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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Vorspinnmaschine; Vorst; Vorsteherdrüse; Vorstehhund; Vorstehtreiben; Vorstellung; Vorsterman

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Vorspinnmaschine - Vorsterman.

delt, die den Zuschauer schnell auf den Standpunkt setzt, die Fabel des Stücks richtig zu verstehen. Neuere dramatische Dichter (Schiller: »Wallensteins Lager«, Hebbel: »Der gehörnte Siegfried«, auch R. Wagner: »Rheingold«) haben sich mehrfach des Vorspiels bedient. Über das musikalische V. s. Präludium. ^[richtig: Praeludium.]

Vorspinnmaschine, s. Spinnen, S. 150.

Vorst, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Kempen, unweit der Niers und an der Linie Viersen-Süchteln der Krefelder Eisenbahn, hat eine kath. Kirche, bedeutende Seidenzeug- und Samtbandweberei, Dampfmahl- und Ölmühlen, Preßhefenfabrikation und (1885) 5170 Einw.

Vorsteherdrüse (Prostata), bei den männlichen Säugetieren eine den Anfang der Harnröhre und das Ende der Samenleiter umgebende Drüse, welche paar oder unpaar ist und in manchen Fällen einen bedeutenden Umfang erreicht. Beim Menschen (s. Tafel »Eingeweide II«, Fig. 3) liegt sie im untern Teil des Beckens, hat die Gestalt einer Kastanie, ist rötlichbraun und läßt ihre Drüsenläppchen mittels etwa 30 sehr enger Öffnungen in die Harnröhre ausmünden. Der weißliche Saft (liquor prostaticus) fließt vor und bei Ergießung des Samens in die Harnröhre aus und mischt sich mit ihm. Zwischen den beiden Samenleitern befindet sich im Gewebe der V. eine Spalte, der sogen. männliche Uterus (uterus masculinus), welcher dem Ende der Eileiter des Weibes entspricht und aus den Resten des Müllerschen Ganges (s. Eileiter) hervorgeht. - Die Erkrankungen der V. sind in überaus zahlreichen Fällen von den benachbarten Schleimhäuten auf die V. fortgeleitet. Als Begleiterscheinung oder Folgekrankheit des Trippers entstehen akute Entzündungen im Bindegewebe der V. (Prostatitis acuta), welche meist äußerst schmerzhaft sind, zumal bei Untersuchung mit dem Katheter oder bei Druck vom Mastdarm her; häufig ist die Seitenlage mit angezogenen Oberschenkeln die einzige für die Kranken erträgliche Haltung. Die Urinentleerung ist schmerzhaft, verzögert, es besteht Harn- und Stuhldrang. In schweren Fällen entstehen in der V. Abscesse, welche sich in die Harnröhre, in den Mastdarm oder durch die Haut des Dammes nach außen entleeren. Ruhe, warme Sitzbäder, Narkotika bilden die Behandlung so lange, bis etwa chirurgische Eröffnung notwendig wird. Die chronische Prostatitis ist selten tuberkulös; sie entwickelt sich entweder aus der akuten oder im Anschluß an Gonorrhöe unter ähnlichen Symptomen. Der Ausfluß des Prostatasekrets (Prostatorrhöe), mit Eiter gemischt, bildet das wesentlichste Erkennungsmerkmal. Verwechselungen der Prostatorrhöe mit Spermatorrhöe sind überaus häufig, woraus bei vielen Patienten, welche ihre Behandlung aus populär-medizinischen Büchern schöpfen, tiefe psychische Verstimmungen mit Störung des Allgemeinbefindens hervorgehen. Mikroskopisch ist die Unterscheidung leicht, da das Vorkommen großer wetzsteinförmiger Böttcherscher Kristalle nebst den geschichteten amyloiden Körperchen für das Sekret der V. charakteristisch sind. Die Behandlung mit Bougies, namentlich die Anwendung von Höllenstein auf diesem Weg, führen häufig Heilung herbei. In andern Fällen entwickelt sich später, gegen das 60. Lebensjahr hin, nicht selten eine Prostatahypertrophie. Diese betrifft entweder die Seitenlappen allein oder diese und den mittlern Lappen und bewirkt starke Beschwerden im Harnlassen. Der dritte Lappen legt sich häufig bei starkem Pressen vor die Harnröhrenmündung und verschließt diese; erst beim Nachlassen des Drängens entleert sich dann Urin in dünnem Strahl (Ischuria paradoxa). Diese derben Vergrößerungen gehen zuweilen unmerklich in den Krebs der V. über. Beide Krankheiten bringen die große Gefahr einer Blasenerweiterung, Harnzersetzung, Entzündung der Blase, der Harnleiter, des Nierenbeckens mit sich, worauf dann eine tödliche Nierenentzündung (eiterige Pyelonephritis) einzutreten pflegt. Durch galvanokaustische oder operative Entfernung gelingt es zuweilen, Besserung der Harnbeschwerden bei diesen in der Regel unheilbaren Leiden zu erzielen.

