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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Verbundgeschosse; Vercelli; Vercelōne; Vercingetŏrix

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Verbundgeschosse - Vercingetorix.

Hilfsverba zusammengesetzte Ausdrücke, wie im deutschen Passivum mit »werden«, und andre in den neuern Sprachen übliche Wendungen. Die größte Menge alter Formen hat das Sanskrit bewahrt; aber auch die griechische Sprache kann nach einer von G. Curtius aufgestellten Berechnung von jedem V. 249 Formen des V. finitum bilden, dazu 258 Formen des V. infinitum, zusammen also 507 Formen, wogegen schon das Lateinische mit im ganzen 143 Formen stark zurücksteht, noch mehr das Gotische mit nur 38 einfachen Formen des V. finitum, während die gotischen Formen des V. infinitum eine direkte Vergleichung nicht zulassen. Das V. infinitum ist überhaupt in den einzelnen indogermanischen Sprachfamilien sehr ungleichmäßig entwickelt worden, nachdem es in der Ursprache bloß im Keim vorhanden gewesen war. Man rechnet dazu alle diejenigen vom Verbalstamm abgeleiteten Formen, welche entweder ganz wie Substantiva oder Adjektiva dekliniert werden, oder ihrer Entstehung und Bedeutung nach eigentlich zu den Substantiven gehören, also namentlich sämtliche Partizipien und Infinitive, im Lateinischen, Griechischen und Sanskrit außerdem noch die Gerundia, Gerundiva und Supina. Partizip heißt eigentlich Mittelwort, und dieser Name, welcher die halb verbale, halb nominale Natur der Partizipien bezeichnen soll, würde auf sämtliche Formen des V. infinitum passen; in neuern sprachwissenschaftlichen Werken werden sie insgesamt gewöhnlich als Verbalnomina bezeichnet. Von den vier Beziehungen des eigentlichen Verbums drücken sie die zwei: Tempus und Genus aus, wie z. B. das deutsche Partizip »gesprochen« der Zeit nach Perfektum, dem Genus nach Passivum ist; dagegen bleiben die Person und die Modalität unbezeichnet. Am konsequentesten ist das System der Infinitive und Partizipien in der griechischen Sprache durchgeführt, welche überhaupt an harmonischer und gleichmäßiger Ausbildung des Verbalsystems alle andern indogermanischen Sprachen übertrifft. Sie hat besondere Formen für jedes Tempus und Genus, während im Lateinischen und Deutschen z. B. für das aktive Partizip des Perfektums, für das passive des Präsens, für den Infinitiv des aktiven und passiven Futurums etc. besondere Formen fehlen und Umschreibungen dafür eintreten müssen. Noch größer als in den indogermanischen ist der Reichtum an Formen in einigen agglutinierenden Sprachen (s. Sprachwissenschaft), welche außer den oben erwähnten Modifikationen des Verbalstammes zum Ausdruck des frequentativen, inchoativen und andrer Verhältnisse noch die verschiedensten Formen des Präteritums, dann für jede Verbalform eine entsprechende Negativform besitzen etc. Derartiges findet sich z. B. im Türkischen, in den südafrikanischen, in den amerikanischen Indianersprachen; so wird in der Odschibwäsprache in Nordamerika die Anzahl der von einer Verbalwurzel möglichen Ableitungen auf 17 Millionen veranschlagt. Vgl. G. Curtius, Das V. der griechischen Sprache (2. Aufl., Leipz. 1877-80, 2 Bde.); Delbrück, Das altindische V. (Halle 1874); Bartholomä, Das altiranische V. (Münch. 1878); Fr. Müller, Grundriß der Sprachwissenschaft (Wien 1876-88, 4 Bde.); Jolly, Geschichte des Infinitivs im Indogermanischen (Münch. 1873).

Verbundgeschosse, von Lorenz in Karlsruhe erfundene Geschosse für Gewehre kleinen Kalibers, in deren gestanztem fingerhutartigen Mantel aus Kupfer, Stahl oder Nickellegierung der Bleikern eingelötet ist, so daß sich beide beim Schießen nicht voneinander lösen.

