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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vitalitium - Viti Lewu.

Vitalĭtium (lat.), Lebensunterhalt, Leibgedinge.

Vitam impendĕre vero (lat.), »sein Leben dem Wahren opfern«, Citat aus Juvenal (Sat., IV, 91).

Vitelliānus (Vitalianus), Papst, aus Segni, bestieg 657 den römischen Stuhl, mischte sich als Gegner des Monotheletismus in den hierüber entbrannten Streit, mußte aber der kaiserlichen Partei nachgeben; starb 27. Jan. 672.

Vitellīn, s. Ei, S. 350.

Vitellĭus, Aulus, mit dem Beinamen Germanicus, röm. Kaiser, Sohn des Lucius V., geb. 15 n. Chr., hatte sich, gleich seinem Vater, durch Schmeichelei und niedrige Dienste die Gunst der Kaiser Tiberius, Caligula, Claudius und Nero erworben und wurde nach Neros Sturz von Galba mit dem Oberbefehl über die Legionen am Niederrhein betraut. Von diesen und von den am Oberrhein stehenden Legionen Anfang 69 zum Kaiser ausgerufen, schickte er zunächst einen Teil des Heers unter Cäcina und Valens nach Italien voraus, welche den Kaiser Otho, der inzwischen Galba gestürzt hatte, bei Bedriacum schlugen und dadurch V. den Weg nach Rom eröffneten. Hier gab er sich völlig der Trägheit und Schwelgerei hin, obgleich bereits Vespasianus in Palästina von den unter seinem Oberbefehl stehenden Legionen zum Kaiser ausgerufen worden war und sich mit den Vorbereitungen zum Kriege gegen ihn beschäftigte. In dessen Dienste drang Antonius Primus an der Spitze der pannonischen und mösischen Legionen in Italien ein, schlug das Heer des V. bei Cremona und eroberte darauf 21. oder 22. Dez. 69 auch Rom, da V. alle Anstalten zur Gegenwehr versäumte. In dem Blutbad bei Erstürmung der Stadt fand auch V. einen schimpflichen Tod.

Vitellum ovi, Eidotter.

Viterbo, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Rom, in vulkanischer Gegend an der Nordwestseite des Monte Cimino malerisch gelegen, an der Eisenbahn Attigliano-V., die »Stadt der schönen Brunnen und schönen Mädchen« genannt, Bischofsitz, hat eine alte Kathedrale (Säulenbasilika) mit den Grabmälern mehrerer Päpste, mehrere schöne Paläste (darunter der Palazzo Comunale mit einer Sammlung von etruskischen Altertümern und Gemälden, der Bischofspalast, in welchem von 1261 bis 1281 sechs Papstwahlen vor sich gingen), schöne Brunnen (darunter die Fontana Grande, von 1206, und die Fontana della Rocca, von Vignola, 1566), ein Gymnasium und Lyceum, eine technische Schule, Fabrikation von Tuch, Leder, Papier, Spielkarten, Zündhölzchen, Seife etc. und (1881) 15,279 Einw. In der Umgegend mehrere warme Quellen, insbesondere die Schwefelquelle Bulicame mit besuchten Bädern, die Wallfahrtskirche Madonna della Quercia, ein schöner Bau nach Bramantes Entwurf mit Terrakottareliefs von Luca della Robbia, das Städtchen Bagnaja mit der prächtigen, jetzt verödeten Villa Lante und die etruskischen Grabstätten von Castel d'Asso, Norchia, Bieda etc. Vgl. Ciampi, Cronache e statuti della città di V. (Flor. 1872).

