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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Villette, La; Villeurbanne; Villĭcus; Villiers sur Marne; Villingen; Villmar

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Villette, La - Villmar.

ließ, um deren Marsch aufzuhalten. Das 25. Regiment erstürmte V. und bewirkte, daß Bourbaki seinen Marsch unterbrach und bedeutende Truppenmassen nach V. warf, vor denen sich die Deutschen, da ihr Zweck erreicht war, in der Nacht zum 10. Jan. wieder zurückzogen. Ihr Verlust betrug 27 Offiziere und 619 Mann.

Villette, La (spr. wilett), nordöstlichster Stadtteil von Paris, zum 19. Arrondissement gehörig, ehemals zwei Flecken (La Grande V. und La Petite V.) mit vorwiegender Arbeiterbevölkerung, zahlreichen Fabriken, dem Viehmarkt und den Schlachthäusern von Paris und dem großen Bassin des Ourcqkanals.

Villeurbanne (spr. wilörbann), Flecken im franz. Departement Rhône, Arrondissement Lyon, östlich von Lyon, an der Eisenbahn Lyon-St.-Genix, ganz von der Lyoner Industrie abhängiger Industrieort mit (1886) 13,104 Einw.

Villĭcus (lat.), bei den alten Römern der Meier, Verwalter eines Gutes, gewöhnlich ein Sklave oder Freigelassener, der die Aufsicht über die Arbeitssklaven des Gutes hatte.

Villiers sur Marne (spr. wilĭeh ssür márn), Dorf im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Corbeil, am linken Marneufer, zwischen Brie und Champigny an der Ostbahn gelegen, mit einem Fort der neuen äußern Befestigungslinie von Paris und 920 Einw. Hier fanden 30. Nov. und 2. Dez. 1870 heftige Kämpfe zwischen der Pariser Armee und den Deutschen statt, welche man unter dem Namen der Schlacht von V. zusammenfaßt. Nach einem zwischen Trochu und Gambetta verabredeten Plan sollte General Ducrot, Befehlshaber der zweiten Pariser Armee, einen großen Ausfall machen, die östliche Zernierungslinie durchbrechen, nach Fontainebleau abmarschieren und dort mit der von Orléans hervordringenden Loirearmee sich vereinigen, worauf dann beide Armeen umkehren, sich auf die Zernierungsarmee werfen und diese zwischen zwei Feuer bringen sollten. Nachdem an den vorhergehenden Tagen kleinere Ausfälle an verschiedenen Punkten der Zernierungslinie stattgefunden hatten, um die deutsche Heeresleitung irre zu führen, erfolgte am Morgen des 30. Nov. der große Ausfall gegen das an der Marne gelegene Plateau von V., das von der württembergischen Division besetzt war, zu deren Unterstützung die 24. (sächsische) Division die Marne zu überschreiten gerade im Begriff war. Mit 3 Armeekorps (über 100,000 Mann) ging Ducrot auf 8 Brücken über die vielfach gekrümmte Marne und warf sich auf die Dörfer Brie und Champigny in dem Augenblick, in dem eben die mit den Örtlichkeiten noch unbekannten Sachsen die dortigen Vorposten bezogen hatten. Die Dörfer wurden genommen und die Zernierungstruppen in die Linie V.-Coeuilly zurückgedrängt. Die Kanonen der Forts Rosny und Nogent und die des erst am 28. Nov. von den Franzosen besetzten und stark armierten Mont Avron unterstützten den Ausfall und fügten den Deutschen große Verluste zu. Dennoch wurden alle weitern Angriffe der Franzosen zurückgeschlagen und jene wichtige Linie behauptet. Der Feind zog sich abends nach Champigny und Brie zurück, hielt diese Dörfer besetzt und führte den größten Teil der Truppen auf das rechte Marneufer zurück. Der Durchbruchsversuch war mißlungen und wurde 1. Dez. nicht erneuert. Aber die beiden Dörfer mußten um jeden Preis den Franzosen entrissen werden. Daher wurden schon 1. Dez. von dem deutschen Hauptquartier starke Truppenmassen in dem Abschnitt zwischen Seine und Marne konzentriert (das 2. Korps, die 24. Division, die württembergische Division und die 21. Brigade des 6. Korps) und dem Kommandeur des 12. Korps, Prinz Georg von Sachsen, die Vertreibung der Franzosen über die Marne befohlen. Am 2. Dez. morgens 7 Uhr gingen die Württemberger gegen Champigny, die Sachsen gegen Brie vor. Jene drangen in das Dorf ein, hatten dort einen furchtbaren Kampf zu bestehen, kamen aber bis in die Mitte des Dorfs und behaupteten diese Stellung, von preußischen Bataillonen unterstützt. Die Sachsen nahmen Brie, litten aber sehr durch das Feuer der Forts und mußten abends das in einen Trümmerhaufen zusammengeschossene Dorf räumen. Die Franzosen hatten auch das Plateau von V. von neuem angegriffen. Der Kampf wurde hier bis nach Einbruch der Dunkelheit mit außerordentlicher Heftigkeit geführt, und deutscherseits wurde fast das ganze 2. Korps in denselben gezogen; schließlich behaupteten die Deutschen die Stellung Noisy le Grand-V.-Coeuilly. Der Feind hatte beim Einbruch der Nacht die Trümmer von Brie und die eine Hälfte von Champigny noch im Besitz, konnte aber diese vorgeschobene Stellung nicht lange halten. Er brachte den 3. Dez. unter Geschützfeuer und kleinen Scharmützeln hin, räumte in der folgenden Nacht und am Morgen des 4. beide Dörfer, ging mit sämtlichen Truppen auf das rechte Marneufer zurück und brach die Brücken hinter sich ab. Die Franzosen hatten an den beiden Schlachttagen einen Gesamtverlust von 10-12,000 Mann, darunter gegen 1600 Gefangene; die Deutschen verloren 270 Offiziere und 5500 Mann. Übrigens wäre der französische Plan, auch wenn Ducrot der Durchbruch gelungen wäre, gescheitert, da die Loirearmee zurückgeworfen worden war und die Franzosen im offenen Feld von überlegenen deutschen Streitkräften angegriffen worden wären. Vgl. v. Niethammer, Die Schlacht bei V. (Stuttg. 1881).

