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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Via Mala; Viadra; Viadukt; Viana; Vianden; Vianen; Vianna do Castello

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Viadra - Vianna do Castello.

aufgekommene Monodie (vgl. Musik, S. 923) in die Kirche einführte. Seine für diesen Zweck geschriebenen Gesänge nannte er »Concerti ecclesiastici« oder »Concerti da chiesa« und versah sie mit einem Instrumentalbaß, welcher im Gegensatz zur menschlichen Baßstimme das ganze Stück ununterbrochen begleitete, weshalb er Bassus continuus oder Bassus generalis genannt wurde. Die letztere Benennung hat zu dem Irrtum Anlaß gegeben, V. für den Erfinder dessen zu halten, was in neuerer Zeit mit dem Wort Generalbaß bezeichnet wurde, nämlich eines Basses mit darübergeschriebenen Ziffern, welche die zu seiner harmonischen Vervollständigung nötigen Intervalle anzeigen, eine schon lange vor V. gebräuchliche Art der Notierung. Vgl. Parazzi, Della vita di L. V. (in der Mailänder »Gazetta musicale« 1876).

Viadra (Wadra), rumän. Flüssigkeitsmaß, = 10 Oka à 4 Litra; 1 Oka = 1,274-1,281 Lit.

Viadukt (lat., »Wegleitung«), im weitern Sinn mehr oder minder hohe und lange Überführung einer Straße oder Eisenbahn über ein trocknes oder teilweise trocknes Terrain aus Stein, Eisen oder Holz. Steinerne Viadukte erhalten meistenteils Halbkreisgewölbe, schlanke Pfeiler und mit zunehmenden Höhen zwei, drei und vier durch Zwischengewölbe abgeschlossene Stockwerke und entweder gleich starke oder schwächere (Zwischenpfeiler), gruppenweise mit stärkern (Gruppenpfeiler) abwechselnde Pfeiler. Unter den einstöckigen Viadukten zeichnen sich der Desenzanoviadukt bei Verona durch die bedeutende Höhe von 60 m, der Lockwoodviadukt in England durch die große Schlankheit von 1/20 seiner Pfeiler aus; unter den zweistöckigen der V. über das Gölthal bei Aachen, das Elsterthal in Sachsen durch eine Höhe von 69,75 m; unter den dreistöckigen der V. von Chaumont durch eine Höhe von 50 m; der teilweise vierstöckige V. über das Göltzschthal bei Reichenbach in Sachsen zeigt in seinem höchsten Teil die größte Höhe von 80,37 m. Eiserne Viadukte erhalten teils steinerne Pfeiler, wie der V. bei Znaim, oder eiserne Pfeiler auf steinernen Sockeln, wie der Crumlinviadukt bei Newport in Southwales, der Saaneviadukt bei Freiburg, der Sitterviadukt bei St. Gallen, die Viadukte der Orléansbahn bei Bausseau d'Ahun und über die Cère, der V. über die Gravine bei Castellanetta, der V. über das Pfrimmthal bei Marnheim in der Rheinpfalz. Unter den durchweg schmiedeeisernen Viadukten der neuern Zeit, welche auch schmiedeeiserne Pfeiler auf steinernen Sockeln besitzen, sind im Inland der in der Linie Arnstadt-Ilmenau der Thüringer Bahn erbaute eingeleisige Thalübergang bei Angelroda, der in der Linie Friedberg-Hanau erbaute V. über das Niddathal, im Ausland der in der Cincinnati-Southernbahn erbaute V. über den Kentucky und der in der New York-Buffalobahn an Stelle eines abgebrannten hölzernen in 86 Tagen erbaute Portageviadukt über den Genesee sowie der über das Thal der Aqua de Varrugas bei Lima in Peru errichtete V. mit der größten Pfeilerhöhe von 76,8 m hervorzuheben. Unter den hölzernen Viadukten, welche zur Zeit wegen der geringern Dauer des Holzes und der Feuersgefahr, welcher sie durch die häufig passierenden Lokomotiven ausgesetzt sind, von steinernen oder eisernen Viadukten verdrängt werden, zeichneten sich die durch Feuer zerstörten Viadukte über den Geneseefluß bei Portage in den Vereinigten Staaten mit 57,4 m hohen und über die Msta in Rußland mit 21,34 m hohen Holzpfeilern, beide auf gemauerten Sockeln, aus. In neuerer Zeit sind sie z. B. in Österreich als interimistische, später durch steinerne oder eiserne zu ersetzende Viadukte bei Bahnen wieder in Aufnahme gekommen, deren Baukonto a priori möglichst entlastet werden muß. Im engern Sinn versteht man unter V. auch die kleinern Über- und Unterführungen von Straßen oder Eisenbahnen mit einer bis drei Öffnungen, welche überwölbt oder mit eisernen, auf steinernen Pfeilern ruhenden, massiv gewalzten oder aus Blech und Façoneisen zusammengesetzten Trägern überspannt sind. Obwohl der Viaduktbau erst seit der Entstehung der Eisenbahnen 1830 nach Zahl und Kühnheit der Bauwerke sich zu der jetzigen Blüte entwickelt hat, so war er doch schon dem Altertum, insbesondere den Römern, nicht unbekannt. Neben den bedeutenden analogen Bauwerken der Aquädukte (s. d.), welche dieses Volk anlegte, verdienen die gewölbten Viadukte in der pränestinischen Heerstraße zwischen Rom und Gabii mit Halbkreisgewölben und Pfeilern aus Tuffquadern sowie in der Appischen Heerstraße bei Aricia hervorgehoben zu werden. Über die ältern Viadukte vgl. außer Vitruvs Werk über Baukunst (deutsch von Reber, Stuttg. 1865) und Frontinus' Schrift über römische Wasserleitungen, Guhl und Koner, Das Leben der Griechen und Römer (5. Aufl., Berl. 1881), und über die neuern Viadukte unter andern Toni-Fontenay, Construction des viaducs, etc. (Par. 1852).

