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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vergara - Vergilius.

Ferner sind zu nennen die Romane: »I Malavoglia« (1881), »Il marito di Elena« (1882; deutsch, Stuttg. 1886), »Il come, il quando ed il perchè« (1882; deutsch in H. Harts »Italienischem Novellenbuch«, Berl. 1882), »Pane`nero« (1882), »Novelle rusticane« (1883), »Per le vie« (1883) und »Vagabondaggio« (1887).

Vergara (Bergara), Bezirksstadt in der span. Provinz Guipuzcoa, an der Deva prächtig gelegen, mit Industrie in Eisenwaren, Spinnerei, einem Institut, Seminar und (1878) 6021 Einw. - Hier wurde 30. Aug. 1839 der Vertrag zwischen dem christinischen Oberfeldherrn Espartero und dem karlistischen General Maroto geschlossen, der dem Bürgerkrieg ein Ende machte, indem Marotos ganzes Korps kapitulierte und Don Karlos infolge davon sich genötigt sah, über die Grenze zu fliehen.

Vergatterung, ein Trommel- (Trompeten-) Signal bei Wachtparaden, worauf die Wachtmannschaften unter den Befehl des Kommandanten treten.

Vergehen, s. Verbrechen.

Vergeilen der Pflanzen, s. Etiolement.

Vergeltung, die Rückkehr eines gewissen Quantums von Wohl (Belohnung) oder Wehe (Strafe) auf den Wohl- oder Wehethäter. Die Forderung derselben entspringt aus dem unbedingten Mißfallen, welches die unvergoltene That (sie sei Wohl- oder Wehethat) erweckt. Das Maß derselben ergibt sich aus der Idee der Billigkeit (s. d.), kraft welcher, so viel Wohl oder Wehe (quantum) zugefügt worden ist, so viel (tantum) auf den Thäter zurückfallen soll. Dabei ist weder erforderlich, daß, wie in der Talion, Gleiches mit Gleichem, noch erlaubt, daß, wie in der Rache (s. d.), Beleidigung durch den Beleidigten vergolten werde; die Beschaffenheit der V. wie die Person des Vergelters (mit obiger Ausnahme) bleibt unbestimmt.

Vergeltungstheorie, s. Strafrecht, S. 363.

Vergennes (spr. werdschenns), älteste Stadt im nordamerikan. Staat Vermont, am Otter Creek, 8 km vom Champlainsee, hat ein Bundesarsenal, eine Besserungsanstalt und (1880) 1782 Einw.

Vergennes (spr. werschénn), Charles Gravier, Graf von, franz. Staatsmann, geb. 28. Dez. 1717 zu Dijon, betrat früh die diplomatische Laufbahn und bekleidete seit 1750 den Gesandtenposten in Koblenz und dann in Trier, von 1755 bis 1768 den zu Konstantinopel, seit 1771 den zu Stockholm, wo er Gustav III. die Revolution durchführen half. Nach Ludwigs XVI. Thronbesteigung zum Minister des Auswärtigen ernannt (1774), schloß er im Februar 1778 den Allianztraktat mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika ab und vereitelte mit Friedrich II. von Preußen 1779 des Kaisers Joseph II. Absichten auf Bayern. Nach dem Frieden mit England (1783) wurde V. Präsident des Finanzkonseils. Er starb 13. Febr. 1787. Vgl. Mayer, Vie publique et privée du comte de V. (Par. 1789).

Vergerio (spr. werdsch-), Pietro Paolo (Petrus Paulus Vergerius), reformatorisch gesinnter Theolog, geboren um 1498 zu Capo d'Istria, studierte in Padua Jurisprudenz und begleitete 1530 den Legaten Campeggi nach Augsburg. Paul III. sandte ihn 1535 abermals nach Deutschland, um die deutschen Fürsten zur Beschickung eines Konzils nach Mantua zu bewegen; damals lernte er Luther in Wittenberg persönlich kennen und studierte, nachdem er zurückgekehrt war, seine Schriften, um sie zu widerlegen. Seit 1536 Bischof in seiner Geburtsstadt, befreundete er sich allmählich mit dem Protestantismus, erklärte, durch das Beispiel des Spiera (s. d.) gewarnt und von der katholischen Kirche verfolgt, in einer Schrift 1548 seine Übereinstimmung mit der evangelischen Lehre, ward hierauf Pfarrer in Graubünden und ließ sich 1553 in Tübingen nieder, wo er mehrere Schriften gegen das Papsttum schrieb und 4. Okt. 1565 starb. Sein Briefwechsel mit Herzog Christoph von Württemberg wurde 1875 vom Litterarischen Verein zu Stuttgart herausgegeben. Vgl. Sixt, P. P. Vergerius (Braunschw. 1855, im Auszug 1856).