Vitet (spr. witä), Ludovic, franz. Schriftsteller, geb. 18. Okt. 1802 zu Paris, studierte auf der Normalschule und beteiligte sich dann seit 1824 am »Globe«. Er war der erste in der französischen Litteratur, welcher in seinen »Scenes historique« (1826 bis 1829, später vereinigt unter dem Titel: »La Ligue«, 1844, 2 Bde.) den Versuch machte, Zeitpunkte aus der vaterländischen Geschichte dramatisch darzustellen, ohne zur Geschichte etwas hinzuzudichten. Nach der Revolution von 1830 erhielt er die von Guizot geschaffene Stelle eines Generalinspektors der alten Denkmäler, 1834 die eines Generalsekretärs im Ministerium des Handels; 1836 ward er Staatsrat, 1838 Deputierter und 1845 Mitglied der Akademie. Vom Departement Niederseine 1849 in die Legislative gewählt, stimmte er hier mit der Majorität. Seit 1851 widmete er sich ausschließlich litterarischen Arbeiten, bis er 1871 in die Nationalversammlung gewählt wurde, wo er im rechten Zentrum eine hervorragende Rolle spielte. Er starb 5. Juni 1873. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: »Histoire des anciennes villes de France« (1833); »Histoire de Dieppe« (1833, 2. Aufl. 1844); »Fragments et mélanges« (1846, 2 Bde.); »Les états d'Orléans« (1849), neue historisch-dramatische Szenen, aber schwächer als die frühern; »Le Louvre et le nouveau Louvre« (1853, 2. Aufl. 1882); »L'académie royale de peinture et de sculpture« (1861, 2. Aufl. 1880); »Études sur l'histoire de l'art« (1864, 4 Tle.); »Lettres sur le siége de Paris« (1871); »Études philosophiques et littéraires« (1874); »Le comte Duchâtel« (1875).

Vitex L. (Mönchspfeffer, Müllen, Gewürzmüllen), Gattung aus der Familie der Verbenaceen, Bäume und Sträucher mit grauer Behaarung an den jungen Teilen, gefingerten, sehr selten einfachen Blättern, in blattwinkelständigen Scheindolden oder scheinbar endständigen Rispen stehenden Blüten und aus einem einzigen vierfächerigen Stein bestehender Steinfrucht. V. agnus castus L. (Keuschbaum, Schafmüllen, Keuschlamm, Abrahamsbaum), ein 2-3 m hoher, buschiger Strauch mit lang gestielten, gefingerten, durch seine Behaarung graugrünen Blättern und hellvioletten Blütenrispen, wächst in Südeuropa und im Orient am Meeresstrand und in feuchten Niederungen, besitzt in allen Teilen einen stark gewürzhaften Geruch, und die Samen schmecken bitterlich, pfefferartig scharf. Sie wurden seit alter Zeit statt des Pfeffers, wie noch jetzt in den Klöstern des Orients, benutzt. Sie sollen, wie alle Teile des Baums, den Geschlechtstrieb mäßigen. Die atheniensischen Frauen legten während des Festes der Thesmophorien Zweige dieses Strauchs in ihre Betten und bestreuten mit den Blättern ihre Sitze. Die Vestalinnen trugen Zweige des Keuschbaums in den Händen, und Hera soll unter einem solchen Strauch geboren sein. Die biegsamen Zweige wurden bei Römern und Griechen zu Kränzen benutzt und dienen noch jetzt in Griechenland zu allerlei Flechtwerk, Körben etc., wie bei uns die Weiden.

Viti, s. Fidschiinseln.

Vitĭges (Wittich), König der Ostgoten, ward 536 nach dem Sturz Theodats auf den Thron erhoben, belagerte 537-538 Belisar vergeblich in Rom, zog sich dann nach Ravenna zurück und ward nach dessen Übergabe 539 von Belisar gefangen genommen; da er sich in Konstantinopel zur Annahme des Athanasianischen Glaubensbekenntnisses verstand, erhielt er nebst reichen Gütern in Asien den Rang eines Senators und Patricius.

Viti Lewu (Groß-Fidschi), die größte Insel der Fidschigruppe, 11,600 qkm (211 QM.) mit ca. 50,000 Einw. Die Insel ist von Korallenriffen umgeben und hebt sich fast unmittelbar vom Meeresstrand zu Höhen von 1200 m (Voma, Mbuke Lewu); nur im südlichen Teil, wo die Rewa ein ansehnliches Delta angeschwemmt hat, dehnt sich Tiefland aus. Hier sind in den letzten Jahren zahlreiche Zuckerplantagen und Zuckerrohrmühlen entstanden. Von den zahlreichen Flüssen sind nur die Rewa und die Singatoka auf