Via Mala, die schauerlich-schönen Felsschlünde, welche die zwei untern Thalstufen des Graubündner Hinterrheins, Tomleschg und Schams, trennen. Hier windet sich der Weg bald an senkrechter Felswand hin; bald bohrt er sich durch das Gestein; bald setzt er über schwindelnde Abgründe. Einst führte der Weg hoch um die Berge, 1470 wurde er durch die wilde Schlucht gezogen und wegen der häufigen Fels- und Lawinenstürze V. (»böser Weg«) genannt; 1818-1824 wurde die heutige 7 m breite Straße hergestellt und dabei der Tunnel des Verlornen Lochs (1822) gebohrt. Von den drei Brücken, welche über den Fluß führen, wurden die beiden ersten 1738 und 1739 erbaut; die dritte, 1834 erbaut, bezeichnet das Ende der V. und den Anfang des freundlichen Schams. Die mittlere Brücke befindet sich in einer Höhe von 70 m über dem Fluß. Als innere V. pflegt man etwa die Roffla, eine weniger imposante Schlucht zwischen Schams und Val Rhin, zu bezeichnen.

Viana, 1) Stadt in der span. Provinz Navarra, unweit des Ebro, hat einen schönen Marktplatz (mit der sehenswerten Marienkirche), einen Stiergefechtszirkus, eine große Messe (19.-31. Juli) und (1878) 2984 Einw. -

2) Stadt in der brasil. Provinz Maranhão, am schiffbaren Pindaré (Nebenfluß des Mearim), ehemals Jesuitenmission, mit Zuckerrohr- und Reisbau.

Vianden (Vienne en Ardenne, deutsch Veyenthal), Stadt im Großherzogtum Luxemburg, Distrikt Diekirch, im Felsenthal des Our, mit Tuch- und Hutfabrikation, Brauerei und 1430 Einw. Dabei die Ruinen des gleichnamigen Schlosses der Grafen von Oranien-Nassau.

Vianen, Stadt in der niederländ. Provinz Südholland, am Lek (über den eine Schiffbrücke nach dem gegenüberliegenden Ort Vreeswijk führt), steht mit dem Zederikkanal durch eine Schleuse in Verbindung, hat eine schöne, große Kirche mit dem Grabmal des Reinoud van Brederode, eine kath. Kirche, Ziegelfabrikation, starke Pferdezucht und (1887) 3763 Einw. In der Nähe die Ruine Batestein.

Vianna do Castello, Distriktshauptstadt in der portug. Provinz Entre Douro e Minho, am Lima,