Vergette (franz., spr. werschett), Bürste; kurz geschnittenes Vorderhaar.

Vergieren (lat.), sich wohin neigen.

Vergiftung, das Verbrechen desjenigen, welcher einem andern vorsätzlich, um dessen Gesundheit zu schädigen, Gift oder andre Stoffe (s. Gift) beibringt, welche die Gesundheit zu zerstören geeignet sind; wird im deutschen Strafgesetzbuch (§ 229) mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bedroht. Dabei werden als besonders strafbar die Fälle bezeichnet, in welchen durch die Handlung eine schwere Körperverletzung oder der (allerdings nicht beabsichtigte) Tod des Vergifteten herbeigeführt wurde. War die Absicht des Thäters darauf gerichtet, den Vergifteten zu töten, so liegt Mord (Giftmord) oder doch der Versuch eines solchen vor. Als gemeingefährliches Verbrechen wird die V. von Brunnen und Wasserbehältern, welche zum Gebrauch andrer dienen, oder von Gegenständen, welche zum öffentlichen Verkauf oder Verbrauch bestimmt sind, sehr streng geahndet. Vgl. Deutsches Strafgesetzbuch, § 324 ff.

Vergilius (Virgilius), Publius, mit dem Familiennamen Maro, berühmter röm. Dichter, geb. 15. Okt. 70 v. Chr. zu Andes bei Mantua, wo sein Vater ein kleines Landgut besaß, erhielt die erste Bildung in Cremona und Mailand und ging dann zum Behuf rhetorischer und philosophischer Studien nach Rom. Durch schwache Gesundheit und Schüchternheit an politischer und sachwalterischer Thätigkeit verhindert, kehrte er nach Andes zurück und widmete sich der Verwaltung des Gutes und dem Studium der griechischen Dichter. Die Ackerverteilungen Oktavians an seine Veteranen vertrieben ihn 40 von seinem Gute; doch erhielt er ein andres zur Entschädigung durch die Fürsprache des Mäcenas, dem er von Asinius Pollio empfohlen worden war. Dieser hatte ihn 43 als Verwalter der Gallia transpadana kennen gelernt und ihm die erste Anregung zu seinen Eklogen gegeben, durch die er seinen Dichterruf begründete. Durch die Freigebigkeit hoher Freunde, namentlich des Oktavian und Mäcenas, in die Lage versetzt, sich ungestört seinen Studien widmen zu können, lebte er abwechselnd in Rom, auf seinem Landgut bei Nola, meist jedoch seiner schwachen Gesundheit wegen in Neapel. Hier vollendete er 30 v. Chr. nach siebenjähriger Arbeit seine Mäcenas gewidmeten »Georgica«, um sofort das dem Oktavian schon früher versprochene Epos, die »Aeneis«, zu beginnen. Nach elfjähriger ununterbrochener Arbeit reiste er nach Griechenland, in der Absicht, dort seinem Werk die letzte Feile zu geben; in Athen traf er mit Oktavian zusammen, der ihn mit Rücksicht auf seine zunehmende Kränklichkeit zur gemeinsamen Rückkehr bewog. Noch auf der Reise starb er 21. Sept. 19 in Brundusium. Seinem Wunsch gemäß wurde er bei Neapel, an der Straße von Puteoli, beerdigt, wo man noch jetzt sein vermeintliches Grab am Eingang des Posilipo zeigt. Als Mensch zeichnete sich V. durch harmlosen, kindlichen Sinn aus. Stille, keusche Würde und milder Ernst sind über seine Dichtungen verbreitet; am meisten gelangen ihm idyllische Schilderungen. Er ist kein dichte-^[folgende Seite]