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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vis comica; Vischering; Viscin; Visconti

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Vischering - Visconti.

zum Theologen gebildet, 1830 Pfarrvikar in Horrheim bei Vaihingen, 1833 Repetent zu Tübingen, habilitierte sich 1836 selbst und wurde 1837 zum außerordentlichen, 1844 zum ordentlichen Professor für Ästhetik und deutsche Litteraturgeschichte daselbst ernannt, aber infolge seiner freimütigen Antrittsvorlesung (Tübing. 1844) sofort auf zwei Jahre suspendiert. 1848 in das Frankfurter Parlament gewählt, hielt er sich daselbst zur Linken, ging mit dem Reste desselben auch nach Stuttgart und folgte 1855 einem Ruf an das Polytechnikum in Zürich, gegen Ende 1866 einem gleichen an das Polytechnikum in Stuttgart, wo er bis 1877 wirkte. Er starb 14. Sept. 1887 in Gmunden am Traunsee. V. gehört (neben seinen Freunden und Geistesverwandten Strauß, Schwegler, Zeller u. a.) zu den durch Geist und Gelehrsamkeit hervorragendsten Vertretern der Hegelschen Schule, in deren Sinn er seine Fachwissenschaft, die Ästhetik, als Gehalts- im Gegensatz zu der innerhalb der Herbartschen Schule durchgeführten Formästhetik bearbeitete. Außer dem Hauptwerk: »Ästhetik, oder Wissenschaft des Schönen« (Stuttg. 1847-58, 3 Bde.), erschienen von ihm: »Über das Erhabene und Komische« (das. 1837); »Kritische Gänge« (Tübing. 1844, 2 Bde.; neue Folge, Stuttg. 1860-75, 6 Hefte), eine Sammlung kleinerer, meist kritischer Abhandlungen (der 5. u. 6. Band enthält die Selbstkritik seiner »Ästhetik«); »Goethes Faust. Neue Beiträge zur Kritik des Gedichts« (das. 1875); der Roman »Auch Einer; eine Reisebekanntschaft« (das. 1878, 4. Aufl. 1889); »Mode und Cynismus« (das. 1878, 3. Aufl. 1887); »Altes und Neues« (das. 1881-82, 3 Hefte; neue Folge 1889) und »Lyrische Gänge« (das. 1882, 2. Aufl. 1889). Unter dem Pseudonym Mystifizinsky schrieb er: »Faust. Der Tragödie dritter Teil« (Stuttg. 1862, 4. umgearb. Aufl. 1889), eine Satire auf den zweiten Teil des Goetheschen »Faust«; unter dem Namen Schartenmeyer: »Der deutsche Krieg 1870/71, ein Heldengedicht« (4. Aufl., Nördling. 1874) und anonym die beißenden »Epigramme aus Baden-Baden« (Stuttg. 1867). Auch verschiedene, zum Teil sehr populär gewordene satirische Gedichte werden als sein Werk bezeichnet. - Sein Sohn Robert, geb. 22. Febr. 1847, Professor der Kunstgeschichten der technischen Hochschule zu Aachen, schrieb: »Über das optische Formgefühl« (Stuttg. 1875); »L. Signorelli und die italienische Renaissance« (Leipz. 1879); »Studien zur Kunstgeschichte« (Stuttg. 1886). Vgl. Keindl, Fr. Th. V., Erinnerungsblätter (Prag 1888); v. Günthert, Fr. Th. V. (Stuttg. 1888); Frapan, Vischer-Erinnerungen (das. 1889).

2) Wilhelm, schweizer. Philolog und Historiker, geb. 30. Mai 1808 zu Basel, empfing seine Vorbildung im Fellenbergschen Institut in Hofwyl, studierte 1825-32 Philologie und Geschichte an den Universitäten Basel, Gens, Bonn, Jena und Berlin, wurde 1832 Lehrer am Pädagogium in Basel und 1835 außerordentlicher Professor der griechischen Sprache und Litteratur an der Universität daselbst und machte 1852-53 eine Reise nach Italien, Sizilien und Griechenland und 1862 eine zweite nach Griechenland und Kleinasien. Seit 1834 auch Mitglied des Großen Rats, wurde er 1867 in die Regierung gewählt, wo er als Präsident des Erziehungskollegiums das Erziehungswesen leitete, trat aber 1873 wegen Krankheit zurück und starb 5. Juli 1874. Er schrieb: »Erinnerungen und Eindrücke aus Griechenland« (Basel 1857), »Geschichte der Universität Basel« (das. 1860) und zahlreiche wertvolle Aufsätze historischen, archäologischen und epigraphischen Inhalts, die mit Vischers Lebensabriß von Gonzenbach als »Kleine Schriften« von Gelzer und A. Burckhardt gesammelt herausgegeben wurden (Leipz. 1877-78, 2 Bde.).

