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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Walsall; Wälsch; Walsingham; Walsrode; Walstatt; Wälsungen; Waltenhofen; Walter

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Walsall - Walter.

an den schottischen Küsten, ist aber jetzt weit nach N. zurückgedrängt und wird nur noch in den nördlichen Teilen Ost- und Westgrönlands, in der Baffinsbai und allen mit ihr in Verbindung stehenden Straßen, Sunden und Buchten bis zu der Beringsstraße hin, um Nowaja Semlja und Spitzbergen, auf Alaska und den Alëuten angetroffen. In allen diesen Gebieten wird es immer seltener, und nur an einzelnen bevorzugten Orten trifft man jetzt noch bisweilen Herden von einigen hundert Stück, während noch vor wenigen Jahrzehnten solche von vielen Tausenden beobachtet wurden. Die Walrosse sind hauptsächlich Küstenbewohner, unternehmen nur selten ausgedehntere Reisen, ziehen vielmehr meist nur von einem Weideplatz zum andern. Sie schwimmen schnell und gewandt, bewegen sich auf dem Land aber schwerfällig und ungeschickt fort und sollen steile Eisblöcke mit Hilfe der Eckzähne erklettern. Sie sind träge und liegen tagelang schlafend an der Küste oder auf dem Eis. Angegriffen, verteidigen sie sich mit blinder Wut, und während der Paarungszeit kämpfen sie auch unter sich auf das heftigste. Dabei brüllen sie sehr laut, während ihre Stimme sonst dem Brummen einer Kuh gleicht. Das Weibchen wirft nur ein Junges, welchem es sich mit treuester Mutterliebe widmet. Das W. nährt sich von Muscheln, Fischen, Seesäugetieren, verschluckt aber mit dieser Nahrung auch Tange, Sand und Kiesel. Für die nordischen Völker, zumal für die Eskimo, hat das W. dieselbe Bedeutung wie der Seehund. Die Jagd auf Walrosse ist immer gewagt, da ein Angriff auf eins alle andern in der Nähe befindlichen zu dessen Verteidigung herbeizieht. Sie versammeln sich dann um das Boot, von welchem aus der Angriff geschah, kämpfen mit der größten Wut und Unerschrockenheit, durchbohren die Planken mit ihren Hauzähnen und suchen das Boot umzuwerfen. Auf dem Land und auf Eisschollen sind sie am leichtesten zu bewältigen, doch eilen sie beim Angriff so schnell wie möglich dem Wasser zu. Seitdem der Walfischfang weniger ergiebig geworden ist, macht man eifrig Jagd auf diese Tiere, daher sie sich von Jahr zu Jahr verringern. Die Hauzähne werden wie Elfenbein benutzt und namentlich zu künstlichen Zähnen verarbeitet, die Haut wird ebenfalls verwertet und der Speck zu Thran gesotten. Die nordischen Völker benutzen Haut, Knochen, Sehnen des Tiers in der mannigfaltigsten Weise, essen das schwarze Fleisch und bedienen sich der Zähne als Tauschartikel. Die ältern Autoren gaben eine mit vielen Sagen und Märchen geschmückte Beschreibung des Tiers; ein Bischof von Drontheim sandte den eingesalzenen Kopf eines Walrosses an den Papst, und nach diesem Kopf lieferte Geßner eine ziemlich richtige Beschreibung. Gute und ausführliche Berichte gab zuerst Martens gegen Ende des 17. Jahrh. Gefangene Walrosse wurden wiederholt nach Europa gebracht, das erste erweislich 1608.

Walsall (spr. ŭóllsell), Stadt in Staffordshire (England), auf einer Anhöhe 12 km nordwestlich von Birmingham, hat schöne öffentliche Gebäude, eine Lateinschule, Fabrikation von Sattlerwaren, eisernen Hausgeräten, Posamentierarbeiten u. (1881) 58,795 Einw.

Wälsch und Zusammensetzungen, s. Welsch etc.

