Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Waldst. et Kit.; Waldstätte; Waldstein; Waldstein-Wartenberg; Waldstelze; Waldstreu; Waldstroh; Waldteufel; Waldus; Waldverderber

352

Waldst. et Kit. - Waldverderber.

Waldst. et Kit. (W. et Kit.), bei botan. Namen Abkürzung für F. A. Graf von Waldstein-Wartenberg, geb. 1759 zu Wien, gest. 1823. Flora Ungarns. S. Kit.

Waldstätte, seit dem Anfang des 14. Jahrh. Name der drei schweizer. Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden, denen sich 1332 Luzern als der vierte anschloß, als der einstigen Ansiedelungen in den Waldgebirgen, welche den nach ihnen benannten Vierwaldstätter See umgeben. Zur Zeit der Helvetik (1798-1803) bildeten die drei Urkantone den neuen Kanton Waldstätten. Nicht zu verwechseln mit diesen Ländern sind die vier Waldstädte am Rhein, d. h. die Landstädtchen Rheinfelden, Säckingen, Laufenburg und Waldshut, ehemals österreichische Vorposten des Schwarzwaldes.

Waldstein, s. Fichtelgebirge, S. 239.

Waldstein-Wartenberg, altes böhm. Geschlecht, das 1617 in der Person Albrechts von Wallenstein (s. d.) vom Kaiser in den Grafenstand erhoben ward, teilte sich in die Waldsteinsche und die Arnauische Linie, deren einziger Vertreter Graf Albrecht, geb. 16. Febr. 1832, ist. Erstere, welche 1654 Sitz und Stimme im schwäbischen Reichsgrafenkollegium erhielt, nahm 1758 den Beinamen Wartenberg an und spaltete sich in die Zweige Münchengrätz, Dux und Leitomischl. Der erste wird repräsentiert durch den Grafen Ernst, geb. 10. Okt. 1821, erbliches Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats, der zweite durch den Grafen Wilhelm, geb. 31. März 1853, während der dritte mit dem Grafen Johann, geb. 21. Aug. 1809, gest. 3. Juni 1876, erloschen ist. Am berühmtesten ist aus der Linie Dux-Leitomischl Franz Adam von W., geb. 14. Febr. 1759 zu Wien, der als Malteserritter an einigen Seezügen gegen die Barbaresken teilnahm und dann als Offizier im österreichischen Heer von 1787 bis 1789 gegen die Türken focht, worauf er mit Kitaibel sieben Jahre lang botanische Reisen in Ungarn machte; die Resultate derselben legten sie in den »Descriptiones et icones plantarum rariorum Hungariae« (Wien 1802 bis 1812, 3 Bde.) nieder. Als das französische Heer 1797 in Steiermark eingedrungen war, trat W. zu dem in Wien errichteten adligen Kavalleriekorps, 1808 unter die neuerrichtete Landwehr; 1809 führte er als Major das 3. Bataillon der Wiener Freiwilligen. Nach dem Tod seines Bruders 1814 übernahm er die Güter in Böhmen und wirkte dort durch ökonomische wie Fabrikanlagen sowie durch Gründung von Kunst- und Naturaliensammlungen sehr segensreich. Er starb 24. Mai 1823 in Oberleutensdorf.

Waldstelze, s. Bachstelze.

Waldstreu, Waldprodukte, welche in der Landwirtschaft zum Einstreuen unter das Vieh benutzt werden. Man unterscheidet Rohstreu, mit dem Rechen zusammengebrachtes Laub, Nadeln, Moos etc.; Hack- und Sichelstreu, mit Hacke oder Sichel geworben (Flechten, Farne, Unkräuter, Humus etc.); Schneidelstreu (Reisstreu), durch Ausästen der Bäume gewonnenes, dünnstes, grünes Geäst, welches in Stücke von 10 cm. Länge gehackt wird. Die Waldstreunutzung ist fast immer waldschädlich, weil die Streudecke durch ihre wasserabsorbierende und wasserhaltende Kraft die Bodenfeuchtigkeit mehrt und erhält, weil sie auf Bodentemperatur und Bodengefüge günstig einwirkt, durch Humusbildung düngt und die Verwitterung der Mineralbestandteile des Bodens befördert. Fortgesetzte Streuentnahme auf armem und mittelmäßigem Waldboden führt zur Bodenverarmung und Ertragsverminderung, auch wird dadurch die klimatische Bedeutung des Waldes wesentlich herabgesetzt. Die dem Walde durch W. entzogene Nährstoffmenge zeigt folgende Tabelle:

