Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vindelizĭen; Vindex; Vindhya; Vindicta; Vindikation; Vindobōna; Vinĕa; Vinĕis; Vinet; Vinēta; Vinette; Vinga

216

Vindelizien - Vinga.

auf dem Stammgut Ostenwalde im Hannöverschen, das ihm 1846 durch den Tod seines Vetters, des Geschichtsforschers Ernst Ludwig von V., zufiel. Er starb 3. Juni 1875 in Bad Oeynhausen.

4) Gisbert, Freiherr von, Dichter, Bruder des vorigen, geb. 6. Sept. 1813 auf dem Gut Haus-Busch bei Hagen, studierte in Heidelberg und Berlin die Rechte, war, nachdem er verschiedene Stellungen bekleidet, 1846-60 bei der Regierung in Münster thätig, ließ sich dann zu Freiburg i. Br. nieder, wo er, litterarisch beschäftigt, noch gegenwärtig lebt. Außer Übertragungen aus dem Englischen (»Rose und Distel«, 2. Aufl., Weim. 1865) und Bearbeitungen Shakespearescher (»Ende gut, alles gut«, »Maß für Maß«, »Cymbeline«, »Antonius und Kleopatra« etc.) sowie Calderonscher Dramen (»Tochter der Luft«, 1875; »Das Leben ein Traum«, 1883) veröffentlichte er: »Gedichte« (2. Aufl., Iserl. 1863); »Sagen und Bilder aus Westfalen« (Berl. 1857); »Im Bann der Jungfrau«, Novellen (2. Aufl., Hannov. 1873, 3 Bde.); »Lustspiele« (Münst. 1869; neue Folge, Freiburg 1881); »Reisegeschichten, Novellen in Versen« (Münst. 1869); »ABC für Haus und Welt« (3. Aufl., das. 1880); »Ein kleines Sündenregister« (3. Aufl., Freiburg 1884) u. »Alte Geschichten« (Münst. 1887, 2 Bde.).

Vindelizĭen, die Hochebene zwischen Donau und Alpen, Inn und Bodensee, die den Römern wegen ihres rauhen Klimas für ebenso nördlich gelegen galt wie Nordgallien und von den vier keltischen Stämmen der Licates, Catenates, Cosuanetes und Rucinates bewohnt wurde, welche den gemeinsamen Namen Vindelici führten. Das Land wurde 15 v. Chr., zu derselben Zeit, als Drusus Rätien unterwarf, von Tiberius unterjocht, zu Rätien geschlagen und erst unter Diokletian als Raetia secunda wieder davon getrennt. Tiberius hatte einen großen Teil der jungen Mannschaft weggeführt und römische Besatzungen im Land zurückgelassen. Der Hauptort war Augusta Vindelicorum (das heutige Augsburg), das frühzeitig emporblühte; eine Reihe befestigter Orte schützte die Donau von der Quelle bis Regina Castra (Regensburg); weiter östlich lagen noch die befestigten Orte Sorviodurum (Straubing) und Bojodurum, das als Standort einer batavischen Truppe den Namen Castra Batava (Passau) erhielt. Nach dem Sturz der römischen Herrschaft nahmen germanische Bajuvaren das Land östlich, Sueven und Alemannen das Land westlich vom Lech in Besitz und verdrängten die vorgefundenen Kelten. S. Karte »Germanien etc.«

Vindex, Gajus Julius, röm. Statthalter von Gallia Lugdunensis, aus einem aquitanischen Fürstengeschlecht, empörte sich 68 n. Chr. gegen Nero und rief Galba zum Kaiser aus, wurde aber vom Statthalter von Germania prima, Verginius Rufus, geschlagen und gab sich selbst den Tod.

Vindhya, Gebirge, s. Windhya. ^[richtig: Windhyagebirge.]

Vindicta (lat.), bei den Römern der Stab, mit welchem man die Sklaven berührte, die freigelassen werden sollten; dann s. v. w. Rache oder Bestrafung, auch Schutz, Verteidigung.

Vindikation (lat.), im Rechtswesen das Zurückfordern von Eigentum; daher Vindikationsklage, s. v. w. Eigentumsklage (s. Rei vindicatio). Vindizieren, etwas für sich oder einen andern in Anspruch nehmen, die Herausgabe einer Sache verlangen.

Vindobōna, Stadt, s. Wien.

Vinĕa (lat.), Weinlaube; auch eine hölzerne, leichte und tragbare Hütte, etwa 5 m lang, welche bei den Belagerungen der alten Römer dazu diente, die Soldaten bei Erdarbeiten zu decken.

