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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vossem - Vouziers.

nasium in Weimar, wo er mit Schiller und Goethe verkehrte, folgte 1806 seinem Vater nach Heidelberg als Professor der Philosophie und starb daselbst 20. Okt. 1822. Er unterstützte seinen Vater bei der Übersetzung des Äschylos, Aristophanes und Shakespeare. Mit leidenschaftlicher Verehrung schloß er sich in den letzten Jahren seines Lebens an Jean Paul an. Sein »Briefwechsel mit Jean Paul« (Heidelb. 1833) und die »Mitteilungen über Goethe und Schiller, in Briefen von Heinrich V.« (das. 1834) wurden herausgegeben von seinem Bruder Abraham (geb. 1785), der seit 1810 als Professor an dem Gymnasium zu Rudolstadt thätig war, 1821 Professor am Gymnasium zu Kreuznach ward und 13. Nov. 1847 in Düsseldorf starb.

6) Richard, Dichter und Schriftsteller, geb. 2. Sept. 1851 auf dem Dominium Neugrape in Pommern, machte frühzeitig größere Reisen, besonders in Italien, schloß sich 1870 als Johanniter den deutschen Heeren an, bis ihn eine Verwundung zur Ausübung dieses Berufs untauglich machte, widmete sich darauf in Jena und München philosophischen Studien und lebte seitdem, mit litterarischen Arbeiten beschäftigt, teils zu Frascati bei Rom, teils in Berchtesgaden. 1884 wurde er zum Bibliothekar der Wartburg ernannt. V.' Name wurde in weitern Kreisen zuerst bekannt durch die Trauerspiele: »Die Patrizierin« (Frankf. 1880), und »Luigia San Felice« (das. 1882), welch letzteres den vom Nationaltheater zu Mannheim gelegentlich des Säkulartags der ersten Aufführung von Schillers »Räubern« ausgeschriebenen Preis erhielt. Vorher gingen das Schauspiel »Unfehlbar« (Kassel 1874) u. die Tragödien: »Savonarola« (Wien 1878), »Magda« (Zürich 1879); spätere Dramen des talentvollen Autors sind: »Pater Modestus« (Leipz. 1882); »Regula Brandt« (das. 1883); »Unehrlich Volk« (Dresd. 1884); »Mutter Gertrud« (Leipz. 1885); »Alexandra« (das. 1886); »Brigitta« (Dresd. 1886); »Eva« (Leipz. 1889) u. a. Außerdem veröffentlichte er: »Nachtgedanken« (Jena 1871); »Visionen eines deutschen Patrioten« (Zürich 1874); »Helena. Aus den Papieren eines verstorbenen Pessimisten« (das. 1874); »Scherben, gesammelt vom müden Mann« (das. 1878, neue Folge 1880); »Frauengestalten« (Bresl. 1879) und eine Reihe von Romanen und Erzählungen, wie: »Bergasyl, eine Berchtesgadener Erzählung« (Frankf. 1881); »Rolla, die Lebenstragödie einer Schauspielerin« (Leipz. 1883, 2 Bde.); »Römische Dorfgeschichten« (Frankf. 1884); »Die neuen Römer« (Dresd. 1885, 2 Bde.); »Die neue Circe« (das. 1885); »Der Sohn der Volskerin« (Stuttg. 1886); »Michael Cibula« (das. 1887); »Die Auferstandenen« (Dresd. 1886, 2 Bde.); »Dahiel, der Konvertit« (Stuttg. 1888, 3 Bde.); »Erlebtes und Geschautes«, Bilder aus Italien (Jena 1888); »Kinder des Südens«, römische Geschichten (Stuttg. 1888), u. a. Die gedeihliche Entwickelung des phantasievollen und hochstrebenden Dichters ward leider durch eine fast unüberwindliche Hinneigung desselben zu krankhaft düstern Lebensanschauungen und unerquicklichen Erscheinungen beeinträchtigt.

Vossem, Dorf in der belg. Provinz Brabant, Arrondissement Löwen, mit (1888) 875 Einw., bekannt durch den Neutralitätsvertrag, den der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm 16. Juni 1673 mit Frankreich schloß.

Vossevangen (Voß), Dorf im norweg. Amt Söndre-Bergenhus, am See Vangsvand, Endpunkt der Eisenbahn Bergen-V., hat eine Kirche aus dem 13. Jahrh. und wird im Sommer von Touristen viel besucht.

