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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vorsteven - Vöslau.

Vorsteven, s. Schiff, S. 455.

Vorstoß, s. Passepoil.

Vorsuchen, mit dem Leithund einen Walddistrikt umschlagen (umspüren), um zu ermitteln, ob und welches Wild in demselben steckt.

Vortrab, s. Sicherheitsdienst.

Vortrag, in der Buchhaltung s. v. w. Übertrag, Transport. - In der Musik, s. Ausdruck und Phrasierung.

Vortragekreuz, s. Kruzifix und Kreuz, S. 198.

Vortragsbezeichnungen in der Musik sind entweder dynamische V., welche sich auf die Stärke oder Schwäche der Tongebung (verschiedene Dynamik) beziehen, wie z. B. forte (stark), piano (leise), mezzopiano (ziemlich leise), sottovoce (mit leiser Stimme), crescendo, accrescendo (stärker werdend <), diminuendo, decrescendo (abnehmend >) etc., oder V. zur Bestimmung des Tempos (der Bewegungsart, Geschwindigkeit der Tonfolge), welche den nur relativ bestimmten Dauerzeichen der Notierung eine genauere Geltung verleihen, wie adagio (langsam), allegro (geschwind), andantino (ziemlich ruhig), con moto (bewegt), Vivace (lebendig), accelerando (schneller werdend), ritardando (langsamer werdend) etc. Noch andre V. fordern eine Verlangsamung des Tempos und zugleich eine Abnahme der Tonstärke, z. B. calando (nachlassend), smorzando (versagend) etc., oder beziehen sich auf den Charakter des Tonstücks, wie scherzando, maestoso etc., und der Eigenart eines Instruments, wie pizzicato etc.

Vortrupp, s. Sicherheitsdienst.

Voruntersuchung (Vorverfahren), im Strafprozeß das Stadium der schriftlichen und protokollarischen Vorerörterungen im Gegensatz zur mündlichen und öffentlichen Hauptverhandlung (Hauptverfahren). Zur Führung der V. ist in Deutschland ein besonderer Untersuchungsrichter bei jedem Landgericht zu bestellen, doch kann die Führung derselben oder die Vornahme einzelner Untersuchungshandlungen auch einem Amtsrichter übertragen werden. S. Strafverfahren.

Vorurteil, im weitern Sinn ein vorläufiges, d. h. der Untersuchung der Gründe vorausgehendes, Urteil, das (wie die sogen. Urteile des gesunden Menschenverstandes oder des natürlichen Takts zeigen) trotzdem ein wahres sein kann, im engern Sinn ein vorschnelles Urteil, das, weil der Inhalt desselben ohne eingehende Erwägung nicht eingesehen werden kann, infolge der Vernachlässigung einer solchen immer falsch sein wird, im engsten Sinn ein vorgefaßtes Urteil, das nicht nur vor der Untersuchung der Gründe gefällt wird, sondern auch jede solche grundsätzlich ablehnt, um nicht durch dieselbe in seinem Fürwahrhalten erschüttert zu werden, und das, es sei inhaltlich wahr oder falsch, immer ein unwissenschaftliches, d. h. im strengen Sinn kein des Namens würdiges, Urteil sein wird. Gegen das V. im ersten Sinn ist das Bestreben der Aufklärung (s. d.), d. h. das Bemühen, gerichtet, die gefällten und zu fällenden Urteile aus dunkeln und bewußtlosen in klare und mit Bewußtsein vollzogene zu verwandeln, gegen das V. im zweiten Sinn des Wortes ist das Bemühen der Erziehung gerichtet, voreilige, unüberlegte Urteile zu hemmen; dem V. in der dritten Bedeutung wirkt der philosophische, insbesondere der logische, Geist entgegen, dessen Trachten dahin geht, das Urteil dem Einfluß des Willens zu entziehen und ausschließlich der Macht des Intellekts, d. h. der aus der Einsicht in den Inhalt des Gedachten entspringenden Denknotwendigkeit, zu unterwerfen. In diesem Sinn hat die Philosophie als vorurteilslose Wissenschaft jederzeit mit dem V. der Unphilosophie, aber nicht selten auch mit den »Vorurteilen« von Philosophen zu kämpfen gehabt.

