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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vico del Gargano; Vico Equénse; Vicognewolle; Victimae paschali laudes; Victor; Victoria

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Vico del Gargano - Victoria (Fluß).

Vico del Gargano, Stadt in der ital. Provinz Foggia, Kreis San Severo, am Nordhang des Monte Gargano, an dem ausgedehnten Buchenwald Bosco di Umbra, mit Teerschwelereien und (1881) 7628 Ew.

Vico Equénse, Stadt in der ital. Provinz Neapel, Kreis Castellammare, in reizender Lage an der Nordküste der Halbinsel von Sorrent, hat ausgezeichneten Weinbau, Fischfang und (1881) 2859 Einw.

Vicognewolle (Vigognewolle), s. Lama.

Victimae paschali laudes (lat.), wahrscheinlich im 11. Jahrh. in Italien entstandene Sequenz (s. d.) für Ostern.

Victor (lat.), der Sieger. Als Taufname s. Viktor.

Victor, Sextus Aurelius, röm. Historiker aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrh. n. Chr., Verfasser einer kurzen Kaisergeschichte (»Caesares«), welche bis 360 reicht. Außerdem werden ihm noch drei andre Schriften beigelegt, nämlich: »De viris illustribus«, eine kurze Übersicht der römischen Geschichte bis zum Ende der Republik in biographischer Form (hrsg. von Brohm, 3. Aufl., Leipz. 1860), »Origo gentis romanae«, ein wertloses Werk, u. »Epitome«, welche aber andre Verfasser haben. Ausgaben von A. Schott (Antwerp. 1579) und Fr. Schröter (Leipz. 1829-31, 2 Bde.); eine Übersetzung seiner historischen Schriften lieferte Cloß (neue Ausg., Stuttg. 1874).

Victor, V. Claude Perrin, genannt V., Herzog von Belluno, Marschall von Frankreich, geb. 7. Dez. 1764 zu La Marche (Vogesen), trat 1781 als Gemeiner in die französische Artillerie, nahm 1789 den Abschied, diente aber 1792 wieder in einem Freiwilligenbataillon und erwarb sich 1793 vor Toulon den Brigadegeneralsrang. Bis 1795 diente er gegen Spanien, dann in Italien. 1797 zum Divisionsgeneral erhoben, siegte er über die päpstlichen Truppen und zwang den Papst zum Frieden von Tolentino. 1798 bis 1799 stand er beim Heer in Italien. Nach dem 18. Brumaire schloß er sich dem Ersten Konsul an und folgte demselben 1800 abermals nach Italien, wo er namentlich bei Montebello und Marengo mit Auszeichnung focht. Im Juli d. J. trat er in die gallo-batavische Armee. 1805 ging er als Gesandter nach Kopenhagen. Im Feldzug von 1806 focht er bei Jena, dann bei Pultusk, fiel aber auf einer Reise im Januar 1807 in die Hände des Schillschen Freikorps. Bald darauf gegen Blücher ausgewechselt, erwarb er sich bei Friedland den Marschallsstab. Nach dem Frieden von Tilsit ernannte ihn Napoleon I. zum Gouverneur von Berlin, und 1808 schickte er ihn nach Spanien, wo er den Befehl über das 1. Armeekorps übernahm und die Siege von Espinosa, Ucles und Medellin erfocht. Dagegen ward er von Wellington bei Talavera geschlagen. Anfang 1810 nahm V. Anteil an Soults Zug nach Andalusien und blockierte 5. Febr. Cadiz, gab aber 1812 die Belagerung auf, um dem Feldzug nach Rußland beizuwohnen. An der Spitze des 9. Armeekorps sicherte er den Übergang der Franzosen über die Beresina. 1813 befehligte er das 2. Korps und focht bei Dresden, Leipzig und Hanau. An der Spitze zweier neugebildeter Divisionen junger Garde wurde er im Gefecht bei Craonne (7. März 1814) verwundet. Von Ludwig XVIII. mit dem Kommando der 2. Militärdivision betraut, folgte er nach Napoleons Rückkehr von Elba dem König nach Gent. Nach der zweiten Restauration wurde er Pair und Generalstabschef der königlichen Garde, auch Präsident der Kommission, welche das Benehmen der französischen Offiziere während der Hundert Tage zu richten hatte. 1821 erhielt er den Oberbefehl über vier Militärdivisionen und 15. Dez. das Ministerium des Kriegs. Bei Eröffnung des spanischen Feldzugs von 1823 gab er sein Portefeuille ab und begleitete den Herzog von Angoulême als Generalstabschef nach Spanien. Durch die Kontrakte, welche er mit dem Hauptunternehmer aller Lieferungen, dem bekannten Ouvrard, schloß, sah er sich später in den daraus entstehenden Prozeß verflochten und verlor seine Stellung. Seit der Julirevolution lebte er von den Geschäften völlig zurückgezogen und zählte mit zu den Häuptern der Legitimisten. Er starb in Paris 1. März 1841. Vgl. »Extraits de mémoires inédits de feu Claude V. Perrin, duc de Bellune« (Par. 1846). - Sein Sohn Victor François Perrin, Herzog von Belluno, geb. 24. Okt. 1796 zu Mailand, ward 9. Febr. 1853 von Napoleon III. zum Senator ernannt, starb aber schon 2. Dez. d. J.

