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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vierweghahn - Vieuxtemps.

Uri, ist von hohen, schroff in den See abfallenden Felswänden, die am Axenberg merkwürdige Schichtenbeugungen zeigen und wenig Landungsplätze offen lassen, umgeben. Hier drohen plötzliche und heftige Stürme. Der Urner See verengert sich im N. bis auf 900 m und geht hier in den Gersauer See über, zwischen den Kantonen Schwyz und Unterwalden. Zwei Felszungen, die »Nasen«, trennen ihn vom Wäggiser See, der mit dem Kreuztrichter in die drei letzten Golfe überleitet. Nach NO. geht der Küßnachter See, am Fuß des Rigi, nach SW. der durch einen bloß 300 m breiten Hals fast ganz abgeschlossene Alpnacher See und nach NW. der Luzerner See, welcher mit dem Ausfluß der Reuß endet. Von den beiden »Nasen« an wird das nördliche Ufer anmutiger, das südliche dagegen in dem steil abgerissenen Bürgenstock rauher. Einen malerischen Hintergrund bilden die zackigen Felsenhörner des Pilatus, die Pyramiden des Stanser und Buochser Horns, der Bauenstöcke und der Rigi. Gegen Luzern hin verflachen sich die Ufer zu Hügeln, die mit Landhäusern, Dörfern und Obstbäumen besetzt sind. Die größte Tiefe des Sees beträgt 205 m, der mittlere Wasserspiegel liegt 437 m ü. M. Die Länge beträgt 37,2 km, das Areal 113 qkm. Größere Zuflüsse sind: die Reuß, Muota, Engelberger Aa und Sarner Aa. Die einzige Insel, welche im See liegt, ist Altstad, zwischen dem Luzerner und Küßnachter See. Von Fischen finden sich im V. namentlich Lachse, Forellen, Welse, Ballen und Röteln. Da der See ein Stück der Gotthardroute bildet, so ist der Verkehr auf demselben sehr belebt. Außer gewöhnlichen Segel- und Ruderschiffen (»Nauen«) wird derselbe von 14 Dampfschiffen befahren, darunter hübsche Salondampfer. Die Gotthardbahn erreicht den See bei Brunnen und begleitet das Ostufer des Urner Sees bis Flüelen. Besonders interessant ist der V. durch seine sagenhaften Erinnerungen (Rütli, Tellsplatte, Tellskapelle, Küßnacht), welche Schiller in seinem »Tell« verewigt hat. Oberhalb der Treib ragt aus dem V. der Mythenstein hervor, eine Felsklippe, an welcher (1859) »dem Sänger Tells die dankbaren Urkantone« ein Denkmal errichtet haben. Vgl. Hardmeyer, Der V. (Zürich 1884); Schleicher, Am V. (32 Bilder, mit Text von Brennwald, Luzern 1889).

Vierweghahn, ein Steuerungshahn, mittels dessen vier Rohrstücke abwechselnd paarweise miteinander verbunden oder gegeneinander abgeschlossen werden können. Vgl. Hahn, S. 1014.

Vierzehn Heilige, s. Nothelfer.

Vierzehnheiligen, 1) (Frankenthal) besuchter Wallfahrtsort im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Staffelstein, zur Gemeinde Grundfeld gehörig, gegenüber dem Kloster Banz, hat ein Franziskanerhospiz, eine schöne Kirche und reizende Aussicht auf das Mainthal. Die Kirche wurde nach den Visionen eines Schäfers, dem an jener Stelle viermal die 14 heiligen Nothelfer erschienen, 1446 erbaut, erlitt dann im Bauernkrieg 1525 und im Dreißigjährigen Krieg arge Verwüstungen und wurde 1743-72 ganz neu aufgeführt. -

2) Pfarrdorf im meining. Kreise Saalfeld, nordwestlich von Jena, ganz von weimarischem Gebiet eingeschlossen, mit 180 Einw.; denkwürdig als Mittelpunkt der Schlacht bei Jena (14. Okt. 1806). Vgl. Bohn, V. (Apolda 1859).

Vierzeile, persische, eine vierteilige Strophe, in welcher der erste, zweite und vierte Vers einerlei Reim haben, während der dritte ohne Reim bleibt. Die Verse haben ein und dasselbe Maß und dienen der Spruchdichtung.