Vorverfahren, s. Strafverfahren.

Vorwachs (Stopfwachs, Propalis), der Kitt, den die Bienen bei Anlage neuer Waben benutzen, besteht hauptsächlich aus dem klebrigen Überzug mancher Blattknospen.

Vorwärmer, s. Dampfkessel, S. 451.

Vorwelt, s. v. w. Urwelt.

Vorwerk, in der Landwirtschaft ein vom Hauptgut abgetrennter Teil des Gutes mit eignen Wirtschaftsgebäuden und eigner, wenngleich in Abhängigkeit von dem Hauptgut stehender Betriebsleitung. Bei guter Arrondierung, und wenn der Hof in der Mitte des Ackerareals steht, wird die Errichtung eines Vorwerks erst bei einem Gesamtareal von 600 Hektar erforderlich. - Im Festungsbau s. v. w. Außenwerk.

Vorwitz kommt mit dem Witz (s. d.) darin überein, daß er, wie dieser, auf Entdeckung verborgener Ähnlichkeiten ausgeht, unterscheidet sich aber von demselben nicht sowohl dadurch, daß er Ähnlichkeiten zu entdecken glaubt, wo keine sind (vermeintlicher Witz), sondern, daß er dergleichen schon zu einer Zeit zu entdecken glaubt, wo sie, auch wenn sie vorhanden sind, noch nicht entdeckt werden könnten.

Vorwort, s. v. w. Präposition.

Vorzeichnung, die zu Beginn eines Tonstücks oder Teils zwischen Schlüssel und Taktzeichen gesetzten Kreuze oder Been, welche bestimmen, daß statt der Töne der Grundskala (cdefgah) ohne weitere Bezeichnung im einzelnen Fall durch Accidentalen immer die vorgezeichneten erhöhten oder erniedrigten genommen werden sollen. Heute gibt die V. Aufschluß über die Tonart, wenn sie auch unbestimmt läßt, ob die Durtonart oder die parallele Molltonart gemeint ist. Vgl. Tonart.

Vorzugsrecht, im Konkurs das Recht eines (»bevorzugten«) Gläubigers auf Befriedigung vor den übrigen Gläubigern (s. Konkurs, S. 12). Auch das Recht gewisser Gläubiger auf abgesonderte Befriedigung im Konkurs, wie es namentlich den Pfandgläubigern zusteht, wird als V. bezeichnet (s. Absonderung, S. 58).

Vos, Cornelis de, niederländ. Maler, geb. 1585 zu Hulst in Flandern, lernte zu Antwerpen bei David Remeens, wurde 1608 Freimeister der Gilde und starb daselbst 9. Mai 1651. Unbeeinflußt von Rubens, bildete er den Stil der ältern Schule zu größerer Kraft des malerischen Vortrags und zu größerer Lebensfülle aus. Er hat religiöse und mythologische Bilder und Porträte gemalt, von denen die letztern sein malerisches Können auf der höchsten Stufe zeigen. Von seinen Bildnissen sind die hervorragendsten: der Diener der Antwerpener Lukasgilde (im Museum daselbst), der Meister und seine Familie (im Museum zu Brüssel), die Familie Hutten (in der Münchener Pinakothek) und ein Kinderbildnis (im Museum zu Frankfurt a. M.), von seinen religiösen Bildern: die Rückgabe der heiligen Gefäße an den heil. Norbert (im Museum zu Antwerpen) und die Salbung Salomos (in der kaiserlichen Galerie zu Wien). - Sein Bruder Paul de V. (1590-1678) hat Jagden und Tierstücke in der Art von Snyders, nur etwas glatter, gemalt und war ein Mitarbeiter von Rubens.

Vosagus mons (lat.), s. Vogesen.

Vosges (spr. wohsch), s. Vogesen.

Vöslau, Kurort in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft Baden, in reizender Lage an den