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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vigoroso; Vihiers; Vihuye; Vikar; Vikomte; Viktor; Viktor Amadëus; Viktor Emanuel

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Vigoroso - Viktor Emanuel.

Vigoroso (vigorosamente, ital.), musikal. Vortragsbezeichnung: mit kräftigem, starkem Vortrag.

Vihiers (spr. wi-ieh), Dorf im franz. Departement Maine-et-Loire, Arrondissement Saumur, mit Schloß, Viehhandel und (1881) 1745 Einw. Hier 18. Juli 1793 Sieg des Vendéeheers über den republikanischen General Chalbot.

Vihuye, Bad und klimatischer Kurort im ungar. Komitat Bars (310 m ü. M.), liegt, von Tannenwäldern umgeben, im Granthal, ist Eigentum der Stadt Schemnitz und hat bei Blutarmut, Frauen und Nervenleiden besonders wirksame Eisenthermen (39° C.) und eine Kaltwasserheilanstalt.

Vikar (lat. Vicarius), Stellvertreter, Verweser eines Amtes, so: kaiserliche Vikare, im Mittelalter die Statthalter in den italienischen Städten; Reichsvikare, in Deutschland die nach dem Tod eines Kaisers bis zur Wahl eines neuen das Amt des Kaisers verwaltenden Fürsten; Vikare des Papstes (Großvikare) müssen Kardinäle sein; Vikare des Stifts, des Kapitels, der Domherren, an Stiftskirchen die an der Stelle der Domherren Fungierenden; apostolischer V. (Vicarius apostolicus), der Stellvertreter des Papstes in Missionsgebieten, in welchen kein Bischof seinen Sitz hat (Bischof in partibus infidelium oder bloß in partibus). In England führen den Namen Vikare (Vicars) die Geistlichen, deren Einkünfte, ehedem mit Stiftern verbunden, (noch jetzt) der höhern Geistlichkeit zufallen, während die Vikare selbst nur den sogen. Zehnten empfangen. In Deutschland werden junge Geistliche, welche einem bejahrten, erkrankten oder sonst behinderten Geistlichen zur Vertretung beigegeben sind, Pfarrvikare (Substituten) genannt.

Vikomte (franz., spr. wikómt, engl. Viscount, ital. Visconte, v. lat. Vicecomes), eigentlich Stellvertreter eines Grafen, jetzt in England und Frankreich Titel für den zwischen Baron und Graf stehenden Adligen; eine Bezeichnung, die in Frankreich 819 zum erstenmal vorkommt und wahrscheinlich durch die Normannen in England eingeführt wurde. Häufig führt in Frankreich der älteste Sohn eines Grafen oder Marquis den Titel V.

Viktor (lat., »Sieger«), Name mehrerer Päpste: 1) V. I., ein Afrikaner, hatte den röm. Stuhl 193-202 inne, beteiligte sich am Osterstreit, exkommunizierte das Haupt der Monarchianer und starb den Märtyrertod. Er wurde heilig gesprochen; sein Gedächtnistag ist der 28. Juli. -

2) V. II., früher Bischof Gebhard von Eichstätt, Verwandter und Freund des Kaisers Heinrich III., wurde 1054 Nachfolger Leos IX., bemühte sich, dem Verkauf der klerikalen Würden und der Kirchengüter sowie dem unsittlichen Leben der Geistlichen zu steuern; starb 28. Juli 1057 in Florenz. -

3) V. III., früher Desiderius, Sohn des Fürsten von Benevent, geb. 1027, wurde 1056 Abt von Monte Cassino, 1059 Kardinalpresbyter und 1086 gegen seinen Willen als Nachfolger des ein Jahr zuvor gestorbenen Gregor VII. zum Papst erwählt. Er setzte den Streit mit Heinrich IV. und dem Gegenpapst Clemens III. fort und bekämpfte die Sarazenen in Afrika mit vielem Glück, starb aber schon 16. Sept. 1087 in Monte Cassino. -

4) V. IV., früher Octavianus, aus der Familie der Grafen von Tusculum, seit 1138 Kardinal, ward 1159 von einem Teil der Kardinäle gegen Alexander III. zum Papst erwählt, vom Kaiser Friedrich I. anerkannt und beschützt; starb 1164 in Lucca.

