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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wallner; Wallnister; Wallnuß; Wallon

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Wallner - Wallon.

erloschen sind. Zur erstern gehört Ludwig Georg Thedel, Graf von W., geb. 6. Febr. 1769 zu Wien, trat zuerst in hannöversche, 1790 in preußische und 1795 in österreichische Dienste. Hier zeichnete er sich in den Feldzügen von 1796 bis 1801 als kluger Parteigänger aus. Er schloß 1809 in London den Subsidienvertrag zwischen England und Österreich ab. Bei seiner Rückkehr nach Wien nahm er mit Auszeichnung an der Schlacht bei Wagram teil. Nach dem Wiener Frieden zum Feldmarschallleutnant befördert, trat er 1813 in russische Kriegsdienste, wurde Befehlshaber der deutschen Legion, die er nach Mecklenburg führte, vereinigte dieselbe nach dem Waffenstillstand im August 1813 mit der Nordarmee und behauptete sich mit seinem Korps nicht nur gegen die Übermacht Davoûts, sondern schlug auch die französische Division Pecheux an der Göhrde. Nach dem zweiten Pariser Frieden nahm er wieder in Österreich Dienste und wurde 1817 Oberbefehlshaber der im Königreich Neapel zurückgelassenen Österreichischen Truppen. 1821 befehligte er einen Hauptteil des gegen Neapel bestimmten österreichischen Heers und besetzte im Juni die Insel Sizilien, wo er bis 1823 blieb. Später erhielt er eine Anstellung bei der Armee im Lombardisch-Venezianischen Königreich, wurde 1838 zum General der Kavallerie ernannt und war bis 1848 Militärkommandant zu Mailand. Er starb 20. März 1862. Um die österreichische Armee hat er sich besonders durch Ausbildung der leichten Infanterie im Tirailleurgefecht verdient gemacht. Mit seinem Bruder Karl August Ludwig, Graf von W., geb. 4. Jan. 1792, k. k. Geheimrat und Feldmarschallleutnant, gest. 28. Febr. 1883 in Prag, erlosch die gräfliche Linie Oberhaus W. Die Linie Unterhaus W. besteht noch und ist im Besitz des Gutes W.

Wallner, Franz, eigentlich Leidesdorf. Schauspieldirektor und Schriftsteller, geb. 25. Sept. 1810 zu Wien, schlug 1830 in Krems die theatralische Laufbahn ein, wirkte seit 1836 am Josephstädtischen Theater in Wien und nahm, nachdem er an zahlreichen Bühnen gastiert hatte, 1848 ein Engagement nach Petersburg an, gastierte seit 1850 abermals, bis er 1851 die Direktion des Theaters in Freiburg i. Br. und Baden-Baden, 1853 der Theater in Posen und 1855 das damals ganz verfallene Königstädter Theater in Berlin übernahm. 1864 erbaute er daselbst das neue großartige Wallner-Theater und verpachtete es 1868 an den Schauspieler Lebrun, teils um seiner angegriffenen Gesundheit Erholung zu gönnen, teils seiner Reiselust Genüge zu leisten, die er mit Geschick schriftstellerisch zu verwerten verstand. Er starb 19. Jan. 1876 in Nizza, wurde aber in Berlin begraben. W. schrieb: »Rückblicke auf meine theatralische Laufbahn« (Berl. 1864). - Seine Gattin Agnes, geborne Kretzschmar, geb. 22. Dez. 1826 zu Leipzig, Pflegetochter Robert Blums, war eine vorzügliche Darstellerin in eleganten Konversationsrollen.

