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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wagenfett - Wagner.

Hinterpommern zum Abgeordneten wählen. Wie er sich als gewandter und schlagfertiger Redner auf der Tribüne des Abgeordnetenhauses große Verdienste um seine Partei erwarb, so nicht minder durch die wissenschaftliche Begründung, welche er den konservativen Anschauungen in dem seit 1859 von ihm herausgegebenen »Staats- und Gesellschaftslexikon« (Berl. 1859-67, 23 Bde.; Suppl. 1868) zu verleihen strebte. Seine Parteigenossen erwiesen sich dadurch erkenntlich, daß sie W. das Rittergut Dummerwitz zum Geschenk machten. Am 29. März 1866 wurde W. zum vortragenden Rat im Staatsministerium berufen, da Bismarck durch ihn wenigstens einen Teil der alten konservativen Partei an seine Politik zu ketten suchte. Zugleich zog Bismarck W. in den sozialen Fragen zu Rate. Im ersten deutschen Reichstag unterstützte ihn W. auch erfolgreich durch seine Reden über die deutsche Reichsverfassung und das Jesuitengesetz. Am 1. Jan. 1873 ward W. erster Rat im Staatsministerium, aber vom Kaiser nicht zum persönlichen Vortrag zugelassen, da sich inzwischen Gerüchte über seinen Anteil an unsoliden Gründungen (Pommersche Zentralbahn) verbreitet hatten, die Lasker 7. Febr. 1873 im Abgeordnetenhaus öffentlich darlegte. W. mußte nicht bloß seinen Abschied einreichen, sondern wurde auch gerichtlich zum Ersatz von 40,000 Thlr. unrechtmäßigen Gewinns verurteilt, wodurch er sein ganzes Vermögen verlor. Er starb 22. April 1889 in Friedenau bei Berlin. W. schrieb ferner: »Das Judentum und der Staat« (Berl. 1857); »Denkschrift über die wirtschaftlichen Associationen und sozialen Koalitionen« (Neuschönefeld 1867) und seine Memoiren (»Erlebtes«, Berl. 1884, Nachtrag 1885).

Wagenfett, s. Wagenschmiere.

Wagenladungsgüter im Gegensatz zu den Stückgütern solche Transportgegenstände, welche in ganzen Wagenladungen aufgegeben und versandt werden, und für welche der Wagenraumtarif (im Gegensatz zum Kollotarif) angesetzt ist.

Wagenrennen, s. Circensische Spiele.

Wagenschmiere, Fettmischung zum Schmieren der Wagenachsen, besteht aus einer durch Zusammenschmelzen erhaltenen Mischung von entwässertem dicken Steinkohlenteer und Fett, aus Harzölkalkseife (s. Harzöl) und ähnlichen Mischungen. Vgl. Krätzer, Fabrikation der Wagenfette (Wien 1888), und Art. Schmiermittel.

Wagensteuer, eine direkte Aufwandsteuer auf das Halten von Kutschen für den persönlichen Gebrauch. In Frankreich 1862 eingeführt, 1865 aufgehoben und 1872 wiederhergestellt, wird sie in einem festen, nach der Größe der Gemeinden und der Zahl der Räder abgestuften Jahresertrag erhoben und wirft mit Einschluß der Steuer auf die zur Bespannung steuerpflichtiger Wagen dienenden Pferde (auch Reitpferde) jährlich über 10 Mill. Frank ab. Auch in England besteht eine nach Räderzahl, Zahl der vorgespannten Pferde etc. abgestufte W. als direkte Luxussteuer.

Wagenwinde, Hebeapparat, bei welchem ein kleines, an der Kurbelwelle sitzendes Zahnrad in ein größeres eingreift, auf dessen Achse wieder ein kleineres Zahnrad sitzt, welches in die die Last hebende Zahnstange eingreift. Die W. dient zum Heben größerer Lasten auf eine 1 m selten übersteigende Förderhöhe.

Wagerecht, s. Horizontal.

Waggeld, für das Abwiegen von Waren auf öffentlichen Wagen gegen einen Wagschein oder Wagzettel, auf dem das Gewicht amtlich angegeben wird, zu entrichtende Gebühr.

