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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wandermuschel; Wanderniere; Wanderratte; Wanderrose; Wandersleben; Wandertrieb; Wanderu; Wanderung

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Wandermuschel - Wanderung.

der seßhaften Detailhändler und Handwerker, namentlich in mittlern und kleinen Städten; 2) sie befördern den volkswirtschaftlich unerwünschten Verbrauch geringwertiger Ware und reizen überhaupt zu unwirtschaftlichem Ankauf an; 3) sie drängen Industrie und Handel in eine unsolide, ohne Rücksicht auf die Güte der Waren lediglich die möglichste Billigkeit derselben anstrebende Richtung. Nur in dünn bevölkerten, gewerblich wenig entwickelten Gegenden können die W. für solche Waren, in welchen eine genügende Konkurrenz fehlt, wirtschaftlich gerechtfertigt sein. Durch Gesetz die W. einfach zu verbieten, erscheint nicht gerechtfertigt; dagegen müssen Garantien gegen die beim Wanderlagerverkehr hervorgetretenen Mißstände geschaffen werden. Insbesondere ist der Gefahr der Übervorteilung des Publikums durch strenge polizeiliche Regelung des Wanderlagerverkehrs entgegenzutreten. Vgl. Marx, Die W. (2. Aufl., Bonn 1887).

Wandermuschel (Dreissena polymorpha Pall.), Gattung aus der Familie der Miesmuscheln (Mytilidae), besitzt ein gleichschaliges, dreieckiges Gehäuse. Der Mantel ist bis auf drei enge Öffnungen völlig geschlossen. Sie ist im südlichen Rußland heimisch und sitzt klumpenweise an Steinen oder an Muscheln mittels des Byssus (s. d.) befestigt. Im ersten Viertel unsers Jahrhunderts gelangte sie auf den künstlichen und natürlichen Wasserwegen aus ihrer Heimat in etwas mehr als einem Jahrzehnt nach den Ostseeprovinzen und deren Haffen und von da bis zur Havel, wo sie sich seit 1825 massenhaft findet. Sie ist jetzt auch in die Spree, bis Magdeburg und Halle vorgedrungen, erschien 1826 an der Rheinmündung und findet sich jetzt bis Hüningen und Heidelberg. Von Holland aus gelangte sie auch bis Paris, und in neuester Zeit wanderte sie in das Gebiet der Loire ein. In den Londoner Docks sah man sie 1824, und jetzt bewohnt sie verschiedene Flüsse Englands und Schottlands. Alle diese Einwanderungen sind wahrscheinlich auf Verschleppungen durch Schiffe und Flöße zurückzuführen. Die W. findet sich aber auch in einigen Seen ohne schiffbare Verbindung mit Flüssen in Mecklenburg, Pommern und Albanien.

Wanderniere (Ren mobilis, R. migrans), vorübergehende oder dauernde Lagenveränderung einer oder beider Nieren, besonders der rechten, infolge einer Lockerung ihrer Kapsel und ihrer Aufhängebänder, wobei dieselbe als ein beweglicher Körper unter dem freien Rande des Rippenbogens oder tiefer gegen den Nabel gefühlt wird. Die W. findet sich angeboren und bei Frauen nach Entbindungen, sie entsteht auch durch das Tragen fester Rockbänder und Schnürleiber, durch schwere körperliche Arbeit, nach schneller Abmagerung, häufigem Erbrechen, hartnäckigem Husten etc. Bisweilen macht die W. gar keine Symptome, in der Regel aber kommt es, besonders bei Einklemmung der W., zu allerlei Beschwerden. Die Behandlung besteht in Reposition, Fixierung durch Bruchbänder oder Leibbinden, Kräftigung der Bauchdecken und allgemeiner Abhärtung. Vgl. Keppler, Die W. (Berl. 1879); Schütze, Die W. (das. 1888).

Wanderratte, s. Ratte.

Wanderrose (Erysipelas migrans), eine Rose, welche nach ihrem Verschwinden an einer Stelle in deren unmittelbarer Nachbarschaft von neuem auftritt. Sie findet sich am häufigsten an den Extremitäten und ist oft langwierig.

