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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wagner

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Wagner.

den Welt- und Erkenntnisgesetzen entschiedene Übereinstimmung nachzuweisen. Da jene mathematisch seien, so falle Mathematik und Erkennen, Denken und Rechnen zusammen. Die konstruierende Methode selbst aber bestimmte W. (abweichend von der triadischen Fichtes, Schellings und Hegels) als tetradische, wobei das (überall identische) Wesen das Anfangsglied, die beiden Gegensätze, in welchen dasselbe auseinander geht, das mittlere Doppelglied und deren Vermittelung das Schlußglied der Reihe bildet. Von der Unfehlbarkeit derselben war W. so fest überzeugt, daß er in seiner »Dichterschule« (Ulm 1840, 2. Aufl. 1850) Anweisung gab, wie man mittels derselben »ohne Genie« Kunstwerke hervorbringen könne. Unter seinen oft geistreichen, öfters barocken Schriften sind hervorzuheben als Hauptwerke: »Theodicee« (Bamb. 1809); »Mathematische Philosophie« (Erlang. 1811); »Organon der menschlichen Erkenntnis« (das. 1830), welches seine Logik, und »Religion, Wissenschaft und Staat, in ihren gegenseitigen Verhältnissen betrachtet« (das. 1819), welches seine Geschichtsphilosophie enthält. Nach letzterer soll die Weltgeschichte vor Christo im Gemüt eine visionäre, nach ihm im Geist eine freie Weltanschauung der Dinge gehabt haben. Kleine Schriften gab Ph. L. Adam heraus (Ulm 1839, 2 Bde.). Gesammelt erschienen Wagners Schriften Ulm 1852-57 in 7 Bänden. Vgl. Adam und Kölle, J. J. W. Lebensnachrichten und Briefe (Ulm 1849); Rabus, J. J. Wagners Leben, Lehre und Bedeutung (Nürnb. 1862).

2) Moritz, Reisender und Naturforscher, Bruder von W. 6), geb. 3. Okt. 1813 zu Baireuth, widmete sich dem Kaufmannsstand und kam in ein Handelshaus nach Marseille, von wo aus er Algerien besuchte. Die hierdurch geweckte Reiselust veranlaßte ihn, 1833 bis 1836 in Erlangen und München Naturwissenschaft, speziell Zoologie, zu studieren. Sodann ging er nach Paris, bereiste zwei Jahre lang Algerien und machte als Mitglied der wissenschaftlichen Kommission den zweiten Feldzug nach Konstantine mit. Die Resultate dieser Reisen legte er in den »Reisen in der Regentschaft Algier in den Jahren 1836, 1837 und 1838« (Leipz. 1840, 3 Bde. mit Kupferatlas) nieder. Nach seiner Rückkehr studierte er in Göttingen Geologie; aber schon 1844 und wieder 1850 und 1852-1855 unternahm er neue größere Reisen, über die er in »Der Kaukasus und das Land der Kosaken« (Leipz. 1848, 2 Bde.), »Reise nach dem Ararat und dem Hochland Armenien« (Stuttg. 1848), »Reise nach Kolchis und den deutschen Kolonien jenseit des Kaukasus« (Leipz. 1850), »Reise nach Persien und dem Lande der Kurden« (das. 1852-53, 2 Bde.), »Reisen in Nordamerika« (mit Scherzer, das. 1854, 3 Bde.) und »Die Republik Costarica« (das. 1856) berichtete. Eine fünfte Forschungsreise führte ihn 1857-59 nach den Staaten Panama und Ecuador. 1860 wurde er ordentlicher Professor und Direktor des ethnographischen Museums zu München. Er starb 31. Mai 1887. Zur Darwinschen Theorie nahm W. insofern eine eigentümliche Stellung ein, als er (»Die Darwinsche Theorie und das Migrationsgesetz«, Leipz. 1868; »Einfluß der geographischen Isolierung und Kolonienbildung auf die morphologischen Veränderungen der Organismen«, Münch. 1871) die Bildung einer neuen Rasse, die Zuchtwahl überhaupt, von einer lange Zeit dauernden Trennung ausgewanderter Organismen von ihren Artgenossen abhängig machen wollte. W. veröffentlichte noch: »Naturwissenschaftliche Reisen im tropischen Amerika« (Stuttg. 1870); »Beiträge zu einer physisch-geographischen Skizze des Isthmus von Panama« (Gotha 1861). Aus seinem Nachlaß erschien: »Die Entstehung der Arten durch räumliche Absonderung« (mit Biographie von Scherzer, Basel 1889).

