Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vögel

244

Vögel (Sinnes-, Verdauungs-, Respirationsorgane).

füße (bei allen nur eine Zehe nach hinten, die übrigen mehr oder weniger durch Haut verbunden). Die Watbeine mit sehr langem Lauf heißen Stelzfüße (je nach der Verbindung der Vorderzehen durch Haut: geheftete und halbgeheftete); letztere ohne Hinterzehe sind Lauffüße. Sind die Zehen der Watbeine mehr oder minder vollständig durch Haut verbunden, so hat man halbe oder ganze Schwimmfüße, gespaltene Schwimmfüße, Lappenfüße und Ruderfüße.

Von den innern Organen übertrifft das Gehirn in Masse und Bau das Reptiliengehirn und erfüllt vollständig die Schädelhöhle, doch entbehren die großen Hemisphären noch der Windungen an ihrer Oberfläche. Unter den Sinnesorganen erreichen die Augen eine hohe Ausbildung. Ihre geringe Beweglichkeit wird durch die große des Halses und Kopfes ersetzt; stets ist eine Nickhaut vorhanden. Neben der Schärfe des Sehvermögens ist besonders die Akkommodationsfähigkeit entwickelt. Die Öffnung des Gehörorgans ist häufig von einem Kranz größerer Federn umstellt und bei den Eulen von einer häutigen, ebenfalls mit Federn besetzten Klappe, einer rudimentären äußern Ohrmuschel, überragt. Die beiden Nasenöffnungen liegen der Wurzel des Oberschnabels mehr oder minder genähert, sind zuweilen von steifen Haaren verdeckt und geschützt, bei den Sturmvögeln röhrenartig verlängert. Übrigens ist der Geruchssinn sehr viel weniger ausgebildet als Gehör und Gesicht, und auch der Geschmack steht auf niederer Stufe, weil die Zunge fast in allen Fällen nur an ihrer Basis weich bleibt. Das Gefühl vermitteln wohl nur Schnabel und Zunge; ersterer erhält unter Umständen eine Bekleidung mit einer sehr nervenreichen Haut. Die Verdauungsorgane sind im allgemeinen einfach und ziemlich übereinstimmend gebaut. Statt eingelagerter Knochenzähne sind die Kiefer von einer festen Hornscheide überdeckt und zum Schnabel ausgezogen (Fig. 3). Während der Oberschnabel aus der Verwachsung von Zwischenkiefer, Oberkiefer und Nasenbeinen gebildet ist, entspricht der Unterschnabel den beiden Unterkieferästen. Beim Öffnen des Schnabels bewegt sich infolge der eigentümlichen Einlenkung desselben am Schädel nicht nur der Unterschnabel nach abwärts, sondern auch die Spitze des Oberschnabels ein wenig nach aufwärts. Die Form des Schnabels ist eine sehr verschiedene und steht immer in enger Beziehung zur Art der Nahrung, welche der Vogel genießt. Auch die Zunge ist sehr vielgestaltig. Bei Raubvögeln und Papageien ist sie breiter und weicher, bei insekten- und körnerfressenden Vögeln härter und schmäler. Zuweilen ist sie an der Spitze pinselförmig, oder die Seitenränder sind mit Borsten oder die ganze Oberfläche ist mit rückwärts gerichteten Papillen besetzt. Beim Spechte trägt die Spitze hornige Hakenzähne und kann bei ihm sowie bei den Kolibris rasch aus dem Mund herausgeschnellt werden, um die Nahrung zu ergreifen. In einzelnen Fällen ist sie verkümmert. Die Mundhöhle, welche bisweilen einer außerordentlichen Ausdehnung fähig ist, auch wohl mit einem mehr oder weniger weit am Hals hinabreichenden Blindsack, einer Art oberem Kropf, in Verbindung steht, nimmt das Sekret zahlreicher Speicheldrüsen auf. Die muskulöse Speiseröhre (Fig. 4) bildet bei Raubvögeln und größern Körnerfressern eine kropfartige Erweiterung, in welcher die Speisen erweicht und zur leichtern Verdauung verändert werden. Zwei kleine rundliche Nebensäcke am Kropf der Tauben sondern zur Brutzeit einen käsigen, zum Atzen der Jungen dienenden Stoff ab. An