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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Waldhausen - Waldmeister.

Waldhausen, Konrad von, Vorläufer von Huß, geboren zu Waldhausen (Oberösterreich), trat in den Orden der regulierten Augustiner-Chorherren. Von Kaiser Karl IV. um 1360 nach Leitmeritz berufen, seit 1364 Pfarrer an der Teynkirche in Prag, suchte er bis zu seinem 1369 erfolgten Tod Klerus wie Laien einer strengen sittlichen Zucht zu unterwerfen. Vgl. Menzik, K. Waldhäuser (Prag 1884).

Waldheim, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, Amtshauptmannschaft Döbeln, an der Linie Chemnitz-Riesa der Sächsischen Staatsbahn, 238 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, ein großes Zuchthaus, eine Korrektions- und eine Irrenanstalt, Zigarren-, Stuhl-, Strumpf-, Serpentinsteinwaren-, Parfümerie-, Seifen-, Posamenten-, Filz-, Blechspielwaren- und Schuhfabrikation, eine große Handelsmühle und (1885) 8443 meist evang. Einwohner. W. litt oft durch Feuersbrünste. Unweit südlich, an der Zschopau, das Rittergut Kriebstein mit schönem Felsenschloß und Papierfabrik, diesem gegenüber das Dorf Ehrenberg mit Schloß und Park.

Waldhirse, s. Milium.

Waldhorn (ital. Corno di caccia), s. Horn, S. 721 f.

Waldhufe, s. v. w. Waldrod oder Neubruch (s. d.).

Waldhuhn, s. Auerhuhn.

Waldhühner (Tetraonidae), Familie aus der Ordnung der Hühnervögel.

Waldis, Burkard, Fabeldichter und Erzähler, geboren um 1490 zu Allendorf an der Werra, wurde Mönch und trat in ein Franziskanerkloster zu Riga. Von da machte er eine Reise nach Rom, und beim Beginn der Reformation in Riga wurde er von der katholischen Geistlichkeit mit einer Beschwerde an den Kaiser gesandt. Auf der Heimkehr begriffen, ward er von seinen Gegnern gefangen genommen, für die evangelische Lehre gewonnen und nach wenigen Tagen wieder freigelassen. Aus einer spätern Gefangenschaft, wahrscheinlich bei den Moskowitern, erlangte er erst nach dritthalb Jahren seine Freiheit wieder. In Riga brachte er 1527 ein geistliches Fastnachtsspiel: Vom verlornen Sohn, zur Aufführung; 1542 finden wir ihn in Hessen bei dem Landgrafen Philipp dem Großmütigen, dem er in dem Streit mit Herzog Heinrich dem jüngern von Braunschweig mit seiner satirischen Feder zu Hilfe kam; 1544 ward er Pfarrer zu Abterode in Hessen. Er scheint um 1556 gestorben zu sein. Sein »Esopus, Gantz New gemacht, und in Reimen gefaßt. Mit sampt Hundert Newer Fabeln« (Frankf. 1548, 6. Aufl. 1584) enthält 400 Fabeln, Erzählungen und Schwänke, die zum großen Teil den Bearbeitern Äsops und andern alten Fabeldichtern nacherzählt sind und sich durch treffende Satire und leichte, fließende Sprache auszeichnen. Seine Polemik richtete sich vornehmlich gegen die Geistlichkeit. Nicht bloß ältere Dichter, wie Rollenhagen, scheinen ihn benutzt zu haben, sondern auch neuere, wie Gellert, Zachariä und Hagedorn, entlehnten zu manchen ihrer besten Gedichte den Stoff und selbst die Einkleidung von W. Eine Auswahl seiner Fabeln gab Eschenburg (Braunschw. 1777) heraus; vollständige Ausgaben lieferten H. Kurz (Leipz. 1862, 2 Bde.) und Tittmann (das. 1882, 2 Bde.). Neudrucke seines Fastnachtsspiels »Vom verlornen Sohn« und der »Streitgedichte gegen Herzog Heinrich den jüngern von Braunschweig« erschienen Halle 1881 u. 1883. Vgl. Gödeke, Burkard W. (Hannov. 1852); Berkholz, Burkard W. im Jahr 1527 in Riga (Riga 1855).

