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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wachs, grünes - Wachsmalerei.

Schwefelkohlenstoff, fetten und ätherischen Ölen und schmilzt mit Fetten zusammen; Äther löst die Hälfte, siedender Alkohol höchstens 20 Proz. des Wachses. Der in Alkohol lösliche Teil ist Cerotinsäure (Cerin) C2HO2 ^[C_{2}HO_{2}], welche bei 78° schmilzt und sich destillieren läßt; ungelöst bleibt Palmitinsäuremyricyläther (Myricin). Außerdem enthält W. 4-5 Proz. bei 28° schmelzendes Cerotein, welchem es seine Fettigkeit verdankt. Durch konzentrierte und alkoholische Kalilauge wird es verseift. W. wird überall produziert, wo die Bienenzucht blüht; doch genügt die europäische Produktion in der Walachei, Polen, der Ukraine, der Türkei, Norddeutschland, Österreich, Dänemark, Schweden, Frankreich nicht für den Bedarf, und man bezieht daher viel W. aus Nordamerika, Westindien, Kleinasien, von der Westküste Afrikas, Marokko etc. Es dient zu Kerzen und Wachsstöcken, Pflastern, Salben, Figuren, Blumen, zur Appretur, zu Wachspapier, als Arzneimittel etc. Sein Konsum ist in der letzten Zeit beschränkt worden durch das Aufkommen mannigfacher Surrogate, wie Stearin, Paraffin, Ceresin (Mineralwachs aus Ozokerit) und des Pflanzenwachses (s. Wachs, vegetabilisches). Vgl. Pütter, Wachsindustrie (3. Aufl., Weim. 1880); Sedna, Das W. und seine technische Verwendung (Wien 1886); Benedikt, Analyse der Fette und Wachsarten (Berl. 1886); Schädler, Die Untersuchungen der Fette, Öle, Wachsarten etc. (Leipz. 1889).

Wachs, grünes, s. Cerate.

Wachs, vegetabilisches (Pflanzenwachs), starres Pflanzenfett von höherm Schmelzpunkt, welches nicht, wie die echten Fette, aus Glyceriden besteht. Karnaubawachs, von der brasilischen Copernicia cerifera, deren Blätter es auf beiden Seiten überzieht, ist hellgrün bis bräunlich, hart, spröde, geruch- und geschmacklos, gereinigt blaß grünlichgelb, spez. Gew. 0,99, schmilzt bei 84°, löst sich in siedendem Äther und Alkohol, gibt beim Verseifen Melissylalkohol, enthält auch Cerotin, ein Harz etc.; es dient zu Kerzen, Wachsfirnissen, zum Glänzendmachen des Sohlleders etc. Palmwachs, von den Stämmen der südamerikanischen Palme Ceroxylon andicola, ist gelblichweiß, hart, spröde, schmilzt bei 72°, besteht aus Harz und wachsartigen Körpern und wird wie das vorige benutzt. Chinesisches Wachs, auf Fraxinus chinensis Roxb. durch eine Schildlaus erzeugt, schmilzt bei 82° und besteht aus Cerotinsäure-Ceryläther. Im Handel gehen auch viele Pflanzenfette als Wachs, so namentlich das Myricawachs (Myrtle-, Myrtenwachs), das japanische Wachs etc. Über diese und andre feste Pflanzenfette, wie Vateriatalg (Pineytalg), Virolafett, chinesischer Talg, japanisches Wachs, s. Talg, vegetabilischer.

Wachsbaum, s. v. w. Myrica cerifera.

Wachsbeere, Pflanze, s. v. w. Myrica Gale.