Walsingham (spr. -häm), Sir Francis, engl. Staatsmann, geb. 1536 zu Chiselhurst in der Grafschaft Kent, studierte zu Cambridge und bereiste dann den Kontinent, wurde 1570 britischer Gesandter zu Paris und 1573 unter Elisabeth Staatssekretär des Auswärtigen. Ein eifriger Protestant, machte er es sich zur Lebensaufgabe, die von den katholischen Mächten Europas gegen seine Herrin gesponnenen Ränke durch ein Netz geheimer Gegenwirkungen, oft mit nicht zu billigenden Mitteln, zu zerstören; an den Erfolgen von Elisabeths Politik hat er dadurch nicht geringen Anteil gehabt. Namentlich übte er auch auf das Schicksal der Maria Stuart verhängnisvollen Einfluß. Er entdeckte durch seine Spione die Verschwörung Babingtons, wußte die gefangene Maria in dieselbe zu verwickeln und führte, nachdem er genügende Beweise für ihre Schuld gesammelt hatte, ihren Untergang herbei. Als Philipp II. 1588 seine Armada gegen England ausrüstete, wußte W. durch seine Spione und Intrigen das Auslaufen der spanischen Expedition um ein ganzes Jahr aufzuhalten, zog sich aber bald darauf, unwillig daß Elisabeth seinen Verdiensten die erbetene Belohnung verweigerte, vom Hof zurück und starb 6. April 1590; sein Vermögen hatte er im Dienste des Staats verausgabt. Ein Verdienst von ihm ist die Betreibung der ersten Kolonisationsversuche in Nordamerika. Die früher oft gedruckten »Arcana aulica« wurden ihm mit Unrecht zugeschrieben.

Walsrode, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, Kreis Fallingbostel, an der Böhme, 32 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein evangelisches adliges Damenstift (in dem 974 gestifteten Kloster), ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Fabrikation von Blechdosen, Tonnen, Holzwaren, Leder und Schießbaumwolle und (1885) 2216 fast nur evang. Einwohner.

Walstatt (Walplatz), s. Wal.

Wälsungen (altnord. Völsungar), berühmtes Heldengeschlecht der altgermanischen Sage, das seinen Ursprung auf den Frankenkönig Sigi, einen Sohn Odins, zurückführte und nach dessen Enkel Wals oder Wälsung, dem Sohn des Königs Wärir (Rerir), dessen kinderloser Gattin die Göttin Frigg einen fruchtbar machenden Apfel gesandt hatte, benannt war. Wälsungs Sohn ist der tapfere Siegmund, der Liebling Odins, und aus dem Bund Siegmunds mit seiner ihn vor den Nachstellungen eines bösen Oheims rettenden Schwester Sigar ging der Held Sigurd (Siegfried) hervor, in welchem das Geschlecht in seinem höchsten Glanz erscheint. Die Thaten der W. bilden den Inhalt der altnordischen Völsungasaga (hrsg. von Bugge, Christ. 1865; von Wilken: »Die prosaische Edda im Auszug, nebst Völsungasaga etc.«, Paderb. 1877-83, 2 Tle.; übersetzt von Edzardi, Stuttg. 1880). Vgl. Saga.

Waltenhofen, Adalbert von, Physiker, geb. 14. Mai 1828 zu Admontbühel in Steiermark, studierte zu Wien, wurde 1850 Gymnasiallehrer in Graz, 1852 Professor der Physik in Innsbruck, 1867 an der technischen Hochschule in Prag, 1883 Vorstand des elektrotechnischen Instituts an der technischen Hochschule in Wien. Er schrieb: »Grundriß der mechanischen Physik« (Leipz. 1875); »Die internationalen absoluten Maße, insbesondere die elektrischen Maße« (Braunschweig 1885).

Walter, 1) Ferdinand, ausgezeichneter Rechtsgelehrter, geb. 30. Nov. 1794 zu Wetzlar, nahm 1813 in einem donischen Kosakenregiment teil an dem Kampf gegen Frankreich, studierte sodann in Heidelberg die Rechte und ward 1818 Professor derselben zu Bonn, später auch zum Geheimen Justizrat ernannt. Als Abgeordneter der preußischen Nationalversammlung 1848 trat W. entschieden auf die Seite der Krone, und auch als Mitglied der Ersten Kammer 1849 und 1850 huldigte er der gemäßigten konservativen Richtung. Er starb 13. Dez. 1879 in Bonn. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: »Lehrbuch des Kirchenrechts« (Bonn 1822; 14. Aufl. von H.