Vossius, Gerhard Johann, s. Voß 1).

Vostitsa (das antike Ägion und neuerdings wieder Ägion genannt), Stadt im griech. Nomos Achaia und Elis, am Korinthischen Meerbusen und an der Eisenbahn Athen-Patras, hat Handel mit Korinthen, Wein etc. und (1879) 5311 Einw. Die Stadt litt wie im Altertum, so auch in der Neuzeit (1817 und 1861) durch Erdbeben bedeutend und wurde 18. Juli 1822 von den Türken teilweise zerstört.

Votieren (lat.), seine Stimme behufs Beschlußfassung abgeben, abstimmen, verwiegen.

Votivtafel (Gelübdetafel), bei den Römern eine infolge eines Gelübdes (ex voto) einer Gottheit geweihte Tafel. Insbesondere pflegten die Schiffer, wenn sie auf der See in Gefahr schwebten, dem Neptun ein Gelöbnis zu machen und dasselbe nach erfolgter Rettung, auf eine Tafel geschrieben, im Tempel des Gottes aufzuhängen. Oft wurden solche Tafeln mit Reliefs künstlerisch ausgestattet. Der Gebrauch der Weihgeschenke setzte sich auch in den christlichen Kirchen des Mittelalters und der Renaissance fort und besteht auch heute noch in der katholischen Kirche, welche die Stiftung von Votivkerzen, -Herzen, -Gliedern (namentlich an Wallfahrtsorten und wunderthätigen Heilquellen) zuläßt. Im Mittelalter und in der Renaissance hat diese Sitte die Entwickelung der Kunst zeitweilig allein gefördert. Dafür zeugen die zahlreichen Votivaltäre, Votivbilder, Votivkapellen etc., die von einzelnen Personen, Brüderschaften, Gilden, Korporationen etc. gestiftet wurden.

Votum (lat.), eigentlich s. v. w. Gelübde (s. d.), dann Gutachten, namentlich ein in einer beratenden Versammlung abgegebenes Urteil. Das V. ist entweder mitentscheidend (V. decisivum) oder bloß gutachtlich (V. consultativum), oder es gibt bei Stimmengleichheit (vota paria) den Ausschlag (V. decisivum in specie), was vielfach von dem V. des Vorsitzenden gilt. Vertrauens- oder Mißtrauensvotum heißt das von einer Volksvertretung oder einer sonstigen Körperschaft abgegebene Urteil, welches kundgibt, ob man zu einer bestimmten Person, z. B. zu einem Minister, Vertrauen oder Mißtrauen hege.

Vouet (spr. wu-ett), Simon, franz. Maler, geb. 9. Jan. 1590 zu Paris, Schüler seines Vaters Laurent V., wurde bereits mit 14 Jahren nach London berufen, wo seine Porträte sehr gefielen, kam 1611 nach Konstantinopel, sodann nach Venedig und 1613 nach Rom, wo er sich nach Caravaggio bildete und 1624 zum Direktor der Akademie von San Luca ernannt wurde. 1627 wurde er von Ludwig XIII. nach Paris berufen, wo er 13. Juni 1649 starb. Die meisten seiner Geschichtsbilder und Porträte sind in Frankreich, andre in Rom, Petersburg, Dresden, Berlin u. a. O. Dieselben zeigen eine ziemlich flüchtige Mache, aber großes technisches Geschick und wirkten auf die französische Schule seiner Zeit bestimmend ein.

Voulte, la (spr. wuht), Stadt im franz. Departement Ardèche, Arrondissement Privas, am Rhône, Knotenpunkt der Eisenbahnen Livron-Privas und Givors-V., hat eine katholische und eine reform. Kirche, Eisenbergbau, Hochöfen und (1881) 4395 Einw.

Vous étes orfèvre, Monsieur Josse! aus Molière (»Amour médecin«, I, 1) stammende sprichwörtliche Redensart zur Abfertigung eines eigennützigen Ratgebers.

Vouziers (spr. wusieh), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Ardennen, an der Aisne, Knotenpunkt der Eisenbahnen Amagne-Revigny und V.-Apremont, hat einen Gerichtshof, Fabrikation von Leder, Öl und Korbwaren, Handel mit Holz und (1886) 3617 Einw.