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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Voit; Voitsberg; Voiture; Vokābeln; Vokāle; Vokālharmonīe; Vokalisation; Vokalise; Vokālmusik

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Voit - Vokalmusik.

östlich vom Südwestende des Genfer Sees, im Calvaire, welcher einen umfassenden Rundblick gewährt, 1456 m hoch. Man erreicht die Spitze (¼ Stunde unterhalb zwei Hotels) von La Bergue aus in 2½ Stunden.

Voit, 1) August von, Architekt, geb. 17. Febr. 1801 zu Wassertrüdingen, bezog 1822 die Akademie in München, bildete sich in Italien und Frankreich weiter und ward 1841 an seines Lehrers Gärtner Stelle Professor an der Akademie und 1847 Oberbaurat. Er wendete in seinen Bauten mit Vorliebe den romanischen Stil an, den er nordgermanischen und italienischen Mustern nachbildete. Er baute das Rathaus zu Annweiler in der Pfalz, die Neue Pinakothek und den Industrieausstellungspalast in München, letztern ganz aus Eisen und Glas. V. starb 12. Dez. 1870 in München.

2) Karl von, Physiolog, Sohn des vorigen, geb. 31. Okt. 1831 zu Amberg in Bayern, studierte seit 1848 zu München und Würzburg Medizin, arbeitete, nach München zurückgekehrt, in Pettenkofers Laboratorium, machte 1854 das Staatsexamen und beschloß nun, sich der Physiologie zu widmen. Er ging 1855 nach Göttingen, machte sich in Wöhlers Laboratorium mit den Methoden der organischen Chemie vertraut und kehrte 1856 als Assistent Bischoffs nach München zurück. Er habilitierte sich 1857 an der dortigen Universität, ward 1860 außerordentlicher und 1863 ordentlicher Professor der Physiologie und Konservator der physiologischen Sammlung. 1885 wurde er zum Obermedizinalrat ernannt. Seine Arbeiten beziehen sich hauptsächlich auf den Stoffumsatz im Körper und die Ernährung. In der Cholerazeit 1854 wies er das Vorkommen großer Quantitäten von Harnstoff in den Geweben, den Muskeln, dem Gehirn etc. nach; auf Bischoffs Anregung wiederholte er dessen Arbeiten über die Ausscheidung des Harnstoffs bei Hunden und schrieb darüber seine Dissertation »Beiträge zum Kreislauf des Stickstoffs im tierischen Organismus«. Diese Arbeit gab die Veranlassung zum Studium der Eiweißzersetzung im tierischen Körper, deren wichtige Resultate er mit Bischoff in: »Die Gesetze der Ernährung des Fleischfressers« (Leipz. 1860) veröffentlichte. Hierdurch sowie durch das Werk »Über die Wirkung des Kochsalzes, des Kaffees und der Muskelbewegung auf den Stoffwechsel« (Münch. 1860) erlitten die Vorstellungen über den Ernährungsprozeß und über den Stoffverbrauch bei der Arbeit eine völlige Umwandlung. Weitere experimentale Arbeiten über den Eiweißumsatz, die Respiration und den gesamten Stoffwechsel führten zu wichtigen Resultaten für den Arzt und Landwirt, indem die Bedingungen des Ansatzes und der Abgabe von Eiweiß unter verschiedenen Umständen festgestellt wurden. Ebenso wurden die Zersetzungsprodukte der Kohlehydrate und des Fettes der Nahrung studiert. Zur Ausführung dieser Arbeiten diente der von Pettenkofer erbaute, zur Untersuchung am Menschen bestimmte große Respirationsapparat, dessen Benutzung beide Forscher seit 1861 zu gemeinschaftlicher Thätigkeit verband. Eine Übersicht seiner Forschungsresultate gibt die Festrede: »Über die Theorie der Ernährung« (Münch. 1868). In der letzten Zeit leitete V. umfassende Untersuchungen über die Kost in öffentlichen Anstalten ein und ermittelte Normen, welche für die Ernährung größerer Menschenmengen von höchster Bedeutung sind. Hierauf beziehen sich seine Schriften: »Über die Kost in öffentlichen Anstalten« (Münch. 1876) und »Untersuchung der Kost in einigen öffentlichen Anstalten« (das. 1877). Mit Buhl und Pettenkofer begründete er 1865 die noch jetzt von ihm (mit Kühne) herausgegebene »Zeitschrift für Biologie«, in welcher er die meisten seiner Arbeiten publizierte. Außerdem schrieb er: »Über die Entwickelung der Erkenntnis« (Münch. 1879); »Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung« (Bd. 6, 1. Abteilung von Hermanns »Handbuch der Physiologie«, Leipz. 1881).