Vercelli (spr. wertschélli), Kreishauptstadt in der ital. Provinz Novara, unweit der Sesia, an der Eisenbahn Turin-Mailand, die hier nach Casale und Mortara abzweigt, hat 8 Vorstädte, einen großen Platz mit der Statue Cavours, eine moderne Kathedrale, 9 andre. Kirchen (darunter San Christoforo mit schönen Fresken von Gaudenzio Ferrari und die frühgotische, 1219 erbaute Kirche Sant' Andrea), ein ehemaliges Schloß, 2 Hospitäler, ein Lyceum, Gymnasium, eine technische Schule, Hebammenschule, ein Seminar, mehrere Bibliotheken, ein Institut der schönen Künste, Seidenspinnerei, Fabrikation von Maschinen, Kerzen und Seifen, Zündhölzchen, Musikinstrumenten etc., lebhaften Handel und (1881) 20,165 (als Gemeinde 28,999) Einw. Die ehemaligen Festungswerke sind zu hübschen Spaziergängen umgewandelt worden. V. ist Sitz eines Erzbischofs (seit 1817), eines Unterpräfekten, eines Gerichts- und Assisenhofs. In der Umgegend wird starker Reisbau und Seidenzucht getrieben. - V. hieß im Altertum Vercellä und war die Hauptstadt der Libici im cisalpinischen Gallien, später ein befestigtes Munizipium der Römer. 101 v. Chr. schlug Marius die Cimbern auf den Raudischen Feldern bei V. Nachdem V. im Mittelalter unter verschiedenen Herren gestanden hatte, kam es unter Mailand und 1429 an Savoyen. 1638 wurde die Stadt von den Spaniern erobert, im Pyrenäischen Frieden aber an Savoyen zurückgegeben.

Vercelōne (spr. wertsch-), Carlo, röm. Theolog, geb. 14. Jan. 1814 zu Sordevolo in Piemont, trat 1829 zu Turin in den Orden der Barnabiten und leitete später dessen Kollegium in Rom, wo er 19. Jan. 1869 starb. Er hat sich namhafte Verdienste um die biblische Textkritik erworben durch seine Werke: »Variae lectiones vulgatae latinae editionis Bibliorum« (Rom 1860-64, 2 Bde.); »Dissertazioni accademiche di vario argumento« (das. 1864). Die von A. Mai hinterlassene Ausgabe des Codex vaticanus veröffentlichte er 1858; nicht viel besser ausgefallen ist seine eigne Ausgabe des vatikanischen Neuen Testaments (1859). Auch besorgte er die offizielle Ausgabe der Vulgata (1861) und mit Cozza die päpstliche Ausgabe des vatikanischen Neuen Testaments (1868).

Vercingetŏrix, der kühne, heldenmütige Arverner, welcher 52 v. Chr. fast sämtliche gallische Völkerschaften zu dem letzten allgemeinern Versuch vereinigte, ihre Freiheit gegen Cäsar (s. d.) zu verteidigen, und welchem es gelang, nicht nur sich eine längere Zeit gegen seinen großen Gegner zu behaupten, sondern demselben auch nicht unbedeutende Verluste beizubringen. Cäsar sah sich endlich nach einem fruchtlosen, verlustvollen Angriff auf die Hauptstadt der Arverner, Gergovia (in der Nähe des heutigen Clermont-Ferrand in der Auvergne), genötigt, den Rückzug anzutreten, auf dem er von V. mit einem starken Heer begleitet wurde, an welches sich auch die Häduer, die bisher dem Cäsar treu geblieben, angeschlossen hatten, und Cäsar war in Gefahr, wenigstens zunächst die Früchte seiner bisherigen Anstrengungen zu verlieren: da ließ sich V. durch anscheinend günstige Umstände verleiten, eine große Schlacht zu wagen, in welcher er völlig geschlagen wurde. Er zog sich hierauf nach Alesia (Alise Ste.-Reine im Departement Côte d'Or, in der Nähe von Dijon, wo ihm Napoleon III. 1864 eine 6,5 m hohe Bronzestatue errichten ließ) zurück und wurde hier von Cäsar belagert. Er bot alles auf, um sich zu verteidigen; als aber seine Anstrengungen sämtlich an der Energie und überlegenen Einsicht seines Gegners gescheitert waren, riet er selbst den Seinigen, sich zu ergeben und, um