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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Venediger - Venezuela.

Delle iscrizioni veneziane (Vened. 1824-53, 7 Bde.); »Archivio Veneto« (das. 1871 ff., bis jetzt 37 Bde.); »I libri commemoriali della repubblica di Venezia« (ein Regestenwerk, das.).

Venedĭger, s. Großvenediger.

Vēnen (Venae, Blutadern), im weitern Sinn schlechtweg gleich Adern, im engern Sinn bei den Wirbeltieren dünnhäutige Röhren, in welchen das Blut aus allen Teilen des Körpers nach dem Herzen zurückfließt. Sie nehmen ihren Ursprung aus den Kapillargefäßnetzen der Organe als kleine Gefäßchen (Venenwurzeln), die nach und nach zu größern Zweigen, Ästen und Stämmen zusammenfließen. Da sie den Druck des Herzens nicht mehr unmittelbar, wie die Arterien, auszuhalten haben, so sind ihre Wände dünner, schlaffer und ausdehnbarer als die Arterienwände, im allgemeinen aber von derselben Zusammensetzung wie diese. Ihre innere Haut bildet an vielen Stellen (meist in Abständen von 5-8 cm) halbmondförmige, taschenähnliche Falten oder Klappen, deren je zwei einander gegenüberstehen und so an der Innenfläche der V. angebracht sind, daß sich das Blut in ihnen fangen muß, sobald es in rückläufige Bewegung gerät, während es in der Richtung nach dem Herzen zu ungehindert zwischen ihnen hindurchfließen kann. Sie wirken also wie Ventile. In den V. fließt das Blut kontinuierlich, ohne pulsatorische Bewegung, weit langsamer als in den Arterien, aber schneller als in den Kapillaren. Über ihre Anordnung und Verteilung im Körper s. Blutgefäße (mit Tafel, auf welcher die V. mit blauer Farbe eingedruckt sind). Erkrankungen der V. kommen häufig vor, doch meist nur neben Erkrankungen benachbarter Gewebe und Organe. Die häufigste Venenkrankheit ist die Erweiterung derselben (Phlebektasie), die namentlich an den untern Extremitäten solcher Leute sich zeigt, welche anhaltend stehen müssen. Sie ist entweder eine gleichmäßige cylindrische, oder besteht in ungleichmäßigen buchtigen Erweiterungen des Venenrohrs (Varikosität, s. Krampfadern). In den erweiterten V., welche übrigens regelmäßig eine verdickte Wand besitzen, kommt es leicht zur Gerinnung des Bluts (Thrombose). Solche Blutgerinnsel können nachträglich zu Venensteinen (phlebolithi) verkalken. Die Entzündung der Venenwand (Phlebitis) tritt meist infolge einer vorausgegangenen Verletzung ein und geht mit dumpfen oder lebhaften Schmerzen einher; die Haut über der entzündeten Vene, wenn diese oberflächlich liegt, ist stark gerötet, die Vene selbst fühlt sich gespannt und zeigt eine strangartige oder knotige Härte, die Haut und das Unterhautzellgewebe in der Umgebung sind entzündlich geschwollen. Mit der Venenentzündung ist stets die Gefahr einer Eitervergiftung des Bluts (Pyämie) verbunden; s. Embolie. Vgl. Braune, Das Venensystem des menschlichen Körpers (Leipz. 1884 ff.).

Venenum (lat.), Gift; venenös, giftig.

Venerābel (lat.), ehr-, hochwürdig; Veneration, Verehrung, Ehrfurcht; venerieren, verehren.

Venerabĭle (lat., das Hochwürdige), s. v. w. Sanctissimum (s. d.).

Venērische Krankheiten, s. Geschlechtskrankheiten. - V. K. der Pferde, s. Beschälseuche.

Venĕter (Veneti), bei den Alten drei Völker verschiedener Abstammung.