Voitsberg, Stadt in Steiermark, Bezirkshauptmannschaft Graz, an der Kainach und der Graz-Köflacher Bahn gelegen, Sitz eines Bezirksgerichts, hat eine alte Pfarrkirche, eine gewerbliche Fortbildungsschule, eine Papierfabrik und (1880) 2958 Einw. Dabei die Ruinen des Schlosses Ober-V. und das Schloß Greißenegg. In der Umgebung bedeutender Braunkohlenbergbau (im V.-Köflacher Becken, ca. 5,5 Mill. metr. Ztr. jährliche Ausbeute), Eisenwerke (Pichling, Krems, Lankowitz, an letzterm Ort auch eine vielbesuchte Wallfahrtskirche), Glashütten etc.

Voiture (franz., spr. wŏatühr), Fuhrwerk.

Voiture (spr. wŏatühr), Vincent, franz. Dichter und Schriftsteller, geb. 1598 zu Amiens, studierte in Paris und trat hier in die Dienste des Herzogs Gaston von Orléans, in dessen Angelegenheiten er eine Reise nach Spanien unternahm. Später gewann er auch die Gunst Richelieus durch seinen Brief über die Einnahme von Corbie, der für sein Meisterwerk (1636) gilt. Zwei Jahre darauf ging er in einer Mission nach Florenz, besuchte auch Rom und wurde nach seiner Rückkehr vom König zum Haushofmeister ernannt. V. starb 26. Mai 1648, bis an sein Ende frivol und galant und nur einer ernsten Leidenschaft ergeben, dem Spiel. Seine Gedichte sind meist leichte Chansons und Rondeaux heitern und launigen Charakters; berühmt wurde sein Sonett auf Urania, durch das er in einen poetischen Streit mit Benserade (s. d.) verwickelt wurde, an welchem der ganze Hof in zwei Parteien (Uranisten und Jobelins) teilnahm. Bedeutender als die Gedichte sind aber die Briefe Voitures, durch die er der französischen Prosa eine bisher ungekannte Geschmeidigkeit verlieh. Die erste Ausgabe seiner »Œuvres« erschien Paris 1650; neue vervollständigte Ausgaben mit Anmerkungen etc. besorgten Roux (1856), Ubicini (1856) und Uzanne (»Lettres«, 1880, 2 Bde.).

Vokābeln (lat.), die einzelnen Wörter einer Sprache; Vokabularium, Wörterbuch.

Vokāle (lat.), s. Lautlehre.

Vokālharmonīe, eine der Assimilation und dem Umlaut nahe verwandte, besonders in den uralaltaischen Sprachen (s. d.) hervortretende Spracherscheinung, wonach die Vokale der Ableitungs- u. Flexionssilben dem Vokal der Wurzelsilbe konform gemacht werden müssen. Vgl. Adam, »De l'harmonie des vovelles dans les langues ouralo-altaïques« (Par. 1874). Auch in drawidischen Sprachen Südindiens, im Akkadischen der Keilinschriften etc. finden sich ähnliche Erscheinungen.

Vokalisation (lat.), die Bezeichnung der hebr. Schrift mit Vokalzeichen (s. Hebräische Sprache); die Aussprache der Vokale beim Gesang (s. Ansatz).

Vokalise (franz.), Übungsstück für Gesang, welches zum Zweck guter Tonbildung nicht auf die Solmisationssilben, sondern vorzugsweise auf Vokale gesungen wird.

Vokālmusik, im Gegensatz zur Instrumentalmusik diejenige Musik, welche durch Singstimmen ausgeführt wird, sei es ohne oder mit Begleitung von Instrumenten. Zu ersterer Art gehören die a cappella-Gesänge weltlichen wie geistlichen Charakters, z. B. die