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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Walzwerk

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Walzwerk.

Walzenpaare (Fig. 4), ein horizontales ab und ein vertikales c d. Beide lassen zusammen einen viereckigen Raum zwischen sich, der sowohl nach oben durch Verstellung der horizontalen Oberwalze als seitwärts durch Näher- oder Auseinanderrücken der Walzen c und d innerhalb weiter Grenzen verkleinert und vergrößert werden kann. Indem das durch a b gegangene Eisen die Walzen c d passiert, gewinnt es die Gestalt der freien Öffnung, welche übrigens außer der vierkantigen noch andre Formen erhalten kann (s. Walzeisen). Der Antrieb der Vertikalwalzen c d, welche in dem Gerüst r r gelagert sind, erfolgt durch die Kegelräder k g. Die drei in Fig. 5 bis 7 in der Seitenansicht und dem Grundriß angedeuteten Anordnungen dienen: Fig. 5 für Flacheisen mit scharfen Kanten, Fig. 6 für Eisen mit gut auszubildenden Flächen, Fig. 7 für Façoneisen. Oder man hat nur ein Walzenpaar (Fig. 8), aber in folgender Anordnung. Auf die Oberwalze sowohl als auf die Unterwalze ist ein Ring o, resp. u geschoben, welcher in eine entsprechende Nute r s der Gegenwalze eingreift. Die Oberwalze ist nun mit ihren verlängerten Zapfen der Länge nach mittels der Schraube a und durch die Stellschrauben c c in der Höhe verschiebbar, wodurch der zwischen den Walzen und den Ringen vorhandene Raum größer oder kleiner gemacht werden kann.