1) Die V. (Eneti oder Heneti) im nordöstlichsten Teil Italiens, zwischen der Athesis (Etsch) und dem Meer, den Alpen und der Mündung des Padus (Po), werden am wahrscheinlichsten zu dem illyrischen Volksstamm gezählt, zu welchem sie schon Herodot rechnet. Ihr Land, Venetia (s. Karte bei Artikel »Italia«), das bisweilen noch zu Gallia cisalpina im weitern Sinn gerechnet, gewöhnlich aber davon unterschieden wurde, gehörte später zur zehnten Region Italiens. Die Römer betrachteten das Land schon seit 183 v. Chr. als ihre Provinz und verteidigten es gegen die Gallier, Rätier, Taurisker und Karner. Dann hatte es als gewöhnlicher Durchgangspunkt für die in Italien eindringenden germanischen und hunnischen Völkerschaften viel zu leiden. Die bedeutendsten Städte des Landes waren: Patavium (Padova, Padua), Altinum (Altino) und das erst von den Römern gegründete Aquileja; außerdem Adria, Ateste (Este), Concordia, Aquä Aponi (Abano), Tarvisium (Treviso), Vicentia (Vicenza), Opitergium (Oderzo), Feltria (Feltre) und Belunum (Belluno). Vgl. Czoernig, Die alten Völker Oberitaliens (Wien 1885). -

2) Die V. (Venetes) an der Westküste von Gallia Lugdunensis in der heutigen Bretagne, die unter allen Galliern des Seewesens am meisten kundig waren und eine Art von Herrschaft auf dem Atlantischen Ozean ausübten. Sie wurden von Cäsar 56 v. Chr. unterworfen. Ihre Hauptstadt Dariorigum, später Veneti, heißt jetzt Vannes. -

3) Die zuerst von Plinius und Tacitus als östliche Nachbarn der Germanen, jenseit der Weichsel, genannten slawischen V. (richtiger Veneder), deren Name sich in dem der Wenden (s. d.) erhalten hat.

Venetĭa, s. Veneter 1).

Venetĭen (Compartimento Veneto), Landschaft des Königreichs Italien, s. Venedig, S. 75.

Venezianer Lack, Kugellack, s. Rotholzlacke.

Venezianer Weiß, s. Bleiweiß.

Venezianische Kreide, s. Speckstein.

Venezianische Perlen, Glasperlen zum Sticken.

Venezianischer Samt, ursprünglich in Venedig hergestellter feinster façonnierter Samt, bei welchem das Muster durch eigentümliches Webverfahren entsteht.

Venezianischrot, s. Englischrot; auch s. v. w. roter Ocker.

Venezuēla (Vereinigte Staaten von V.), Föderativrepublik in Südamerika (s. Karte »Peru etc.«), grenzt nördlich an das Antillenmeer, nordöstlich an den Atlantischen Ozean, östlich an das britische Guayana, südlich an Brasilien und westlich an Kolumbien und hat einen Flächeninhalt von 1,043,900 qkm. Das Land ist teils Gebirgs-, teils Tiefland. Das Gebirgsland läßt drei Systeme unterscheiden, deren erstes durch die Verzweigungen der Ostkordilleren von Kolumbien gebildet wird. Der Hauptzweig wendet sich von Pamplona aus nach ONO. und bildet die alpine Region der Republik als eine breite, kompakte Gebirgsmasse mit einigen die Schneelinie erreichenden Gipfeln. Die höchsten Erhebungen sind hier: die Sierra Nevada von Merida (4581 m), die Paramos von Mucuchies (4230 m), Salado (4220 m), Conejos (4180 m). Das zweite System, das des Küstengebirges von V., das in seiner Längenerstreckung dem der europäischen Alpen nahesteht, bildet wegen seiner vom Kordillerensystem abweichenden Streichungslinien, von W. gegen O., ein für sich bestehendes Gebirgssystem, das die schönsten und kultiviertesten Striche des Landes enthält, und besteht aus einer doppelten Kette, deren mittlere Erhebung aber nur 1650 m, die Breite 110-220 km beträgt. Der östliche Teil des Gebirges (das Gebirgsland von Cumaná) hat ebenfalls die doppelten, durch ein Querjoch verbundenen Ketten, die bis zum Pariagolf reichen. Die nördliche Küstenkette steigt gegen ihr östliches Ende hin nahe bei Carácas in der Silla de Carácas bis 2665 m und in dem Gipfel von Nai-^[folgende Seite]