Vorstehhund, s. Hunde, S. 802.

Vorstehtreiben, s. Treibjagd.

Vorstellung, allgemeine Bezeichnung aller Gebilde des Seelenlebens, vorzüglich aber derjenigen, welche Bilder wirklicher Gegenstände oder aus solchen Bildern entstanden sind. Nach der ältesten und verbreitetsten Ansicht sind die Vorstellungen Bilder und Abdrücke der äußern Gegenstände, wie der schon bei Demokrat hervortretende psychologische Realismus lehrt, der durch Locke namentlich bei den französischen Philosophen des 18. Jahrh. wieder in Aufnahme gekommen ist. Dieser Erklärung, die für diejenigen Vorstellungen, für welche ein entsprechender Gegenstand in der Sinnenwelt nicht vorhanden ist, offenbar nicht ausreicht, tritt die Ansicht entgegen, nach welcher die Seele die Vorstellungen ganz aus sich selbst hervorbringen soll, wie z. B. Berkeley die einzelnen Vorstellungen unmittelbar durch Gott hervorgebracht werden läßt, oder wie Leibniz die Reihenfolge derselben aus einer ursprünglichen Tendenz der Seele ableitet, welcher in jedem Augenblick in dem Wechsel der Vorstellungen Genüge geschehe, und mit welcher der Lauf der äußern Begebenheiten ohne ursachlichen Zusammenhang vermöge der prästabilierten Harmonie zusammentreffe. Die Annahme, daß die Seele ihre Vorstellungen von innen her auf gewisse Anreize erzeuge, nicht aber von außen her als fertige empfange, hat vieles für sich, mag man nun mit dem Realismus unsre Erkenntnis der Außenwelt mit den Dingen selbst genau übereinstimmen oder mit dem Idealismus diese Übereinstimmung nur bedingt oder gar nicht stattfinden lassen. Einen wichtigen Punkt in der Lehre vom Vorstellen bilden die dunkeln oder unbewußten Vorstellungen, welche in der Seele vorhanden sind und wirken, ohne zur Wahrnehmung zu gelangen, wohin z. B. die einem zukünftigen Erinnern zu Gebote stehenden Gedächtnisspuren vergangener Eindrücke gehören sowie die Vorstellungen, welche beim Lesen, Sprechen, Gehen und bei allen mit Fertigkeit und Geschick ausgeübten Künsten unbewußterweise mitwirken, u. dgl.

Vorsterman, Lukas, niederländ. Kupferstecher, geboren um 1595 zu Bommel in Geldern, trat um 1618 in die Dienste von Rubens und führte in dessen Auftrag bis 1623 eine Reihe von Stichen nach Rubensschen Kompositionen aus, welche durch Kraft der Modellierung, Zartheit und Tiefe des Ausdrucks, wirksame Beleuchtung und Feinheit der Grabstichelführung gleich ausgezeichnet sind. Die Hauptblätter sind die Rückkehr der heiligen Familie aus Ägypten, Susanna im Bade, die Anbetung der Hirten und der Könige, der Sturz des Lucifer, die Kreuzabnahme und die Amazonenschlacht. Um 1623 ging er nach London, wo er bis um 1628 thätig war und nach Raffael und andern Italienern und nach van Dyck stach. Um 1630 war er wieder in Antwerpen und stach hier besonders Bildnisse, unter andern für die Ikonographie van Dycks, nach welchem er auch die Beweinung des Leichnams Christi stach. Er starb 1675. Vgl. Rosenberg, Die Rubensstecher (Wien 1888).