Villingen, Kreis- und Bezirksamtsstadt im Großherzogtum Baden, auf einer Hochebene des Schwarzwaldes und an der Brigach, Knotenpunkt der Linien Offenburg-Singen der Badischen und Plochingen-V. der Württembergischen Staatsbahn, 706 m ü. M., hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen (darunter das stattliche gotische Münster zu Unsrer lieben Frau aus dem 13. Jahrh. und die byzantinische Altstadtkirche aus dem 11. Jahrh.), ein altes Rathaus mit Sammlung von Altertümern, ein Realgymnasium, eine Gewerbe- und Musikschule, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Amtsgericht, eine Bezirks- und eine städtische Forstei, ein Hammerwerk, Glockengießerei, bedeutende Fabrikation von Uhren und Musikwerken, Metalltuch- und Seidenbandweberei, Gerberei, Majolika-, Tuch- und Düngemehlfabrikation, Bierbrauerei, mechanische Werkstätten, zahlreiche Säge- und Mahlmühlen, Getreide- und Mehlhandel und (1885) 6140 meist kath. Einwohner. Dabei die Ruinen Kürneck, Warenburg und Schlößlebühl und auf der Wanne ein eiserner Aussichtsturm. V., die alte Hauptstadt der Landschaft Baar, ward vom Herzog Berthold III. von Zähringen gegründet, gehörte später zum österreichischen Breisgau (Vorderösterreich) und kam 1803 an Baden. Der Kreis V. umfaßt 1066 qkm (19,36 QM.) mit (1885) 70,323 Einw.

Villmar, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis, an der Lahn und der Linie Frankfurt-Oberlahnstein-Lollar der Preußischen Staatsbahn, hat eine kath. Kirche, bedeutende Marmorbrüche, Marmorschleiferei und Marmorwarenfabrikation, Kalksteinbrüche, Bergbau auf Eisenstein und (1885) 2077 Einw.