Wachsbildnerei (Ceroplastik), die Kunst, durch Bossieren (s. d.) oder Gießen Gegenstände aus Wachs zu bilden. Am häufigsten dient die W. zur Darstellung von Früchten, anatomischen Präparaten, künstlichen Perlen, Puppengesichtern und den sogen. Wachsfiguren. Bei diesen sind gewöhnlich nur Gesicht, Kopf, Hals, Hände oder andre nackte Teile von Wachs, die mit Kleidern bedeckten Teile des Körpers dagegen ausgestopft. Sammlungen von Wachsfiguren bilden ein Wachsfigurenkabinett. Die W. war schon den Alten bekannt. Doch haben sich nur aus der Renaissancezeit, in welcher die W. sehr beliebt war, kleinere, meist bemalte, größtenteils komische Genrefiguren und Porträtmedaillons aus Wachs erhalten. Das Hauptstück der W. der Renaissancezeit ist der naturalistisch bemalte Kopf eines jungen Mädchens aus dem Anfang des 16. Jahrh. im Museum zu Lille (italienische Arbeit). Unter den Wachsfigurenkabinetten des 19. Jahrh. sind die berühmtesten die von Madame Tussaud 1780-1802 in Paris, dann in London, und von Gebrüder Castan in Berlin (Panoptikum). Das zu wächsernen Gegenständen benutzte Wachs (Bossierwachs) besteht bei dem eigentlichen Bossieren aus 4 Teilen Wachs, 3 Teilen weißem Terpentin, etwas Baumöl oder Schweinefett und wird gewöhnlich mit Mennige, Zinnober oder Bolus rot gefärbt, um ihm die störende Durchsichtigkeit zu benehmen. Bossierwachs zu Wachsabgüssen wird dagegen mit Kolophonium versetzt und erhält, soll es rot werden, etwas Zinnober, soll es weiß bleiben, etwas Mastix und Schieferweiß. Grünes Bossierwachs erhält man durch Zusatz von Grünspan. Für Wachspuppen etc. benutzt man in neuerer Zeit statt des Wachses Paraffin und Ceresin. Beim Guß wächsener Gegenstände (Wachsabgüsse) hat man Formen von Holz oder Gips. Vgl. Meisl, Die Kunst der Wachsarbeit (Linz 1837).

Wachsblume, s. Cerinthe und Hoya.

Wachsblumen, s. Blumenmacherei.

Wachsenburg, s. Gleichen 1).

Wachsend nennt man in der Heraldik eine Figur (meist Menschen- oder Tiergestalt), deren untere oder hintere Hälfte durch eine andre Figur (Heroldsbild oder gemeine Figur) derart verdeckt ist, daß sie aus derselben hervorzugehen scheint (s. Abbildung).

^[Abb.: »Wachsende« Figur. (Wappen von Altena.)]

Wachsfarbenanstrich, s. Anstrich.

Wachsfiguren u. Wachsfigurenkabinett, s. Wachsbildnerei.

Wachsgagel, Pflanze, s. v. w. Myrica cerifera.

Wachshaut, s. Vögel, S. 243.

Wachskohle, s. Pyropissit.

Wachsleinwand, s. Wachstuch.

Wachslimone, s. Citrus, S. 148.

Wachsmalerei, die Benutzung des Wachses als Bindemittel der Farben oder bloß als Befestigungsmittel nach bereits geschehenem Auftrag derselben, während das oft synonym gebrauchte Wort Enkaustik eigentlich das Einschmelzen des Wachses in die Fläche des Bildes mittels heißen Eisens bezeichnet. Über das Verfahren der Alten dabei s. Enkaustik, wozu noch zu bemerken ist, daß neuerdings (1887) in Fayûm aufgefundene Mumienporträte ergeben haben, daß bei einer Art der enkaustischen Malerei mit einer äußerst schmiegsamen, gefärbten Wachsmasse gearbeitet wurde, die man mit einer gezahnten eisernen Spachtel auftrug und dann einbrannte. Vgl. Graul, Die antiken Porträtgemälde aus den Grabstätten des Faijûm (Leipz. 1888). Versuche zur Wiedererfindung der W. machte, nachdem die Technik im Mittelalter verloren gegangen, zuerst der spanische Maler Velasco (1715-20), indem er die in den Wachsgrund eingegrabenen Umrisse mit geschmolzenen Wachsfarben füllte und dann die Oberfläche glättete. Um die Mitte des 18. Jahrh. glaubten Graf Caylus, Bachelier und Majault das richtige Verfahren gefunden zu haben, und seitdem folgten rasch weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet, aber alle diese Methoden gerieten bald wieder in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrh. veranlaßt des Professors Roux