung versetzt, und aus einem hinten befindlichen kleinen Lenkrad, welches durch die vor dem Sattel sichtbare Lenkstange nach rechts oder links gedreht wird, wodurch das Fahrzeug die Richtung verändert. Die Hauptschwierigkeit beim Zweiradfahren liegt nicht in der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts des Fahrzeugs, solange wenigstens dieses eine gewisse Geschwindigkeit besitzt; die Neigung, seitwärts umzufallen, beginnt nämlich erst, wenn der Radfahrer seine Fahrt verlangsamen muß, weshalb derselbe genötigt ist, abzusitzen, sobald ihm ein Hindernis in den Weg tritt. Die Hauptschwierigkeit liegt vielmehr in dem Vermeiden des Kopfsturzes, welcher leicht eintritt, wenn das Vorderrad über ein selbst kleines Hindernis (Stein) nach vorn überschlägt. Diesen Übelstand hat man durch die Erfindung des Sicherheitszweirades sowie der Bicyclette zu beseitigen gesucht. Beim erstern sitzt der Fahrer (Fig. 2 u. 3) nicht mehr auf der Höhe des Rades, sondern weiter hinten, weshalb auch die Gabel rückwärts geneigt ist. Es leuchtet ein, daß dadurch die Gefahr des Kopfsturzes verringert ist. Das Rad läßt sich aber bei dieser Einrichtung nicht direkt, sondern erst durch Vermittelung eines Hebels treiben; auch ist das Rad in der Regel weniger hoch. Noch größere Sicherheit gewährt die Bicyclette (Fig. 4), bei welcher die Räder fast gleich groß sind. Das hintere ist Triebrad und wird mittels Kette und Zahnräder gedreht, während das vordere zum Steuern dient. In diese Kategorie gehört das von der österreichischen und schweizerischen Militärverwaltung eingeführte Fahrrad (Fig. 5); dies trägt das Gewehr längs des Gestells in zwei Haken liegend und durch einen federnden Bügel gehalten, so daß es schnell abgenommen und wieder an Ort und Stelle gelegt werden kann. Der Tornister ist an der Vordergabel der Lenkstange und die Patrontasche hinter demselben, gleichfalls an der Lenkstange, angebracht. Eine mit letzterer durch Scharnier und Feder verbundene Gabel an der einen Seite der Maschine gestattet im ausgespreizten Zustand, diese an irgend einem Ort festzustellen. Das Zweirad diente wegen der schwierigen Erlernung, der Unmöglichkeit, Gepäck mitzuführen, und der damit verbundenen Gefahr bisher wesentlich nur Sportzwecken. Das Dreirad (engl. tricycle) dagegen ist ein Gefährt, welches sich als gewöhnliches Beförde-^[folgende Seite]