Wallnister (Talegalla Less.), Gattung aus der Ordnung der Hühnervögel und der Familie der W. oder Großfußhühner (Megapodiidae), mittelgroße Vögel in Australien und Ozeanien, mit kleinem Kopf, kräftigem Schnabel, mittelgroßen, stark gerundeten Flügeln, kurzem, dachförmigem Schwanz, sehr großen Füßen, langem, kräftigem Lauf und langen, großen Zehen. Sie legen sehr große Eier, welche in eigentümlicher Weise gezeitigt werden, und aus denen die Jungen mit dem Federkleid der Alten bis auf die Steuerfedern bedeckt und im stande, sofort eine kurze Strecke zu fliegen, ausschlüpfen. Auch bei diesen Vögeln entwickelt sich wie bei allen übrigen zuerst ein Embryonalgefieder, dasselbe wird aber noch im Ei abgeworfen. Das Buschhuhn (Buschtruthuhn, Talegallahuhn, T. Lathami Gray, s. Tafel »Hühnervögel«) ist 80 cm lang, mit nacktem, scharlachrotem Hals und Kopf und am Vorderhals lang herabhängendem, hochgelbem Hautwulst, oberseits schokoladenbraun, unterseits hellbraun, silbergrau gerändert oder gebändert; das Auge ist hellbraun, der Schnabel bleigrau, der Fuß hell schokoladebraun. Es bewohnt die Waldungen von Neusüdwales, lebt gesellig in kleinen Trupps nach Art der Hühnervögel, läuft sehr geschickt durch das verworrenste Buschwerk, bäumt oft und leicht und wird bei seiner Fahrlässigkeit leicht erlegt. Seines schmackhaften Fleisches halber jagt man es eifrig und hat es bereits sehr zurückgedrängt. Zur Brutzeit scharrt das Männchen einen etwa 1½ m hohen Haufen abgestorbener Pflanzenteile zusammen, in welchem sich durch die bald eintretende Gärung eine bedeutende Wärme entwickelt. Sobald dies geschehen, legt das Weibchen seine Eier einzeln in Abständen von 20-30 cm und etwa armstief hinein und bedeckt sie mit Blättern. Die Eier sind 9,5 cm lang, 6,5 cm dick und rein weiß. Das Männchen überwacht die Entwickelung der Eier und der Wärme und sorgt für Zuführung von Luft und Regelung der Temperatur. Die einzelnen Haufen scheinen von mehreren Hühnern errichtet und benutzt zu werden, und man findet in ihnen zuweilen einen Scheffel Eier. Diese entwickeln sich lediglich durch die Wärme des Haufens; die Jungen schlüpfen befiedert aus und sind sogleich im stande, zu bäumen. Zu derselben Familie gehört das Großfußhuhn (Megapodius Duperreyi Less.), von der Größe eines weiblichen Fasans, ähnlich gebaut wie das vorige, aber mit schwächerm, am Grund breitem, an der Spitze gewölbtem Schnabel, kurzem, breitem, abgerundetem Schwanz und längern Zehen, ist am Kopf dunkel rotbraun, auf dem Rücken und an den Flügeln zimtbraun, Schwingen und Schwanzfedern schwärzlichbraun, am Hinterhals und an der Unterseite grau, mit rötlichbraunem Auge und Schnabel und orangefarbenem Fuß. Es bewohnt auf den Philippinen das Gestrüppe in der Nähe der Küste, lebt paarweise oder einzeln und nährt sich von Wurzeln, Sämereien und Kerbtieren. Es baut aus Sand, Muscheln, Schlamm und vermodertem Holz Nisthaufen, welche, von mehreren Generationen benutzt und vergrößert, fast 5 m Höhe und 20 m Umfang erreichen. Die Eier liegen in diesen Haufen 2 m tief, sind 9 cm lang und 6 cm dick. Eine andre Art, M. Freycinetti Stud., auf Neubritannien, bildet im schwarzen Lavasand 30-60 cm tiefe Gänge und legt in diese 2-3 Eier, welche hier einer Temperatur von 38-40° ausgesetzt sind.

Wallnuß, s. Walnußbaum.

Wallon (spr. -óng), Alexandre Henri, franz. Historiker, geb. 23. Dez. 1812 zu Valenciennes, besuchte 1831-34 die Normalschule, widmete sich dem Unterrichtsfach, war erst Lehrer der Geschichte in der Provinz, ward 1840 Maître de conférences an der Normalschule und Suppléant Guizots an der Sorbonne, 1849 Mitglied der konterrevolutionären Partei in der Gesetzgebenden Versammlung, 1850 Mitglied der Akademie, 1871 Mitglied des rechten Zentrums der Nationalversammlung, vermittelte 1874 durch seine Anträge die Vereinbarung der nach ihm benannten Verfassung vom 25. Febr. 1875 (Constitution W.) und ward dann Unterrichtsminister (März 1875-1876), zeigte sich aber sehr klerikal gesinnt. 1876 wurde er in den Senat gewählt, in dem er zur Rechten gehört. Er schrieb: »Histoire de l'esclavage