Vischering, s. Droste zu Vischering.

Viscin, s. Vogelleim.

Vis comica (lat.), die Kraft der Komik.

Visconti, berühmte alte lombard. Familie. Der lateinische Name Vicecomites und der italienische V. bedeuten Vizegrafen und bezeichnen daher ursprünglich ein Amt; vielleicht waren die V. die Stellvertreter des Kaisers in Mailand. Die V. selbst leiten ihren Ursprung von den Grafen von Angloria, angeblich Nachkommen der langobardischen Könige, ab. Der erste, dessen mit einiger Gewißheit Erwähnung geschieht, und zwar bei der Belagerung Mailands 1037 durch Kaiser Konrad II., war Heribrand (Eriprando). Sein Sohn Ottone, um 1075 Vizecomes des mailändischen Erzbistums, erschlug nach der Sage 1099 vor Jerusalem einen Sarazenen und wählte dessen Helmzierat, eine geflügelte, flammenspeiende Schlange, zum Wappen, das später alle V. führten. Er starb in Rom 1111 bei einem Aufstand gegen Heinrich V., indem er dem Kaiser aufs Pferd half. Von seinen Enkeln war der jüngere, Giovanni, Großvater Tebaldos de' V., der unter dem Namen Gregor X. 1271 Papst ward. Der ältere Enkel, Uberto, 1206 Oberhauptmann von Mailand, lag in beständiger Fehde mit der Familie della Torre. Dessen ältester Sohn, Ottone, geb. 1208 zu Ugogne, ward 1263 Erzbischof von Mailand. Als ihm Martin della Torre den Eintritt in Mailand verbot, warf sich Otto zum Parteihaupt auf, sammelte alle Ghibellinen um sich und bemächtigte sich Aronas. Sein Hauptunternehmen auf Mailand gelang indessen nicht; erst 1277 behielt er die Oberhand über die Torre. Er hinterließ 1295 die Herrschaft über Mailand seinem Neffen Matteo de' V., den er 1294 von Adolf von Nassau als Reichsvikar hatte anerkennen lassen. Derselbe ward 1302 vertrieben, kam aber 1311 durch Kaiser Heinrich VII. wieder zur Regierung und starb im Kirchenbann 1322, nachdem er die Regierung in die Hände seines Sohns Galeazzo niedergelegt, welcher, geb. 21. Jan. 1277, vom Kaiser 1313 zum Vikar von Piacenza ernannt ward. Derselbe wurde 1327 durch Ludwig den Bayern im Schloß zu Monza eingekerkert, erhielt zwar 1328 auf Fürbitten der Ghibellinenhäupter seine Freiheit, starb aber schon 6. Aug. Sein Sohn Azzo, geb. 1302, ward 1328 gegen eine Summe von 60,000 Gulden von Ludwig dem Bayern zum Reichsvikar in Mailand ernannt und bemächtigte sich nach und nach fast der ganzen Lombardei. Ihm folgte, da er kinderlos war, 1329 sein Oheim Lucchino, dritter Sohn von Matteo V., um 1287 geboren, der mit blutiger Strenge seine Herrschaft in Mailand befestigte und die Macht seines Hauses auch über Piemont und die Lunigiana ausdehnte, daneben auch ein Freund der Wissenschaften war, wie er denn mit Petrarca in Briefwechsel stand und selbst dichtete. Er starb 24. Jan. 1349. Sein Bruder Giovanni, seit 1328 Erzbischof von Mailand, regierte milder, erwarb Bologna durch Kauf und erhielt 1353 auch die Signorie von Genua. Die Wissenschaften hatten an ihm einen eifrigen Förderer; er war ein Bewunderer Dantes und Gönner Petrarcas. Ihm folgten 1354 seine drei Neffen Matteo II., Bernabo und Galeazzo II., welche Mailand und Genua gemeinschaftlich besaßen, das übrige unter sich teilten. Galeazzo II. empfing Como, Novara, Vercelli, Asti, Tortona und Alessandria und teilte nach Matteos Tod 1355 dessen Besitzungen (Bologna,