Viktor Amadëus, Herzöge von Savoyen und Könige von Sardinien. 1) V. I., Herzog von Savoyen, Sohn Karl Emanuels I., geb. 8. Mai 1,87, ward am spanischen Hof erzogen, folgte 1630 seinem Vater in der Regierung und starb 7. Okt. 1637.

2) V. II., geb. 14. Mai 1666, folgte seinem Vater Karl Emanuel H. als Herzog von Savoyen 12. Juni 1675 unter Vormundschaft seiner Mutter, trat aber bereits 1680 die Regierung selbständig an. Durch seine Vermählung mit einer Nichte Ludwigs XIV. von Frankreich kam er in große Abhängigkeit von Frankreich, wußte sich aber durch gewandte, schlaue Politik nach und nach aus derselben zu befreien. Während des Kriegs der europäischen Koalition gegen Frankreich 1688-97 stand er 1690-1696 auf der Seite von dessen Gegnern. Beim Ausbruch des spanischen Erbfolgekriegs trat er mit Frankreich in ein offenes Bündnis, indem er eine seiner Töchter an Philipp V. von Spanien verheiratete, unterhandelte aber zugleich heimlich mit Österreich und ward hierdurch in einen neuen Krieg mit Frankreich verwickelt, in welchem fast sein ganzes Land in die Hände der Franzosen fiel. Trotz spätern größern Kriegsglücks war er der erste, welcher mit Frankreich den Frieden zu Utrecht abschloß, durch den er die Insel Sizilien als Königreich erhielt; doch mußte er dies 1720 gegen Sardinien umtauschen. Er verwandte große Sorgfalt auf die Verbesserung der Verhältnisse seiner Staaten, reorganisierte die Akademie zu Turin und gab ein neues Gesetzbuch (Codex Victorianus), bedrückte aber wiederholt die Waldenser. Im September 1730 resignierte er zu gunsten seines Sohns Emanuel und zog sich nach Chambéry zurück, kehrte aber schon im Oktober 1731 nach Turin zurück und erklärte sich aufs neue zum König. Sein Sohn ließ ihn jedoch gefangen nehmen und auf das Schloß Rivoli bringen, wo er 30. Okt. 1732 starb. Vgl. Cerutti, Storia del regno di Vittorio Amadeo II (Tur. 1856); Parri, Vittorio Amedeo II ed Eugenio di Savoia (Mail. 1888).

3) V. III. (II.), Sohn Karl Emanuels III., geb. 26. Juni 1726 zu Turin, trat die Regierung 1773 an, war einer der heftigsten Gegner der französischen Revolution, nahm die Emigranten auf und schloß sich der ersten Koalition an, ward aber 1795 und 1796 besiegt und mußte im Frieden 15. Mai 1796 große Kontributionen zahlen und Land abtreten. Er starb 16. Okt. 1796. Vermählt war er mit Maria Antoinette, Tochter König Philipps V. von Spanien.

Viktor Emanuel, 1) V. I., König von Sardinien, zweiter Sohn des Königs Viktor Amadeus III., geb. 24. Juli 1759, führte den Titel »Herzog von Aosta«, studierte die Kriegskunst und vermählte sich 1789 mit der Prinzessin Therese, Tochter des Erzherzogs Ferdinand. Gegen die französische Revolution erklärte er sich sehr entschieden, stellte sich nach erfolgter Kriegserklärung von 1792 an die Spitze des piemontesischen Heers, drängte die Franzosen bei Gilette in der Grafschaft Nizza zurück und rückte bis an die Mündung des Var vor, mußte aber in die Alpenpässe zurückweichen. Als der Turiner Hof 1796 mit Bonaparte Unterhandlungen anknüpfte, zog er sich in das südliche Italien zurück. Durch die Abdankung seines ältern Bruders, Karl Emanuel II. (4. Juni 1802), ward er König über den Rest der Monarchie, die Insel Sardinien. Der Pariser Friede vom 30. Mai 1814 gab ihm Piemont, Nizza und halb Savoyen, der Pariser Traktat vom 20. Nov. 1815 den übrigen Teil Savoyens zurück, und der Wiener Kongreß vereinigte Genua mit der sardinischen Monarchie. Die reaktionäre Politik Viktor Emanuels brachte endlich 10. März 1821 die Revolution zum