Wandersleben, Dorf im preuß. Regierungsbezirk und Landkreis Erfurt, am Fuß der Wandersleber Gleiche (s. Gleichen) und an der Linie Neudietendorf-Kassel der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, eine königliche Präparandenanstalt und (1885) 1293 Einw.

Wandertrieb, s. Wanderung.

Wanderu, s. Makako.

Wanderung (Migration), die Erscheinung, daß manche Tiere zu regelmäßigen Zeiten im Jahr oder auch anscheinend regellos ihren Standort verlassen und vorübergehend oder für immer eine andre Heimat suchen. Solche Wanderungen werden, aus zum Teil noch unerklärten Beweggründen, meist in Massen ausgeführt, wie z. B. diejenigen der eigens danach benannten Wanderheuschrecke, verschiedener Schmetterlinge und Ameisen, einiger Krebstiere, mancher Fische, der meisten Vögel, auch einzelner Säugetiere. Die regelmäßigen Wanderungen sind am genauesten bei den Zugvögeln studiert worden, die in der kalten Jahreszeit weiter nach Süden ziehen, zu Anfang des Sommers jedoch in ihre alten Quartiere zurückkehren. Die große Sicherheit, mit welcher manche unter ihnen, z. B. die Störche, ihre Nester wieder auffinden, obwohl sie auf ihrem Weg Meeresteile von beträchtlicher Breite zu überfliegen haben, hat früher zur allgemeinen Annahme eines besondern Instinkts, des Wandertriebes, geführt, erlaubt jedoch eine einfachere Deutung. Man unterscheidet nämlich neben den eigentlichen Zugvögeln auch noch die Standvögel, welche ihren Aufenthaltsort das ganze Jahr hindurch beibehalten, und die Strichvögel, welche nur wenig oder in unregelmäßiger Weise umherziehen. Es kann nun ein und derselbe Vogel je nach dem Umfang seines Verbreitungsbezirks allen drei Kategorien angehören. (So ist z. B. die Eiderente, ein gänzlich auf die Meeresküsten angewiesenes Tier, für Grönland, Spitzbergen und Island ein Wandervogel, der südwärts zieht, sobald ihm das Eis nicht mehr erlaubt, seine aus allerlei Seetieren bestehende Nahrung zu gewinnen; an der Ostsee, welche nur teilweise zufriert, wird sie Strichvogel, d. h. sie sucht die offen bleibenden Stellen auf; an den Küsten von England und Frankreich, die vom warmen Golfstrom bespült werden, lebt sie als Standvogel jahraus, jahrein.) Dies beweist also deutlich, daß die Gewohnheit der regelmäßigen W. sich erst allmählich ausgebildet hat und bei langsamer Verschiebung der Temperaturverhältnisse sich auch jetzt noch bei den davon betroffenen Vogelarten ausbilden wird. Die Richtung derselben wird immer nach dem Äquator zu erfolgen müssen, weil nur so die Erhaltung der Individuen auch während der kalten Jahreszeit möglich ist. Durch Vererbung aber wird das ursprünglich vielleicht von nur wenigen ausgeführte Wandern im Lauf der Generationen zur Gewohnheit aller. In ähnlicher Weise lassen sich bei manchen Vögeln, welche ihre Heimat im Süden haben, die Frühjahrszüge nach Norden, wo das Futter durch Sommerhitze nicht verdorrt, erklären. Die Zugstraßen, welche die einzelnen Vogelarten einschlagen, sind gleichfalls zum größten Teil von der Möglichkeit, auf ihnen auch während der oft Wochen dauernden Reise Nahrung anzutreffen, bedingt, daher auch für Sumpfvögel andre als für Landvögel etc. und gewöhnlich Umwege. Die nach Afrika wandernden Vögel fliegen nur zum Teil über die Meerenge von Gibraltar oder von der Westspitze Siziliens nach dem so nahen Kap Bon, legen vielmehr je nach ihrem Ausgangspunkt und sonstigen Umständen Routen zurück, die weder der Luftlinie entsprechen, noch auch unter Berücksichtigung aller vorhandenen Inseln als ebenso vieler Ruhepunkte gewählt sind. Es hat sich aber