Waldkantig, s. Holz, S. 676.

Waldkappel, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege, an der Wohra, Knotenpunkt der Linien Treysa-Leinefelde und Kassel-W. der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Zigarrenfabrikation, Gerberei, Holzhandel und (1885) 1107 fast nur evang. Einwohner.

Waldkatze, s. Würger; auch s. v. w. Wildkatze.

Waldkauz, s. Eulen, S. 906.

Waldkirch, Bezirksamtsstadt im bad. Kreis Freiburg, an der Elz, am Fuß der Hohen Kandel und an der Linie Denzlingen-W. der Badischen Staatsbahn, 276 m ü. M., hat eine evangelische und eine schöne kath. Stiftskirche, ein ehemaliges Chorherrenstift (jetzt Hotel), eine Bürgerschule, ein Amtsgericht, eine Bezirksforstei, Baumwollspinnerei und -Weberei, Nähseide-, Seidenband-, Seidengaze-, Drehorgel- und Orchestrionfabrikation, Orgelbau, Edelsteinschleiferei, Kunstmühlen und (1885) 8663 meist kath. Einwohner. Dabei die Schloßruine Schwarzenberg-W.

Waldkirchen, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, Bezirksamt Wolfstein, hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, einen Eisenhammer, Flachsbau und (1885) 1273 Einw.

Waldmann, Hans, Ritter, schweizer. Kriegsheld und Staatsmann aus dem 15. Jahrh., geb. 1437 zu Blickenstorf im Kanton Zug, siedelte indes schon als Knabe nach Zürich über, wo er das Bürgerrecht erwarb. Von Beruf Gerber und Eisenhändler, zog er das Kriegerleben vor und that sich frühzeitig sowohl in den eidgenössischen Feldzügen wie auch als kühner Führer von Reisläufern in fremden Diensten hervor. An den Burgunderkriegen nahm er als Hauptmann der Züricher teil und wurde vor der Schlacht von Murten zum Führer des eidgenössischen Gewalthaufens erhoben und zum Ritter geschlagen. 1477 führte er das Heer, welches René von Lothringen zuzog, und siegte über Karl bei Nancy. Seitdem war W. das anerkannte Haupt der eidgenössischen Politik; von ihm erwarteten die fremden Fürsten die wirksamsten Dienste oder den gefährlichsten Widerstand, und die Geschenke und Pensionen, welche ihm von Frankreich, Österreich, Savoyen, Mailand etc. zuflossen, machten ihn zum reichsten Mann der Schweiz. 1480 stieg er in Zürich zur Würde eines Obristzunftmeisters und 1482 zu derjenigen des Bürgermeisters empor. Da unter seiner Leitung die Züricher Regierung die Rechte des Landvolkes schmälerte, erhoben die Bauern 1489 einen Aufstand und zogen gegen die Stadt, wo die Feinde eines Bürgermeisters mit ihnen gemeinsame Sache machten. Die eidgenössische Tagsatzung und die Bürgerschaft gaben W. preis. Eine neue Regierung wurde eingesetzt, welche W. verhaften, foltern und zum Tod verurteilen ließ, den er 6. April gefaßt und würdig erlitt. Die vielfachen Schwächen und Ausschreitungen, vereint mit der imponierenden Thatkraft Waldmanns, lassen in ihm den Typus des kraftvollen, aber von tiefen Schäden angefressenen schweizerischen Volkstums nach den Burgunderkriegen erscheinen. Vgl. Füßli, Johannes W., Ritter (Zürich 1780); Senn, Bürgermeister Hans Waldmanns Leben und Ausgang (St. Gallen 1865); mehrere Schriften von Dändliker: »Hans Waldmanns Jugendzeit und Privatleben« (Zürich 1878), »Bausteine zur politischen Geschichte Hans Waldmanns und seiner Zeit« (im »Jahrbuch für Schweizergeschichte« 1880) und »H W. und die Züricher Revolution 1489« (Zürich 1889); Franz Waldmann, H. W., Bürgermeister von Zürich (das. 1889); Wunderli, H. W. und seine Zeit (das. 1889).

Waldmeister, Pflanzengattung, s. Asperula.