Die gewöhnlichen Walzwerke dienen oft zum Ausquetschen der in den Puddelluppen enthaltenen Schlacke (Zängewalzwerke), häufiger zum Walzen von bereits unter dem Hammer gezängten Luppen (Masseln, Brammen), um dieselben bei noch fernerer Ausquetschung der in ihnen enthaltenen Schlacke in Rohschienen zu verwandeln (Luppen- oder Rohschienenwalzwerke), welche, in kurze Stücke zerschnitten, entsprechend paketiert, resp. aus verschiedenen Eisensorten zusammengesetzt in den Schweißofen gelangen, um endlich auf besondern Walzwerken zu Stabeisen, Façoneisen, Eisenbahnschienen, Blech, Draht etc. übergeführt zu werden (Stabeisen-, Façoneisen-, Schienen-, Blech-, Drahtwalzwerke etc.). Das zu walzende Eisenstück wird zwischen beide Walzen eingeführt, infolge der an der Oberfläche entstehenden Reibung erfaßt und durch die Walzen hindurchgeführt. Ist diese Reibung geringer als der Widerstand, welchen das Eisen gegen das Zusammendrücken leistet, so bleibt das Eisenstück vor den Walzen liegen. Ein Eisenstück kann daher nur dann von den Walzen erfaßt werden, wenn seine Dicke ein gewisses Verhältnis zur Entfernung der beiden Walzenmäntel voneinander und zum Durchmesser der Walzen nicht überschreitet. Es kann daher auch ein Eisenstück durch Walzen nicht plötzlich auf einen beliebig kleinern oder anders geformten Querschnitt gebracht werden, sondern es muß zu diesem Zweck mehrere Walzen oder Walzenteile passieren. Diese sprungweise Änderung der Querschnittsform wird nun sowohl durch eine veränderte Stellung der Walzen gegeneinander (Blechfabrikation) als auch durch Anwendung von Walzen oder Walzenteilen wie bei den Universalwalzwerken herbeigeführt. Behufs bequemerer Einführung des zu walzenden Eisenstücks zwischen die Walzen befindet sich an der entsprechenden Walzenseite unmittelbar vor den Walzen der sogen. Walzentisch (Walzenbank) a (Fig. 9). Derselbe ist auf einem Querstab c befestigt, welcher, parallel den Walzenachsen liegend, mit seinen Enden in den Nuten n n der beiderseitigen Walzenständer gelagert ist. Bei Kaliberwalzen zum Walzen von Stäben kleinerer Dimensionen ist die sonst auf ihrer Oberfläche glatte Walzenbank wohl noch durch niedrige Querwände, entsprechend der Entfernung der einzelnen Kaliber voneinander, in einzelne Abteilungen (Einlässe) eingeteilt, welche wohl auch für besondere Fälle eine kasten- oder röhrenartige Form annehmen, um das Einführen des Stabes in das betreffende Kaliber um so sicherer und ohne Zeitverlust vornehmen zu können. Der Walzenbank gegenüber befindet sich auf der andern Seite der Walzen eine ähnliche Platte b, welche sich scharf gegen die Walzen anschließt und dadurch verhindern soll, daß das durchgewalzte Eisen sich nicht um die Unterwalze umlegt (Abstreichmeißel). Endlich sind an derselben Stelle auch noch bisweilen besondere Bürstenvorrichtungen angebracht behufs Abstreichens der Schlacke von dem durchgewalzten Stab (Schlackenbürsten). Bei nur nach einer Richtung laufenden Walzen muß das durchgewalzte Stück, um die Walzen zum zweitenmal passieren zu können, wieder vor die Walzen gebracht werden. Dieses Zurücktransportieren geschieht bei leichtern Walzstücken einfach mittels Zangen, mit denen das glühende Stück erfaßt und über die Oberwalze zurückgereicht wird, wobei die Drehungsrichtung dieser Oberwalze das Zurückführen des auf ihr auflagernden Eisenstabs von selbst bewirkt. Bei schwereren Walzstücken wendet man besonders geformte Zangen oder Gabeln an, welche in Ketten hängen und unter Benutzung von Hebelkraft ein Anheben und Zurückschieben über die Oberwalze hinweg erleichtern. Endlich geschieht die Anhebung und Zurückführung sehr schwerer Walzstücke über die Oberwalze dadurch, daß man den Walzentisch ab (Fig. 9) in vertikaler Richtung beweglich herstellt und das Heben und Senken desselben durch eine mechanische Kraft hervorbringt. Dieses Zurückführen des gewalzten Eisens erfordert indes, zumal bei einer größern Länge desselben oder bei den großen Blechtafeln, viel Zeit und Kraft, und man sucht es daher möglichst zu vermeiden. Dies geschieht durch die Reversier- oder Kehrwalzwerke mit einem Paar Walzen, welche nach dem Durchgang des Eisens angehalten und in die entgegengesetzte Umdrehungsrichtung versetzt werden können, so daß nunmehr das Walzstück die Walzen in entgegengesetzter Richtung passieren kann. Man benutzt aber auch den Drei- oder Triowalzentrain (Fig. 10) mit drei in demselben Gestell liegenden Walzen (Unter-, Mittel- und Oberwalze). Das zu walzende Stück wird hier auf der einen Seite der Walzenstraße zwischen der Unter- und Mittelwalze eingeführt und im Rückweg, nach geringem Anhub, der Mittel- und Oberwalze zugeführt. Da hier die Walzen stets in derselben Richtung fortlaufen, werden sowohl Stöße als Zeitverluste vermieden; hingegen muß der Walzentisch bei schweren Stücken auf und nieder bewegt werden können, damit das Stück auf dem Rückweg zwischen Mittel- und Oberwalze eingeführt werde, oder man verwendet, wenn auch selten, den Vierwalzentrain (Fig. 11), bestehend aus zwei Paaren in verschiedener Höhe, aber dicht hintereinander liegender Walzen von entgegengesetzter Umdrehungsrichtung.

Das die Walzen passierende Eisen vermindert entweder sein Volumen infolge des Auspressens der in ihm flüssig enthaltenen Schlacke (bei den Zänge- und Luppenwalzwerken), oder es verändert seinen Querschnitt durch die Ausdehnung in die Länge (bei den Stabeisen-, Schienen- und Façoneisenwalzwerken) und gleichzeitig in die Breite (bei den Blechwalzwerken). Die Streckung ist um so größer, die Breitung um so geringer, je weicher die Qualität des Eisens und je heißer dasselbe ist; dagegen nimmt das Breiten zu und das Strecken ab mit steigendem Walzen-^[folgende Seite]