dem Magen unterscheidet man den drüsenreichen Vormagen, der nur eine Fortsetzung der Speiseröhre vorstellt, und den Muskelmagen, welcher sich wie ein Blindsack daran anschließt und namentlich bei Körnerfressern als Kauorgan wirkt. Hierzu ist er durch den Besitz von zwei festen Reibeplatten, welche durch starke Muskeln bewegt werden, vorzüglich geeignet, zumal wenn mit der Nahrung zugleich kleine Steinchen verschluckt werden und gewissermaßen als Mühlsteine dienen. Der Dünndarm übertrifft die Körperlänge meist nur um das Drei- bis Vierfache; seine Länge richtet sich nach der Nahrung; am Dickdarm sind meist zwei oft sehr lange Blindschläuche vorhanden; die Ausmündung des Darms erfolgt in die auch den Harn und die Geschlechtsstoffe aufnehmende Kloake. Die Leber ist zweilappig; die Gallenblase fehlt nur in seltenen Fällen. Die Bauchspeicheldrüse ist groß und mündet mit zwei oder drei Gängen in den Zwölffingerdarm ein. Die Milz sowie die am Hals gelegenen Blutdrüsen (Thymus und Thyroidea) fehlen nie. Das Herz besteht aus vier vollständig voneinander getrennten Abteilungen, zwei Kammern und zwei Vorkammern, und liegt in der Mittellinie der Brust, von einem derbhäutigen Herzbeutel umschlossen. Der Herzschlag wiederholt sich bei der lebhaften Atmung schneller als bei den Säugetieren. Da das Zwerchfell wenig entwickelt ist, so gelangt die Brusthöhle nicht zur völligen Sonderung und geht direkt in die Bauchhöhle über. Die Respirationsorgane zeigen eine der äußerst aktiven Bewegungsweise und dem dadurch gesteigerten Atembedürfnis entsprechende Einrichtung. Die hinter der Zungenwurzel befindliche Kehlritze führt in eine lange Luftröhre; der ihren Anfang bildende obere Kehlkopf ist für die Stimmbildung unwesentlich, dagegen findet sich bei fast allen Vögeln (ausgenommen Störche, Strauße und einige Geier) an der Teilungsstelle der Luftröhre in die Bronchien ein unterer Kehlkopf, der als Stimmorgan zur Verwendung kommt und besonders bei den Singvögeln sehr ausgebildet ist. Nicht selten verläuft die Luftröhre, vornehmlich beim männlichen Geschlecht, unter Biegungen und Windungen; auch bildet sie bisweilen Verengerungen und Erweiterungen. Die Lungen hängen nicht, wie bei den Säugetieren, frei in der geschlossenen Brusthöhle, sondern sind an deren Rückenwand angeheftet und an den Seiten der Wirbelsäule in die Zwischenräume der Rippen eingesenkt; auch sind sie nicht in Lappen geteilt. Von den in sie eintretenden Bronchien begeben sich mehrere Äste an die Vorderfläche und münden hier in die mit den Lungen in Verbindung stehenden Luftsäcke, welche anderseits mit den Lufträumen der Knochen kommunizieren. Die Luftsäcke selbst dienen sowohl zur Erleichterung des Vogels als auch als Luftreservoir zur Atmung, die direkt unter der Haut gelegenen als schlechte Wärmeleiter wohl zur Erhaltung der hohen Körpertemperatur (40° C.). Der Mechanismus der Atmung gestaltet sich wesentlich anders als bei den Säugetieren. Während bei diesen die Verengerung und Erweiterung der abgeschlossenen Brusthöhle vornehmlich durch die abwechselnde Zusammenziehung und Erschlaffung des Zwerchfellmuskels bewirkt werden, richtet sich beim Vogel die Weite des Brustkorbes, welcher nach der Bauchhöhle nicht abgeschlossen ist, nach der Entfernung des Brustbeins von der Wirbelsäule, und diese ändert sich durch Bewegungen der Rippen. Die großen, langgestreckten Nieren liegen in Vertiefungen des Kreuzbeins eingesenkt und zerfallen in Läppchen, von denen die Harnkanälchen entspringen. Niemals kommt es zur Bildung einer Harnblase. Die Harn-^[folgende Seite]