Stickstoff Kali Kalk Magnesia Phosphorsäure

Buchenblätter im Herbst 8,0 2,3 26,4 3,5 2,4

Eichenblätter 8,0 1,4 20,3 1,7 3,5

Kiefernadeln 5,0 1,0 6,1 1,1 1,0

Fichtennadeln ? 0,6 4,3 0,5 1,4

Moos ? 2,6 2,2 1,1 0,9

Farnkraut ? 18,0 6,2 3,5 4,2

Heidekraut 10,0 2,1 3,6 1,6 1,1

Landwirtschaftlich ist die W. ein dürftiger Ersatz des Strohs, wichtig ist sie nur, wo letzteres fehlt, die Schneidelstreu besonders im Hochgebirge. Letztere verbessert in hohem Grade die physikalische Beschaffenheit schweren Bodens. Vgl. Ebermayer, Die gesamte Lehre von der W. (Berl. 1876); Gayer, Forstbenutzung (6. Aufl., das. 1883).

Waldstroh, Pflanze, s. Galium.

Waldteufel, Affe, s. v. w. Pavian.

Waldus, Peter, s. Waldenser.

Waldverderber (hierzu Tafel »Waldverderber I u. II«), diejenigen Tiere und Pflanzen, welche der Waldwirtschaft schädlich sind und durch die Maßregeln des Forstschutzes (s. d.) bekämpft werden. In hervorragender Weise waldschädlich sind: das auf einen kleinen Winkel im nordöstlichen Deutschland zurückgedrängte Elchwild durch Verbeißen der Triebe und Knospen, durch Abbrechen der Wipfel jüngerer Bäume, um zu jenen zu gelangen, durch Schälen der noch nicht borkigen Rinde und Fegen an schlanken Stämmen zur Entfernung des Bastes von dem neugebildeten Geweih; das Rotwild, mit Ausnahme der Wipfelbrechung ähnlich wie das Elch; das Reh durch starkes Verbeißen junger Pflanzen sowie durch Fegen an jungen Stämmen; das Damwild schadet in ähnlicher Weise, allein weit weniger als das Rotwild; alle genannten Wildarten durch Zertreten junger Pflanzen auf ihren Wechseln, bez. Brunftplätzen; das Wildschwein durch Verzehren der Mast und Abreiben der Rinde einzelner Stämme (Malbäume); von den Nagetieren das Eichhörnchen durch Verzehren von Baumsämereien, Abbeißen von Knospen und Trieben, besonders der Tannen und Fichten, Schälen der saftigen Rinde; die Mollmaus (Arvicola amphibius) durch unterirdisches Abschneiden junger Holzpflanzen, besonders Eichen, und zwar am empfindlichsten in Streifenkulturen; die Acker- und Feldmaus (A. agrestis und A. arvalis) durch Vermehren der Mast, vorzüglich aber durch Schälen der Rinde, besonders an jungen Buchen und Hainbuchen; die Rötelmaus (A. glareolus) desgleichen an jungen Lärchen, auch Fichten; die Waldmaus durch Verzehren der Mast; der Hase durch das Abschneiden junger Pflanzen, namentlich Buchen, und Schälen junger Stämme, besonders Obstbaum, Akazie; das wilde Kaninchen durch starkes Schälen schwächerer Holzwüchse. Der durch Schneiden und Schälen ruinöse Biber fällt seiner Seltenheit wegen nicht mehr ins Gewicht. Von den Vögeln können lokal sehr arg schaden: der Bergfink an Buchenmastorten, der Buchfink und die Wildtauben auf den Saatbeeten, das Auerhuhn durch Verbeißen junger Nadelholzpflanzen in den Kämpen.

Weitaus eingreifender sind die Insektenschäden in den Waldungen, wenngleich die Zahl der im großen schädlichen Insektenarten eine nur geringe ist. Diese Schäden haben im letzten Jahrhundert sich