Wäggis (Weggis), Uferort am Vierwaldstätter See, im Kanton Luzern, mit (1888) 1386 Einw., früher einer der Ausgangspunkte für Rigiwanderer und durch sein mildes Klima ein angenehmer Spätsommerkurort, hat in ersterer Beziehung seine Bedeutung an das benachbarte Viznau (s. d.) verloren.

Wäggithal, voralpines Thal im schweizer. Kanton Schwyz, in zwei Thalkessel, Vorder- und Hinter-W., gegliedert, mit 1082 Einw., welche Vieh- und Pferdezucht treiben. Die von Fels- und Alpenbergen eingerahmte Mulde von Hinter-W. (854 m ü. M.), seit den 60er Jahren auch als Kurort vielbesucht, hat durch die Bergbäche sehr gelitten. Zwischen Aubrig und Gugelberg schäumt die Wäggithaler Aa durch eine Klus, gelangt dann in den Kessel von Vorder-W. (740 m) und hierauf durch eine enge Waldschlucht hinaus zur March, der Ebene am Zürichsee (409 m). Hier erst, in Siebnen etc., wird ihre Wasserkraft zu industriellen Zwecken benutzt.

Waggon, s. Wagon.

Waghäusel, Ortschaft im bad. Kreis Karlsruhe, an der Eisenbahn Mannheim-Karlsruhe, unweit des Rheins, mit säkularisiertem Kapuzinerkloster (jetzt Rübenzuckerfabrik) und 250 Einw. Hier 21. Juni 1849 Sieg der Preußen über das pfälzisch-badische Revolutionsheer unter Mieroslawski.

Wagl., Abkürzung für Joh. Wagler, geb. 1800 zu Nürnberg, gest. 1832 als Professor in München (Reptilien).

Wagmüller, Michael, Bildhauer, geb. 14. April 1839 zu Regensburg, besuchte die Gewerbeschule in München und war hier von 1854 an Schüler der Akademie. Seit 1860 arbeitete er selbständig und schuf zunächst für das Mausoleum des Königs Max drei Reliefs, dann, nach 1866, mehrere Büsten und zwei allegorische Frauengestalten als Bekrönung eines Schulhauses in München. 1868 machte er eine später öfters wiederholte Reise nach London, wo er viele Porträtbüsten berühmter Persönlichkeiten modellierte. In die nächsten Jahre fallen auch reizende Genrefiguren, z. B. ein Mädchen, das vor einer Eidechse erschrickt, ein andres, das nach einem Schmetterling hascht (1871), ein Brunnenmodell. Die von ihm geschaffenen Büsten, z. B. die Liebigs (1873), sind durch geistvolle Auffassung und naturalistische Durchbildung der Form gleich ausgezeichnet. In ihnen wie in seinen übrigen Werken zeigt sein Naturalismus eine starke Hinneigung zum malerischen Element und zu unruhiger Draperie. In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete er fast ausschließlich im Auftrag des Königs Ludwig für dessen Schloß Linderhof und an einem Modell für ein Standbild Liebigs für München (davon die Büste auf Tafel »Bildhauerkunst X«, Fig. 14), welches nach seinem Tod (26. Dez. 1881) von seinem Schüler Rümann in Marmor ausgeführt wurde.

Wagn. A., Abkürzung für Andreas Wagner, geb. 21. März 1797 zu Nürnberg, gest. 19. Dez. 1861 als Professor der Zoologie in München, Fortsetzer von Schrebers »Säugetieren« und Martinis »Konchylienkabinett«.

Wagner. Gelehrte: 1) Johann Jakob, Philosoph, geb. 21. Jan. 1775 zu Ulm, studierte seit 1795 in Jena unter Fichte, seit 1796 in Göttingen, wurde 1803 Professor der Philosophie zu Würzburg, 1809 pensioniert, war 1815-34 wieder als solcher angestellt und starb 22. Nov. 1841 in seiner Vaterstadt. Ursprünglich reiner Schellingianer, ging W. nach seinem Grundsatz: »Konstruieren ist Kreuzigen« darauf aus, zwischen der idealen und realen Seite des Wissens einen Parallelismus und infolgedessen zwischen