Vinĕa, Francesco, ital. Maler, geb. 1845 zu Forli, bildete sich auf der Akademie in Florenz zum Genremaler aus und lebt daselbst als Professor. Er malt zumeist Genrebilder mit Figuren in Kostümen des 17. und 18. Jahrh. in der Art Fortunys, welche ebensosehr durch glänzende, bunte, edelsteinartig leuchtende Färbung wie durch Lebendigkeit der Darstellung, Schärfe der Charakteristik und kecken Humor ausgezeichnet sind. Gelegentlich malt er auch Einzelfiguren aus dem modernen Volksleben mit geistreichem, schummerigem Kolorit. Seine Hauptwerke sind: nach der Toilette, der Maler, die Liebeserklärung im Keller, das Blumenmädchen, die Plauderei, ein Hoch der Schönsten, in der Osteria, der Windstoß, Da bin ich, Eifersucht.

Vinĕis, Petrus de, s. Petrus de Vineis.

Vinet (spr. winâ), Alexandre Rodolphe, protest. Theolog und Literarhistoriker, der klassische Vertreter der Lehre von der Trennung der Kirche vom Staat, geb. 17. Juni 1797 zu Ouchy im Waadtland, studierte zu Lausanne, ward 1817 Professor der französischen Sprache und Litteratur am Gymnasium, 1835 auch an der Universität zu Basel und 137 Professor der Theologie an der Akademie zu Lausanne. 1840 trat er infolge der Umgestaltung der waadtländischen Kirche aus der Landeskirche, 1845 nahm er infolge eines Siegs des politischen Radikalismus im Kanton seinen Abschied als Professor u. wurde der intellektuelle Urheber der freien Kirche im Waadt (s. d.); er starb 4. Mai 1817 in Clarens bei Vevey. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: »Mémoire en faveur de la liberté des cultes« (Par. 1826; deutsch, Leipz. 1843); »Discours sur quelques sujets religieux« (1831, 6. Aufl. 1862; deutsch, Hamb. 1856) und »Nouveaux discours, etc.« (4. Aufl. 1860); »Sur la séparation de l'Église de l'État« (Par. 1842; deutsch, Heidelb. 1845); »Études évangeliques« (2. Aufl. 1861; deutsch, Zwick. 1863) und »Nouvelles études« (2. Aufl. 1862); »Études sur Blaise Pascal« (1848, 3. Aufl. 1876); »Théologie pastorale« (1850, 3. Aufl. 1889; deutsch, Leipz. 1852); »Homilétique« (1853, 2. Aufl. 1873; deutsch, Bas. 1857); »Études sur la littérature française au XIX. siècle« (1849-51, 3 Bde.; 2. Aufl. 1857); »Histoire de la littérature française au XVIII. siècle« (1853, 2 Bde.; 2. Aufl. 1876); »Moralistes des XVI. et XVII. siècles« (1859); »Poëtes du siècle de Louis XIV« (1862). Gesammelte kleinere Schriften erschienen als »Mélanges« (1869). Sein Briefwechsel wurde von Rambert herausgegeben (Laus. 1881). Vgl. Rambert, A. V., histoire de sa vie et de ses œuvres (3. Aufl., Par. 1880); Astié, Esprit d'A. V. (das. 1861, 2 Bde.); Chavannes, A. V. (Leiden 1883); Cramer, A. V. (das. 1883).

Vinēta (Wineta, »Wendenstadt«), berühmter wendischer Handelsplatz des Nordens auf der Insel Wollin, auch Julin oder Jumne genannt, das jetzige Wollin, blühte besonders im 10. und 11. Jahrh. und ward 1184 von den Dänen zerstört; auf dem sogen. Silberberg lag die 1043 zerstörte Wikingerfeste Jomsburg (s. d.). Nach der Sage soll V. durch ein Erdbeben oder eine Sturmflut untergegangen und ihre Trümmer unter dem Meer an der Küste Usedoms (bei Damerow) zu sehen sein. Untersuchungen durch Taucher haben keinen Anhalt für die Existenz einer vom Meer verschlungenen Stadt gegeben. Vgl. H. Müller, Hermanni Henrici ab Engelbrecht de Wineta commentatio (Marb. 1877).

Vinette (Vinata, ital.), Winzer oder Weinlied, Trinklied (im 16. Jahrh. aufgekommen).

Vinga, Stadt im ungar. Komitat Temes, an der