Vierzig vom König, Spiel unter vieren mit Pikettkarte. Die Gegenübersitzenden sind verbündet; jeder erhält 8 Blätter, und der Geber schlägt das ihm gehörige letzte Blatt als Trumpf auf. As steht hinter dem Buben, sonst gilt natürliche Kartenfolge. Gewöhnlich spielt man rechts herum. Vor Ausspiel werden die »Cliquen« gemeldet, jedoch von jedem Spieler nur eine; wer die höchste Clique hat, markiert sie. Cliquen sind: 3 Buben (6 Points), 3 Damen (8 Points), 3 Könige (10 Points), 4 Buben (13 Points), 4 Damen (20 Points), 4 Könige (40 Points). Die Vorhand, nachdem sie eventuell gemeldet, spielt aus, und es muß Farbe bedient, aber nicht zwangsweise überstochen werden. Diejenige Partei, welche die meisten Points hat, gewinnt; Points zählen aber nur die Bilder (König, Dame 4, Bube 3), so daß die Parteien streben müssen, solche in die Stiche zu bekommen. Die Partie rechnet man bis 150.

Vierzon (spr. wjärsóng, V.-Ville), Stadt im franz. Departement Cher, Arrondissement Bourges, an der Mündung der Yèvre in den Cher und am Kanal von Berry, Knotenpunkt der Linien Orléans-Agen und V.-Saincaize der Orléansbahn, hat bedeutende Fabrikation von Porzellan, Glas und Leder und (1886) 10,514 Einw. Nahe dabei V.-Village, mit Spitzenfabrikation, Drahtzieherei und (1886) 1405 Einw.

Viesch (auch Fiesch), Ortschaft im schweizer. Kanton Wallis, wo das Weißwasser, der Abfluß des Viescher Gletschers, in den Rhône mündet, mit (1888) 393 Einw. Der Eisstrom und sein Firn führen ganz in die Hochgebirgswelt des Finsteraarhorns hinan, so auch zu den Walliser und Grindelwalder Viescher Hörnern (3905, resp. 4047 m).

Vieselbach, Dorf im Großherzogtum Sachsen-Weimar, Verwaltungsbezirk Weimar I, an der Bahnlinie Neudietendorf-Weißenfels, 225 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine Pumpen- und Spritzenbauanstalt und 850 Einw.

Viëste, Stadt in der ital. Provinz Foggia, an der Ostküste der Garganohalbinsel gelegen, mit kleinem, aber für die Küstenfahrer seiner Lage wegen wichtigem Hafen, in welchem 1887: 641 Schiffe mit 87,607 Ton. eingelaufen sind, und (1881) 7003 Einw.

Viētri sul Mare, Stadt in der ital. Provinz Salerno, in schöner, durch die Berge im N. geschützter Lage an der Eisenbahn Neapel-Salerno, Ausgangspunkt der herrlichen Straße nach Amalfi, besteht aus der höher gelegenen Stadt und der Marina an der Bucht von Salerno, hat eine Baumwollspinnerei und -Weberei, einen Hafen und (1881) 4002 Einw.

Vietsbohne, Vits- oder Stangenbohne, s. Bohne.

Vietz, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Landsberg, am Warthebruch und an der Linie Berlin-Schneidemühl, hat eine evang. Kirche, ein Eisenwerk, eine Dampfsägemühle, Ziegelbrennerei und (1885) 4136 Einw.

Vieux Saxe (spr. wjöh ssacks), Meißener Porzellan aus dem 18. Jahrhundert.

Vieuxtemps (spr. wjötāng), Henri, Violinspieler und Komponist, geb. 20. Febr. 1820 zu Verviers in Belgien, erhielt seine Ausbildung in Brüssel durch de Bériot, begann schon als 13jähriger Knabe mit Erfolg zu konzertieren, machte während der Jahre 1833 und 1834 in Wien gründliche Kompositionsstudien unter Sechters Leitung, die er später in Paris unter Reicha zum Abschluß brachte, und war in der Folge, mit Ausnahme der Jahre 1846-52, zu welcher Zeit er in Petersburg als Kammervirtuose und Soloviolinist angestellt war, beständig auf Kunstreisen. 1866 ließ er sich in Paris nieder, folgte jedoch 1870 einem