Victoria, röm. Siegesgöttin, s. Nike.

Victoria Lindl., Gattung aus der Familie der Nymphäaceen mit der einzigen bis jetzt bekannten Art V. regia Lindl. (s. Tafel »Wasserpflanzen«), in den stillen Buchten der Ströme des tropischen Südamerika. Diese ist unsrer weißen Seerose sehr ähnlich, übertrifft sie aber bedeutend an Größe. Sie ist einjährig, bildet zuerst Blätter mit pfeilförmiger, dann solche mit kreisrunder Spreite von 1,5-2 m Durchmesser und mit 5-8 cm hoch aufgebogenem Rande, deren stachlige Unterseite purpurn gefärbt ist und durch starke, weit hervorragende und viele Lufträume enthaltende Rippen eine bedeutende Tragfähigkeit erlangt (ein Blatt von 2 m Durchmesser trägt ein sechs- bis siebenjähriges Kind). Jedem neuen Blatt gegenüber entspringt eine Luftwurzel und in der Achsel des Blattstiels eine Blüte. Letztere wird von einem stachligen Blütenstiel getragen, besteht aus 4 Kelchblättern und zahlreichen weißen Blumenblättern und erreicht etwa 40 cm im Durchmesser. Sie bricht am Nachmittag auf, schließt sich am andern Morgen, öffnet sich am nächsten Abend von neuem und nun vollständig, indem sich auch die innersten rosapurpurroten Blumenblätter entfalten und die gelben Staubgefäße sichtbar werden. Sie duftet sehr stark und angenehm, und in der ersten Nacht steigt die Temperatur in der Blüte um 10-15° C. über die der Umgebung. Am zweiten Morgen schließt sich die Blüte und taucht unter Wasser, worauf sich die Frucht mit etwa 300 maiskornähnlichen Samen (Wassermais) entwickelt. Diese Samen halten sich nur unter Wasser keimfähig und werden in Südamerika gegessen. Die Entwickelung der Pflanze ist nach der Entfaltung der Blüte eine so schnelle wie bei keinem andern Gewächs. Einzelne Blattstiele zeigen in einer Stunde eine Längenzunahme von 10-40 cm, und in ähnlichem Verhältnis nehmen die Blätter an Umfang zu. Die V. regia wurde 1801 von Hänke auf dem Rio Marmore entdeckt, genauere Nachrichten von ihr gab d'Orbigny 1828 und die erste wissenschaftliche Beschreibung Pöppig 1832. Nach dem von Schomburgk 1837 gesammelten Material bestimmte Lindley die systematische Stellung der Pflanze. 1849 keimte die erste Pflanze in Kew, und in demselben Jahr gelangte ein Exemplar, in Chatsworth zur Blüte. 1850 blühte die V. regia auch in Gent, 1851 in Herrenhausen bei Hannover und in Hamburg, 1852 in Berlin. Vgl. Seidel, Zur Entwickelungsgeschichte der V. regia (Dresd. 1869).

Victoria, ansehnlicher Fluß in dem zur Kolonie Südaustralien gehörigen Nordterritorium, dessen Mündungen den Queenschannel des Timormeers 1837 von Kapitän Wickham aufgefunden und erforscht wurde. Den ganzen Lauf von der Quelle in ödem