3) Adolf, deutscher Nationalökonom, geb. 25. März 1835 zu Erlangen, Sohn von W. 6), studierte Rechte und Staatswissenschaften, ward 1858 Lehrer der Nationalökonomie an der Handelsakademie in Wien, 1863 in Hamburg, 1865 ordentlicher Professor in Dorpat, 1868 in Freiburg und 1870 in Berlin. In den ersten Jahren seiner Wirksamkeit war er vorzüglich mit dem Bank- und Währungswesen beschäftigt. Es erschienen von ihm: »Beiträge zur Lehre von den Banken« (Leipz. 1857); »Die Geld- und Kredittheorie der Peelschen Bankakte« (Wien 1862); »Die österreichische Valuta« (das. 1862); »Die Ordnung des österreichischen Staatshaushalts« (das. 1863); »Die russische Papierwährung« (Riga 1868); »System der deutschen Zettelbankgesetzgebung« (Freiburg 1870, 2. Aufl. 1873) und »Die Zettelbankreform im Deutschen Reich« (1875). Auch der Statistik wandte er sein Interesse zu, wie sein Werk »Die Gesetzmäßigkeit in den scheinbar willkürlichen menschlichen Handlungen« (Hamb. 1864) zeigt. Im Oktober 1871 hielt er in der »freien kirchlichen Versammlung evangelischer Männer« einen Vortrag über die soziale Frage, in welchem eine tiefe Differenz zwischen seinen Ansichten und denen der deutschen Freihandelsschule hervortrat. H. B. Oppenheim fand in dieser Rede wie in verwandten Kundgebungen den Anlaß zu dem Stichwort »Kathedersozialisten« (s. d.), worauf W. in einem »Offenen Brief« (Berl. 1873) antwortete. Während W. für den von ihm bis 1872 innegehabten Standpunkt an Männern wie Schmoller, Held, Nasse und Brentano eine kräftige Unterstützung fand, ging er bald über dieselben hinaus, so daß er aus dem Vorstand des Vereins für Sozialpolitik austrat und in einem Nachwort zu seinem Gutachten über die »Kommunalsteuerfrage« (Berl. 1877) seinen abweichenden Standpunkt darlegte. In öffentlichen Versammlungen der verschiedensten Art erklärte er seine Überzeugung von der Notwendigkeit einer durchgreifenden Änderung der bestehenden Wirtschaftsordnung. Die neue, noch nicht zum Abschluß gelangte Ausgabe von Raus »Lehrbuch der politischen Ökonomie« (Leipz. 1870 ff.), die er in Gemeinschaft mit E. Nasse übernommen hat, gestaltete sich zu einem völlig neuen Werk, in welchem er der Volkswirtschaft neue rechtsphilosophische Unterlagen zu geben sich bemühte. Daneben war er für die Tübinger »Zeitschrift für Staatswissenschaft«, für die Hildebrandschen »Jahrbücher« u. a. sehr thätig und schrieb eine große Anzahl von Flugschriften. 1882-85 war W. Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.

4) Hermann, Geograph und Statistiker, Bruder des vorigen, geb. 23. Juni 1840 zu Erlangen, studierte in Göttingen und Erlangen Mathematik und Naturwissenschaften und übernahm 1864 eine Lehrerstelle am Gymnasium zu Gotha. Nachdem er 1868 in das geographische Institut von Perthes als Redakteur des statistischen Teils des »Gothaer Almanachs« getreten war, gründete er mit Behm eine Publikation, welche bestimmt war, die außerordentlich zerstreuten Materialien über Areal und Bevölkerungsangaben der gesamten Erdoberfläche zu sammeln und kritisch zu sichten. Dieselbe ist unter dem Titel: »Die Bevölkerung der Erde« von 1872 bis 1882 siebenmal als Ergänzungsheft zu »Petermanns Mitteilungen« erschienen. 1874 veröffentlichte W. eine von ihm bearbeitete große Wandkarte von Deutschland (4. Aufl.,